Hauptbahnhof MainzBahn entlässt Manager wegen Zug-Chaos

Bahnchef Rüdiger Grube hat nach den massiven Zugausfällen in Mainz reagiert: Ein Manager muss gehen. Zu Wochenbeginn drohen weitere Einschränkungen im Bahnverkehr.

Bahnchef Rüdiger Grube hat angesichts des Bahnchaos in Mainz offenbar personelle Konsequenzen gezogen. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, hat Grube den Vorstand Produktion der DB Netz AG, Hansjörg Hess, von seinen Aufgaben entbunden. Dass Hess entlassen werden sollte, sei schon seit längerer Zeit geplant gewesen. Die Ereignisse in Mainz hätten die Ablösung nun beschleunigt, schreibt die Zeitung. Ein Sprecher der Deutschen Bahn wollte die Personalie nicht kommentieren.

Seit Tagen fallen die Züge rund um Mainz regelmäßig aus. Abends und nachts ist der Bahnhof zeitweise vom Fernverkehr abgeschnitten. Grund ist Personalmangel. Knapp die Hälfte der 15 Fahrdienstleister im Stellwerk ist krank oder im Urlaub. Vom kommenden Montag an soll es auch tagsüber starke Einschränkungen im Bahnverkehr geben. Dann werden Regionalzüge im Stunden- statt im Halbstundentakt fahren.

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Am Freitag hatte sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) eingeschaltet und mit Bahnchef Grube telefoniert. Die Probleme in Mainz werden auch den Bahn-Aufsichtsrat bei der nächsten Sitzung beschäftigen, teilte Ramsauers Staatssekretär Michael Odenwald mit. Er gehört dem Gremium an. 

Odenwald schrieb der Bahn, die weitgehende Abkopplung des Mainzer Hauptbahnhofes sei "nicht akzeptabel". Die Bahn solle prüfen, ob Mitarbeiter aus dem Urlaub geholt oder von anderen Standorten aus eingesetzt werden könnten. Dies hatte die Bahn aber bereits verneint. Das Stellwerk in Mainz sei sehr komplex.

Zumindest für das Fußball-Bundesligaspiel Mainz gegen Stuttgart am morgigen Sonntag wird das Chaos für einige Stunden etwas eingedämmt. Die Bahn will außer einem Sonderzug mehr S-Bahnen einsetzen. Ein Fahrdienstleiter werde einspringen, sodass es für kurze Zeit personelle Verstärkung gebe, sagte eine Sprecherin der Bahn. Rund 3.200 Stuttgarter Fans werden in Mainz erwartet. 

Bahngipfel in Mainz

Das Eisenbahn-Bundesamt hat ein Verfahren gegen die Bahn-Tochter DB Netz AG eingeleitet. Es soll untersucht werden, ob der Konzern gegen seine Betriebspflicht verstoße, sagte Sprecher Moritz Huckebrink.

Nach Ansicht der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat die Bahn den Personalmangel bisher ignoriert. Arbeitnehmervertreter hätten seit 2011 darauf hingewiesen, dass viele Stellwerke unterbesetzt seien, sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner der Zeitung Die Welt.

In Rheinland-Pfalz haben Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Verkehrsminister Roger Lewentz (beide SPD) für kommenden Dienstag Bahn, Gewerkschaft, Fahrgastverband und andere zum Bahngipfel nach Mainz eingeladen. Lewentz schrieb Ramsauer, der Bundesverkehrsminister trage "die politische Verantwortung" auch für die Deutsche Bahn.


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Leserkommentare
    • sinta
    • 10. August 2013 9:39 Uhr

    Nun ja, bei Vorständen herrscht bei der Bahn kein Mangel. ;)

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    Antwort auf "Starkes Zeichen Grube!"
  1. Welche Behörde ist denn nun für was zuständig. Bei so viel AGs kann ja kein Mensch mehr die Übersicht haben.
    Da sind schon richtige Großrechner nötig.

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    • NEUMON
    • 10. August 2013 13:19 Uhr

    Im Rahmen der Privatisierung wurde der Staatsbetrieb Deutsche Bahn in 200 Gesellschaften herunter gebrochen.
    Im Rahmen der Privatisierung wurden massenweise Stellen abgebaut, Neueinstellungen wurden knapp gehalten. Das hatte im Hinblick auf den geplanten Börsengang hohe Priorität.
    "Alteingesessene" Führungskräfte aus dem mittleren Management der DB Netz wiesen schon seit Jahren immer wieder auf die Überalterung der Beschäftigten hin und auf die Notwendigkeit, rechtzeitig für eine Verjüngung der Mitarbeiterschaft zu sorgen. Dafür bekamen sie einen Maulkorb verpasst, weil solche Aussagen strategisch unerwünscht waren.
    Die Ausfälle in Mainz sind eine Quittung dafür.
    Richtig ist, dass zumindest ein Manager entlassen wurde. Ob es den richtigen getroffen hat, weiß ich nicht, aber es wird ein Zeichen gesetzt. Missmanagement war es in jedem Fall.

