Loire-RadwegBis zum mythischen Meer

Entlang des Loire-Radwegs zwischen Nantes und Saint-Nazaire stehen Häuser auf Schornsteinen und geschmolzene Boote am Fluss. Warum nur radeln hier so wenige? Von J. Braun von 

Die Installation "Serpent d'océan" von Huang Yong Ping

Die Installation "Serpent d'océan" von Huang Yong Ping  |  © Jessica Braun

Wie Treibgut ragt das Haus aus der Loire, eingesunken im Schlick, umspült von Wasser. Selbst vom Radweg am anderen Ufer, über den 300 Meter breiten Fluss hinweg betrachtet, wirkt es imposant. Es hat drei Stockwerke, zwei Schornsteine und so, wie es im Wasser steht, tummeln sich zumindest in der ersten Etage Welse unter dem Mobiliar. "Wenn Sie denken, das hier sei verrückt, dann warten Sie mal ab, bis Sie nach Cordemais kommen", sagt ein Passant mit Walrossbart, der seinen Hund am Ufer spazieren führt. "Dort steht ein Haus auf einem Schornstein!"

Das Haus im Wasser, La Maison De La Loire des Franzosen Jean-Luc Courcoult, sieht aus wie viele Bauten der Jahrhundertwende in der Region, doch bewohnt war es nie. Es ist eines der 29 Werke der Estuaire, eines Kunstparcours zwischen den Städten Nantes und Saint-Nazaire. In drei Wellen – 2007, 2009 und 2012 – hat das Projekt Estuaire, französisch für Mündung, zeitgenössische Kunst in die Region getragen. 

Anzeige

Nicht alle Installationen wurden von den Einheimischen als Bereicherung betrachtet, doch inzwischen ist die Mehrheit stolz auf die Kunstwerke: Sie haben nicht nur die Moderne, sondern auch Touristen in eine Landschaft gebracht, die von Werften und Kraftwerken zerschnitten ist. Bucht man in Nantes eine Passage mit dem Boot zum Atlantik, kommt man an einigen der Werke vorbei. Wer alle sehen will muss, zumindest streckenweise, zu Fuß gehen. Oder das Rad nehmen.

Im Canal Saint-Felix lockt das Model Laetitia Casta als "Nymphéa" von Ange Leccia.

Im Canal Saint-Felix lockt das Model Laetitia Casta als "Nymphéa" von Ange Leccia.  |  © Ivan/Le Voyage à Nantes

Seit dem frühen Morgen drückt die Hitze auf die Region Pays de la Loire, es soll der heißeste Tag des Jahres werden und es wäre schön, es dem Haus gleich zu tun und sich hinaus ins Wasser zu wagen. Einzudösen und sich von der Loire zum Atlantik tragen zu lassen, statt bis an den Strand zu radeln. Denn der ist noch mindestens 40 Kilometer entfernt. Rechnet man die Um- und Nebenwege ein, die man nehmen muss, um die Kunstwerke entlang der Estuaire zu sehen, eher 60. Und die Füße sind – frei nach Max Beckmann – genau wie die Kunst: verflucht schwer.

Doch weiter, vorbei an Couëron Richtung Le Pellerin. "Itinéraire Provisoire", provisorische Streckenführung, steht auf den gelb-schwarzen Schildern, die hier den Radweg Eurovélo 6 markieren. Der Radwanderweg führt durch mehrere europäische Länder vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer. Eine seiner beliebteren Etappen ist die gut ausgebaute und mit Schlössern geschmückte Route durch das Loiretal. Doch hinter Nantes, entlang des letzten Stücks zur Mündung, radeln nur wenige. "Nicht einmal die Einheimischen hat die Gegend interessiert", hatte David Moinard am Vortag bei einem Kaffee erzählt. Der künstlerische Leiter der Estuaire hat das Projekt von der Planungsphase im Jahr 2004 bis zur Fertigstellung der letzten Werke im Jahr 2012 begleitet. "Als ich von Paris nach Nantes zog, wollte ich mit einem Freund einen Spaziergang am Fluss entlang machen", sagt er. "Aber ich fand den Weg nicht, und niemand konnte mir sagen, wie ich am besten zum Ufer komme." Die Idee, einen kilometerlangen Kunstparcours anzulegen, entstand aus diesem Mangel heraus.  

