Deutsche BahnFlut schränkt wichtige ICE-Verbindung dauerhaft ein

Zugreisende werden die Hochwasser-Folgen weiter spüren. Die ICE-Strecke zwischen Berlin und Hannover bleibt für Monate gesperrt – die Fahrt dauert 60 Minuten länger.

Bahnkunden müssen sich auf wichtigen ICE-Routen von und nach Berlin noch Monate auf längere Fahrzeiten einstellen. Grund dafür ist ein seit dem Hochwasser gesperrter Abschnitt der Strecke Berlin-Stendal-Hannover. Das Teilstück mit einer Elbebrücke in Sachsen-Anhalt bleibt vorerst unbefahrbar, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Der aktuelle Sonderfahrplan, der ursprünglich bis zum 19. Juli gelten sollte, wird bis zum 28. Juli verlängert. Vom 29. Juli an gilt dann "bis auf weiteres" ein neuer Fahrplan, der auch Wolfsburg wieder an den Fernverkehr anbindet. Die genauen Fahrzeiten sind ab 19. Juli abrufbar, dann können Kunden auch Fahrscheine für die neuen Verbindungen kaufen.

Wegen der Umleitungen verlängert sich die Fahrzeit von Hannover nach Berlin um eine Stunde. Auf dieser Strecke sind nach Bahn-Angaben täglich etwa 10.000 Fahrgäste unterwegs. Insgesamt seien etwa ein Viertel aller Fernverkehrskunden von den Verzögerungen betroffen, sagte Vorstandsmitglied Ulrich Homburg. Das sind rund 90.000 Menschen täglich. Ein Teil der ICE ab Frankfurt am Main wird über Erfurt nach Berlin geleitet. Kunden, die wegen der Fahrplanänderungen Fahrkarten zurückgeben oder umtauschen möchten, können dies kostenlos tun.

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Wann die Züge wieder komplett normal fahren können, ist laut Bahn noch vollkommen unklar – denn bislang sind die Schäden noch nicht abzuschätzen. Gesperrt ist derzeit ein fünf Kilometer langes Schienenstück rund um die Elbe zwischen Stendal und Rathenow. Die Überflutung an der Brücke bei Schönhausen war die Folge eines Deichbruches.

Der Untergrund des fünf Kilometer langen Abschnitts und die Brücke müssen nach der Überflutung untersucht werden, sagte Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer. Damit könne die Bahn erst in etwa vier Wochen beginnen, wenn das restliche Wasser entlang der Strecke abgelaufen und der Boden abgetrocknet sei. Der Bahnwall wird dann mithilfe von Hochfrequenz-Schallwellen untersucht. Zu befürchten seien Hohlräume unter dem Gleisbett. Erst nach dem Befund könne eingeschätzt werden, wie lange die Reparatur dauert. Nach Informationen der Zeitung Die Welt wird die Streckensperrung voraussichtlich bis Dezember andauern.

Quartier für Bahnpendler in Kaserne?

Die Stadt Wolfsburg erwägt, in einer ehemaligen Kaserne und in Wohnwagen etwa 100 Bahnpendler einzuquartieren, die unter der Sperrung der ICE-Strecke zwischen Hannover und Berlin leiden. Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) sagte, die Stadt könne nicht über Monate vom ICE-Netz abgekoppelt bleiben. Er forderte Übergangslösungen für die Hunderten Berliner, die zur Arbeit in die VW-Stadt pendeln.

Der überarbeitete Fahrplan sieht vor, dass Züge von Berlin nach Frankfurt am Main entweder über Stendal, Wolfsburg und Braunschweig oder über Erfurt umgeleitet werden. Die Züge über Erfurt sind eine halbe Stunde länger unterwegs als normal, über Braunschweig eine Stunde länger. Hannover wird auf beiden Linien nicht angefahren. Die Züge der Linie Berlin-Amsterdam fahren nur einmal täglich zwischen Berlin und Hannover; die anderen beiden Verbindungen auf dieser Strecke beginnen oder enden in Hannover.

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Leserkommentare
    • TDU
    • 09. Juli 2013 17:06 Uhr

    Der Deutsche hat vor allem Zeit. Und ihm schlägt keine Stunde, weils auf die offensichtlich nicht ankommt.