    1994 wurde die Bahnreform unteranderem deswegen auf den Weg gebracht, die schwerfällige Behörde Deutsche Bundesbahn durch eine schlanke, unternehmerisch geführte Bahn zu ersetzen. Wie Sie richtig bemerkt haben, blickt heute kaum noch jemand durch. In Frankfurt a. M. wird ein neuer Bahntower installiert mit 3000 neuen "Arbeitsplätzen". Mit Berlin zusammen ergibt sich ungefähr eine Personenzahl was täglich an Lokführern im Streckennetz unterwegs ist. Also wird alles gut verwaltet und alle werden wohl von ihrem "Verdienst" sehr gut leben können.
    Zur Übersicht zur Struktur siehe auch:
    http://de.wikipedia.org/w...

  2. Die Probleme sind doch Hausgemacht. Bei einem bundeseigenen Unternehmen sollte es doch möglich sein, Personal aus anderen (überflüssigen) Bereichen abzuziehen. Die Hauptaufgabe der Bahn ist es doch Personen zu transportieren und nicht Gewinne für den deutschen Finanzadel zu erwirtschaften.
    Die Mainzer Bahnkatastrophe sollte uns endgültig zeigen, wohin die Privatisierung von Staatseigentum führt. Wir verrammschen unsere Republik. Der Mainzer Bahnhof ist nur der Anfang. Weiter Bahnhöfe und Infrastruktureinrichtungen werden folgen. Ich sehe schon die Tage kommen an denen das Wasser für den durchschnittsbürger nur von 8-20uhr aus der Leitung kommt - Die Bahn braucht das Geld ja dringender um in Indien eine höhere Redite für die Aktionäre zu erwirtschaften. Wer sind da schon die Bahnkunden? Der Raubtierkapitalismus und der radikalisierte Markt des Neoliberalismus regeln überhaupt nichts, sondern führen uns geradewegs in einen neuen Feudalismus.

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  3. Andere Städte (mit mehr Einwohnern als Mainz) wie Chemnitz sind seit einigen Jahren dauerhaft vom Fernverkehr abgeschnitten - da wurde bisher auch noch niemand entlassen.

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  4. Dass da über 3000 Stuttgarter nach Mainz fahren wollen, hat auch eine gewisse Symbolkraft: Der Stuttgarter Bahnhof wird gerade für Abermilliarden umgebaut, um es mal vorsichtig auszudrücken, und in Mainz fehlt das Geld fürs Personal.

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    Antwort auf "Starkes Zeichen Grube!"
  5. Also lassen wirs lieber gleich ! Am Besten gleich abreissen und eine Shopping - Meile draus machen ! Hee, da haben wir wieder richtig Kosten gespart ! Und Personal können wir auch abbauen !
    Wie haben wir das gemacht ;)?

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  6. dass die DB komplett der Automobillobby untersteht ... es gibt nämlich in diesem Land kein besseres Argument für den Kauf eines Autos als der Blick auf diese Alternative...

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    ...aber die Verkehrspolitik in diesem Land. Die ist nämlich sehr einseitig auf die Straße ausgerichtet. Wenn man mal recherchiert, wird man feststellen, dass kaum ein Land in Mitteleuropa so wenig in seine Infrastruktur investiert wie Deutschland. Der Straßenverkehr dagegen wird einseitig bevorteilt.

    Das erkennt man zum Beispiel an der hochsubventionierten Bereitstellung von Dienstwagen, auch zur privaten Nutzung. Auf diese Weise vermeiden viele Arbeitnehmer - sowohl dienstlich als auch privat - das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. http://www.finanznachrich...

    Oder anderes Beispiel: Die Liberalisierung des Fernbusverkehrs. Bei der Bahn müssen die Eisenbahnverkehrsunternehmen ihre Infrastrukturkosten alleine tragen (Trassen- und Stationspreise). Der Fernbus zahlt dafür mehr oder weniger gar nichts für de Infrastruktur. Und dann wird immer über "die Bahn" gemeckert, dass die Fahrpreise so teuer sind. Im Ergebnis werden die Fahrpreise durch die Fernbusse politisch gesteuert aber noch mehr steigen. Denn jeder Bahnfahrgast, der zum Fernbus abwandert, hinterlässt eine Umsatzlücke bei nahezu gleichbleibenden Fixkosten.

    Daher Qualitätsmängel und hohe Fahrpreise einfach nur auf die Bahn zu schieben, ist zu kurz gegriffen. Man muss die Asphalt-Lobby nachhaltig zurückdrängen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, kp
  • Schlagworte Mainz | Peter Ramsauer | CSU | SPD | Deutsche Bahn | Alexander Kirchner
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