Reiseland TürkeiUrlaub im Tränengas?

In Istanbul und anderen Städten der Türkei spitzt sich die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Protestierenden zu. Was bedeutet das für die Touristen? von 

Türkische Polizisten vor dem Divan Hotel in Istanbul. Die Einsatzkräfte schossen Tränengaspatronen in den Eingang des Luxushotels,  Gäste und Demonstranten flüchteten in den Keller.

Türkische Polizisten vor dem Divan Hotel in Istanbul. Die Einsatzkräfte schossen Tränengaspatronen in den Eingang des Luxushotels, Gäste und Demonstranten flüchteten in den Keller.  |  © Scott Peterson/Getty Images

Es sind erschreckende Bilder: Mit Schutzhelmen und Gasmasken versuchen Demonstranten in Istanbul, sich gegen Gasgranaten und Wasserwerfer der Polizei zu schützen, Rauch steigt auf in den Flaniermeilen des Viertels rund um den Taksim-Platz in der türkischen Metropole. Von bis zu vier Toten und zahlreichen Verletzten war am Sonntag die Rede, der weitere Verlauf der Proteste ist ungewiss. Die Wut der Bürger und das rigorose Durchgreifen der Sicherheitskräfte in den Großstädten des Landes wollen nicht recht zu dem Land passen, das seit Jahren zu den zehn beliebtesten Reisezielen deutscher Urlauber gehört.  

Mit Istanbul hat das Land zudem eine der weltweit meistbereisten Städte zu bieten. Noch im Mai 2013 kamen über eine Million Touristen in die Metropole am Bosporus, fast die Hälfte davon deutsche Urlauber. Müssen sie sich Sorgen machen?  

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Nein, sagt Baybars Örsek, der von der Stadt aus regelmäßig Studentengruppen auf Reisen durch die Türkei begleitet. Auch wenn es einigen Urlaubern nicht nur unsicher, sondern auch zynisch erscheinen mag, Sightseeing und Einkaufsbummel zu machen, während in den angrenzenden Stadtvierteln Tränengas aufsteigt. Örsek, der aus Istanbul stammt, betont: Die Istanbuler freuten sich weiterhin über ausländische Besucher. "Zwar mussten während der Proteste in den vergangenen Wochen einige Hotels und Restaurants in der unmittelbaren Umgebung des Taksim-Platzes vorübergehend schließen", sagt Örsek. "In allen anderen Teilen der Stadt läuft der Betrieb aber normal weiter." Klassische Touristen-Highlights wie der Große Basar, die Hagia Sofia und die Blaue Moschee könnten nach wie vor problemlos besucht werden. "Die Demonstranten haben sich nie feindselig gegenüber Touristen verhalten", betont Örsek. 

Badeurlaube sind nicht gefährdet

"Istanbul wird während der Sommersaison ohnehin nur selten als Ziel gebucht, da es dort schlicht zu heiß ist", sagt Nina Kreke, Pressesprecherin der Thomas Cook-AG, unter deren Dach auch der auf die Türkei spezialisierte Anbieter Öger Tours agiert. Sie und andere deutsche Reiseveranstalter beobachten die Lage in der Türkei genau. Vor allem die Strandurlaube seien nicht gefährdet: "In den Badeorten und Touristenzentren ist für die Urlauber von den Protesten nichts zu spüren", sagt Kreke. Zwar gebe es vereinzelt Nachfragen von Kunden zur Sicherheit im Land, doch bisher habe niemand umgebucht oder seine Reise storniert. "Wir stellen sicher, dass unsere Gäste jederzeit umfassend informiert und sicher sind und stehen mit der Reiseleitung vor Ort in ständigem Kontakt." 

Auch Susanne Stünckel, beim Anbieter TUI zuständig für die Türkei, sagt: "Die klassischen Badeorte an der Ägäis und der Mittelmeerküste sind von den Protesten nicht betroffen."  Zwar erhält die TUI seit diesem Montag mehr Nachfragen zur Sicherheitslage von Gästen, die bereits gebucht haben – Umbuchungen oder Stornierungen aufgrund der Proteste in den türkischen Großstädten habe es aber bisher nicht gegeben. "Es herrscht eine leichte Verunsicherung, doch es handelt sich nach wie vor um vereinzelte Nachfragen", sagt Stünckel.  

Leserkommentare
  1. Dass sie noch nicht begriffen haben, dass Massentourismus ein überlebtes, anachronistisches Relikt des 20. Jahrhunderts darstellt - wer im 21. Jahrhundert irgendwohin fährt, sollte auch wissen, was er oder sie am Zielort eigentlich verloren haben

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  • Schlagworte Türkei | Urlaub | TUI | Auswärtiges Amt | Badeurlaub | Protest
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