    • MRMBER
    • 10. Juli 2013 6:02 Uhr

    Wir sind nicht "etwa 100 Pendler". Wir sind mehr als 800 Leute, die Ihre Bahncard 100 oder Jahresticket schon bezahlt haben ( und bezahlen seit Jahren). Wie DB uns hier behandelt ist reine Frechheit. Zuerst sind gar keine SchnellZuege nach WOB gefahren, die Anschlusszüge warten nicht, Informationsfluss gleich null, keiner von DB Mitarbeiter weiss was....Jetzt haben wir ein Sonderzug morgens und ein Abends. Dabei kommt der Zug abends aus Amsterdam, natuerlich schon voll...und immer mit Verspätung. Wie es aussieht wenn mann min 6 Stunden pro Tag zum Arbeit fährt und keine andere Möglichkeit hat ausser zu warten und hoffen dass DB was macht, braucht man nicht erklären. Danke DB!

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    Sie sind offensichtlich sehr genervt, aber ich frage mich schon, warum Sie die DB dafür verantwortlich machen, dass Sie sich persönlich dafür entschieden haben, nicht dort zu wohnen, wo Sie arbeiten. Das Hochwasser ist höhere Gewalt, ausnahmsweise kann die Bahn mal nix dafür. Und dass die Bahn nicht von heute auf morgen einen 1A-Plan-B fahren kann, um eine herausragend wichtige Strecke zu ersetzen, dürfte sich von selbst verstehen.

  1. Sie sind offensichtlich sehr genervt, aber ich frage mich schon, warum Sie die DB dafür verantwortlich machen, dass Sie sich persönlich dafür entschieden haben, nicht dort zu wohnen, wo Sie arbeiten. Das Hochwasser ist höhere Gewalt, ausnahmsweise kann die Bahn mal nix dafür. Und dass die Bahn nicht von heute auf morgen einen 1A-Plan-B fahren kann, um eine herausragend wichtige Strecke zu ersetzen, dürfte sich von selbst verstehen.

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    Antwort auf "Monopol erlaubt alles"
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    Die Unterspülung der Strecke ist höhere Gewalt. Die Informationspolitik der Bahn ist es nicht. Und dass man es über einen Monat lang nicht schafft, eine bestmögliche Ersatzfahrt für die Wolfsburg-Pendler zu organisieren, ist ebenfalls keine "höhere Gewalt", sondern das Organisationsversagen einer staatlichen Behörde. Egal, ob man die defekte Strecke nördlich umfährt (also Berlin Spandau -> Wittenberge -> Stendal -> Wolfsburg) oder südlich (Berlin Wannsee -> Magdeburg -> Braunschweig -> Wolfsburg), es ist schon möglich, einen Weg zu finden, der mind. eine Stunde schneller ist als die derzeitige Alternativen. Die nördliche Umfahrung fand in den ersten ein, zwei Tagen nach der Streckensperrung statt; Hauptproblem ist, dass der Zug zweimal die Fahrtrichtung ändern muss.

    Auch Fahrgäste von und nach Hildesheim sind derzeit total vom Fernverkehr abgeschnitten. Und von Göttingen nach Berlin Spandau verdoppelt sich die Fahrzeit von früher zwei auf nun vier Stunden glatt.

    Zu hoffen ist daher in der Tat, dass die Bahn beim dauerhaften Ersatzfahrplan nicht nur an Berlin Hauptbahnhof und Frankfurt denkt, sondern auch an die weniger frequentierten Bahnhöfe.

    Jag

  2. .
    "... persönlich dafür entschieden haben, nicht dort zu wohnen, wo Sie arbeiten ..."

    Wenn der Wohnort Berlin ist und die Arbeitsstätte Wolfsburg, dann ist das ziemlich selbsterklärend.

    Ausser natürlich, wenn Sie noch nie in Wolfsburg waren ;-)

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    Trotzdem bleibt es eine persönliche Entscheidung, die wir auch noch alle in Form der Pendlerpauschale subventionieren dürfen...

  3. Trotzdem bleibt es eine persönliche Entscheidung, die wir auch noch alle in Form der Pendlerpauschale subventionieren dürfen...

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    Antwort auf "@Hafensonne"
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    .
    D'accord.

    Die Pendlerpauschale ist ein Unding, keine Frage.

    Arbeitgeber, die wie VW in Wolfsburg viele Leute anlocken (müssen), sollten das zu Marktbedingungen machen und müssen dann eben Busch-Zulagen drauflegen oder ihren Standort für Menschen wirklich attraktiv und lebenswert machen.

    Die Subventionierung der Zeit- und Energie-intensiven Langstrecken-Pendelei durch den Steuerzahler ist ein dummer Überrest geradezu sozialistischer Strukturpolitik für die Fläche und im neoliberalen Zeitalter einfach nicht mehr zeitgemäss.

