Merhan Karimi Nasseri – 18 Jahre auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle  

Merhan Karimi Nasseris Odyssee nach Paris zu rekonstruieren, ist nicht ganz einfach. Der Iraner erfand seine Identität immer wieder neu und leugnet konsequent, aus dem Iran zu stammen.

Die Version, die er in den neunziger Jahren mehreren Medien erzählte, war folgende: 1977 habe er in London studiert und dort gegen den iranischen Shah Mohammed Reza Pahlevi protestiert. Als er in den Iran zurückkehrte, dauerte es nicht lange, bis er eingesperrt und dann ausgewiesen wurde.

Mit vorübergehenden Flüchtlingspapieren reiste er jahrelang durch Europa und fand 1981 Zuflucht in Belgien. 1988 versuchte er, über Paris nach London zu fliegen, doch seine Papiere kamen ihm abhanden. Er selbst behauptet, sie wären ihm zusammen mit seiner Brieftasche in Paris gestohlen wurden. Weil er keinen Ausweis hatte, schickten ihn die Engländer wieder zurück nach Paris.

Nach einigen Jahren war Nasseri Teil des Flughafens geworden

Sicher ist, dass Nasseri dann am Flughafen Charles de Gaulle festsaß. Dort wurde er geduldet, französisches Staatsgebiet durfte er aber nicht betreten. Als sich Belgien 1995 bereit erklärte, ihm Asyl zu gewähren, lehnte er ab. Er wolle nach Großbritannien, sagte Nasseri, der sich zu diesem Zeitpunkt schon "Sir Alfred" nannte.

Nach sieben Jahren war er längst Teil des Flughafens geworden. Jeden Morgen rasierte er sich in der Herrentoilette, tagsüber las er Bücher und Zeitungen, das Personal des Flughafens brachte ihm Lesestoff und Essen. Er schlief auf den Bänken im Wartebereich, war aber immer eine gepflegte Erscheinung. Nasseri schrieb mithilfe des britischen Autors Andrew Donkin die Autobiografie The Terminal Man, es gab Dokumentationen über ihn und sogar Steven Spielberg ließ sich von der Geschichte für seinen Spielfilm Terminal inspirieren.

Im September 1999 bekam Nasseri einen internationalen Reisepass und eine Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich. Doch auf dem Pass war seine Nationalität  als "Iranisch" aufgeführt. Er bestand darauf, Brite zu sein, unterschrieb die Papiere nicht und blieb. Der medizinische Direktor des Flughafens, Phillipe Bargain, sagte damals, Nasseri habe die Blase, in der er lebte, nicht mehr verlassen wollen. Wie einem Drogenabhängigen müsse man ihm Charles de Gaulle abgewöhnen.

Im Jahr 2006 wurde der Iraner plötzlich ins Krankenhaus eingeliefert. Nach seiner Entlassung verbrachte er einige Wochen in einem Hotel in der Nähe des Flughafens. Im März 2007 schließlich zog er in eine Unterkunft für Obdachlose in Paris. Dort lebt Sir Alfred heute noch.