Auszug einer Fotoreportage aus National Geographic Deutschland, Ausgabe September 2013, www.nationalgeographic.de

Indische Herrscher wussten schon vor langer Zeit, dass sie Macht am besten auf dem Rücken eines Elefanten ausdrücken. Sie präsentierten sich ihren Untertanen auf Tieren, deren Stoßzähne in Gold und Silber funkelten und deren Körper von Samt und Seide glänzten. "Ein Elefant, der von einem König geritten wird, strahlt. Ein König, der auf dem Rücken eines Elefanten sitzt, ist eine Pracht", heißt es in einer Überlieferung.

Heute ist der Tourist der König, und deshalb gibt es beim Elefanten-Festival in Jaipur (Rajasthan) statt Pomp nun Elefanten-Polo, Elefanten-Tauziehen und einen Schönheitswettbewerb der Dickhäuter. Als Models treten Arbeitselefanten auf, die ansonsten die Besucher zum Fort Amber tragen, einer Ende des 16. Jahrhunderts gebauten Festung.

Für das jährliche Fest werden die Elefanten in schönste Kostüme gekleidet und mit Stoffen und Schmuck herausgeputzt. Im Frühjahr dieses Jahres reiste der Fotograf Charles Fréger nach Jaipur, um die Tiere aufzunehmen. Er war von ihnen fasziniert, von ihrer Kraft und ihrer starken Persönlichkeit. Aber dann wurde das Festival abgesagt – angeblich weil sich Tierschutzgruppen besorgt über die Behandlung der Elefanten geäußert hatten.

Der Elefant wird von den Indern seit langem verehrt. "Das hat sehr dabei geholfen, dieses Tier zu schützen", sagt Rachel Dwyer, eine Professorin für indische Kultur an der Universität von London. Sie hat die Kulturgeschichte der indischen Elefanten erforscht. Der elefantenköpfige hinduistische Gott Ganesha, der Hindernisse beiseiteräumt, wird noch immer vor jeder neuen Herausforderung um Hilfe gebeten. Die Dickhäuter gehören zur Aura von Tempeln. Und wer einer schönen Frau ein Kompliment machen möchte, sagt ihr, sie habe den Gang eines Elefanten.