    Anscheinend wird hier gerade vergessen, dass es noch andere Randbedingungen gibt, die zu einem Pendlerdasein führen, als reine Lust und Laune. Wer wünscht sich denn bitte nicht seinen Arbeitsplatz max. 10km von seinem zu Hause, seinen Freunden und seiner Familie zu haben? Leider ist das nicht immer vereinbar mit der Arbeitsmarktsituation. Ich denke es ist unfair pauschal zu sagen: "Ihr habt's euch ja selber eingebrockt". Sicher gibt es Leute, die in Berlin wohnen, weil sie meinen es sei cooler als z.B. Braunschweig. Ob man da noch Mitleid hat bleibt jedem selbst überlassen.
    Die große Mehrzahl der Fernpendler allerdings pendelt nicht zum Vergnügen.

    Zum Thema DB Fahrplan ist zu sagen, dass nicht nur die unmittelbare Umgebung der Streckensperrung (Berlin, Wolfsburg, etc.) akut betroffen ist, sondern auch entferntere "Nebenstrecken". Neben meiner Person gibt es z.B. viele Leute, die auf der Strecke Braunschweig-Hildesheim-Göttingen pendeln. Die Fahrzeiten haben sich hier um einen Faktor 2 bis 3 erhöht, weil jetzt jeder und sein Bruder über Hannover geleitet wird! Hier ist es nicht nachvollziehbar, warum bis auf lächerlich wenige Ausnahmen zu unmöglichen Uhrzeiten kein einziger ICE mehr auf dieser Strecke verkehrt.
    Deshalb hier ein Appell auch im Namen meiner vielen Mitfahrer: Bitte liebe Bahn, denke auch an die vielleicht nicht ganz so prominenten Pendler aus den nicht ganz so großen Städten, wenn du demnächst den Fahrplan für das nächste halbe Jahr ausarbeitest!

  4. .
    D'accord.

    Die Pendlerpauschale ist ein Unding, keine Frage.

    Arbeitgeber, die wie VW in Wolfsburg viele Leute anlocken (müssen), sollten das zu Marktbedingungen machen und müssen dann eben Busch-Zulagen drauflegen oder ihren Standort für Menschen wirklich attraktiv und lebenswert machen.

    Die Subventionierung der Zeit- und Energie-intensiven Langstrecken-Pendelei durch den Steuerzahler ist ein dummer Überrest geradezu sozialistischer Strukturpolitik für die Fläche und im neoliberalen Zeitalter einfach nicht mehr zeitgemäss.

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    • Sven88
    • 10. Juli 2013 9:45 Uhr

    ...ist auch nicht so weit weg von Wolfsburg und viiiel schöner ;)
    Dem Hochwasser habe ich es zu verdanken, dass ich einen Zwischenmieter für meine Wohnung gefunden habe. Eigentlich wollte er von Berlin pendeln :D

    Umgekehrt hätte ich auch nix dagegen, wenn der Staat diejenigen steuerlich oder sonstwie belohnt, die sich für kurze Arbeitswege entschieden haben und entsprechend deutlich weniger Werbungskosten geltend machen können. Dafür ersparen sie dem Staat auch noch teure Infrastruktur. Ich habe einen Arbeitsweg von <4 km, die ich auch noch bei jedem Wetter mit dem Rad fahre. Ich kann nicht mal die Wartungs- und Reparaturkosten des Rads von der Steuer absetzen, von Regenbekleidung o.ä. ganz zu schweigen. (OK, macht mich auch nicht arm, aber trotzdem...)

    • Sven88
    • 10. Juli 2013 9:45 Uhr

    ...ist auch nicht so weit weg von Wolfsburg und viiiel schöner ;)
    Dem Hochwasser habe ich es zu verdanken, dass ich einen Zwischenmieter für meine Wohnung gefunden habe. Eigentlich wollte er von Berlin pendeln :D

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  5. Umgekehrt hätte ich auch nix dagegen, wenn der Staat diejenigen steuerlich oder sonstwie belohnt, die sich für kurze Arbeitswege entschieden haben und entsprechend deutlich weniger Werbungskosten geltend machen können. Dafür ersparen sie dem Staat auch noch teure Infrastruktur. Ich habe einen Arbeitsweg von <4 km, die ich auch noch bei jedem Wetter mit dem Rad fahre. Ich kann nicht mal die Wartungs- und Reparaturkosten des Rads von der Steuer absetzen, von Regenbekleidung o.ä. ganz zu schweigen. (OK, macht mich auch nicht arm, aber trotzdem...)

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, mpi
  • Schlagworte Bahn | Flut | SPD | Deutsche Bahn | Brücke | Fernverkehr
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