Die Deutsche Bahn hat eingeräumt, dass es bundesweite Personalprobleme bei den Stellwerken gibt. Nicht nur der Mainzer Hauptbahnhof sei betroffen, sagte der Vorstandschef des Tochterunternehmens DB Netz AG, Frank Sennhenn. "Wir haben bundesweit eine angespannte Situation." Man sei dabei, alle Stellwerke mit ähnlich kritischer Lage personell abzusichern.

Noch in diesem Jahr wolle die Bahn 600 neue Fahrdienstleiter einstellen, sagte Sennhenn weiter. Die Schulung dauere jedoch sieben Monate, sodass die Mitarbeiter nicht kurzfristig eingesetzt werden könnten. 

Rund um den Mainzer Hauptbahnhof kommt es weiter zu Behinderungen im Zugverkehr. Während es bislang vor allem abends Einschränkungen gab, müssen manche Züge mittlerweile sogar ganztägig umgeleitet werden. Dies wirkt sich weit über die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt hinaus aus. "Wegen des entsprechend höheren Zugaufkommens durch Umleitung ist mit Verspätungen im gesamten Rhein-Main-Gebiet und Südhessen zu rechnen", kündigte die Bahn an.

Das Mainzer Stellwerk ist laut Bahn wegen unerwartet vieler Krankmeldungen in der Urlaubszeit seit gut einer Woche nicht voll einsetzbar. Das Unternehmen erwartet auch keine Normalisierung in diesem Monat mehr, will sich aber am kommenden Dienstag dazu äußern, wie es in Mainz weiter geht. 

Bahngewerkschaft sieht strukturelle Personalprobleme

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kritisierte erneut, dass die Personalprobleme seit Langem bekannt gewesen seien, die Bahn habe sie jedoch ignoriert. "Die Vorgänge in Mainz sind nicht die ersten ihrer Art und schon gar kein Einzelfall", sagte EVG-Chef Alexander Kirchner. Im ganzen Konzern herrsche Personalknappheit. Zu den chronisch unterbesetzten Bereichen gehörten neben den Lokführern, Zugbegleitern und Baubereichsleitern eben auch die Fahrdienstleiter. 

Nach Angaben der Gewerkschaft fehlen in diesem Bereich bundesweit gut 1.000 Mitarbeiter. Jahrelang sei Personal abgebaut und anschließend seien neue Mitarbeiter zu zögerlich eingestellt worden. Kirchner wirft der Bahn vor, ein "grundsätzliches Problem" verharmlosen zu wollen. "Wenn die Bahn jetzt sagt, der Fall in Mainz habe mit Urlaub oder Krankenständen zu tun, dann sind das Ausreden", sagte er.

In Konzernkreisen hieß es, die Mängel in der Personalplanung hätten auch mit der Ablösung des Chefs der Netz-Sparte, Oliver Kraft, Anfang 2013 zu tun. Kraft hatte die Netz-Sparte zum wichtigsten Gewinnlieferanten des Konzerns gemacht. Über Jahre wurden gerade in diesem Bereich jährlich Tausende Stellen abgebaut. Zugleich wurden allerdings die Stellwerke wegen verzögerter Investitionen im Zuge des geplanten Börsengangs 2008 langsamer als zunächst geplant durch moderne vollelektronische ersetzt, was zu einer Personalentlastung geführt hätte.