Leserkommentare
    • ntp
    • 26. Juli 2013 14:00 Uhr

    Sehr gerne würde ich diese schöne Ecke mit dem Fahrrad erkunden. Nur leider ist es fast unmöglich, mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln in die Region zu kommen.
    Ich hatte es mal vor, aus Berlin kommend (mit Fahrrad im Gepäck). 2 Tage Anfahrt (+2 zurück) und Kosten, mit denen ich hätte auch 1 Woche MIttelmeerinsel bezahlen könnte - allerdings nur für die Fahrt in die Region, die ja eigentlich viel näher liegt.
    Kennt jmd. vllt. einen Bus in die Richtung, der auch Räder ins Gepäck nimmt?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zunächst sollte man das Gepäck zuhause lassen. 10 kg Handgepäck reichen vollkommen, den Rest (inkl. Rad) kann man vor Ort mieten.

    Ryanair fliegt leider nicht diekt nach Nantes. Aber nach Dublin (ca. 70 Euro hin und zurück), und von Dublin nach Nantes (ca. 50 Euro hin und zurück).

    Ich würde also Nantes mit Dublin kombinieren.

    PS: Normale Flüge kosten jenseites der 200 Euro (einfache Strecke).

  1. Schöner Bericht über eine schöne, abwechslungsreiche Gegend. In Frankreich fahren bis heute nur Radsportler, Pensionisten, Irre oder deutsche Urlauber und Studenten Fahrrad, was uns aber nicht davon abhalten sollte. Und was auch nicht im Bericht steht:
    An der Loire hat es immer beständigen Gegenwind.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Liebe/r Meerschwimmer,

    der Gegenwind kam mir an dem Tag gelegen. Es war fast zu warm, um zu radeln. Aber umso schöner dann die Ankunft am Meer.

    Liebe/r ntp,

    auf der Seite des Loire-Radwegs gibt es Links zu verschiedenen Transportmitteln: http://www.loire-radweg.o... Richtig günstig scheint mir aber keines zu sein. Ein Direktflug macht vermutlich am meisten Sinn. Wenn Sie das Rad mitnehmen kostet das ca. 40 Euro für die einfache Strecke.

    Viele Grüße aus der Redaktion!

  2. Redaktion

    Liebe/r Meerschwimmer,

    der Gegenwind kam mir an dem Tag gelegen. Es war fast zu warm, um zu radeln. Aber umso schöner dann die Ankunft am Meer.

    Liebe/r ntp,

    auf der Seite des Loire-Radwegs gibt es Links zu verschiedenen Transportmitteln: http://www.loire-radweg.o... Richtig günstig scheint mir aber keines zu sein. Ein Direktflug macht vermutlich am meisten Sinn. Wenn Sie das Rad mitnehmen kostet das ca. 40 Euro für die einfache Strecke.

    Viele Grüße aus der Redaktion!

  3. Zunächst sollte man das Gepäck zuhause lassen. 10 kg Handgepäck reichen vollkommen, den Rest (inkl. Rad) kann man vor Ort mieten.

    Ryanair fliegt leider nicht diekt nach Nantes. Aber nach Dublin (ca. 70 Euro hin und zurück), und von Dublin nach Nantes (ca. 50 Euro hin und zurück).

    Ich würde also Nantes mit Dublin kombinieren.

    PS: Normale Flüge kosten jenseites der 200 Euro (einfache Strecke).

    Antwort auf "schon lange geplant..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Fluss | Frankreich | Nantes | Atlantik
Service