SicherheitReiseveranstalter sagen Reisen nach Ägypten ab

Bisher galten nur einzelne Regionen von Ägypten als riskant, nun weitet die Bundesregierung ihre Warnung aus. Große Reiseveranstalter sagen alle Ägypten-Reisen ab.

An den Pyramiden von Gizeh

An den Pyramiden von Gizeh  |  © Mohamed Abd El Ghany/Reuters

Die Reiseveranstalter TUI, Thomas Cook und Alltours haben alle Reisen nach Ägypten abgesagt. Dies gelte für alle Buchungen bis einschließlich 15. September, teilten die Konzernsprecher mit. Die Reiseanbieter reagieren damit auf einen sogenannten Reisehinweis des Auswärtigen Amtes, der von allen Reisen nach Ägypten abrät.

Bisher galten nur Kairo und andere ausgewählte Gegenden als gefährlich. Nun aber weitete die Bundesregierung den Hinweis eigenen Angaben nach auf das ganze Land aus. "Von Reisen nach Kairo, in die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nilkreuzfahrten) und in das Nildelta wird dringend abgeraten", hieß es in dem Warnhinweis.

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Formell spricht die Bundesregierung keine Reisewarnung aus, sie rät nur von Reisen ab. Im Hinblick auf das Risiko für die Reisenden macht das keinen Unterschied. Verbraucherrechtlich bedeutet das jedoch, dass bei einer Reisewarnung gebuchte Reisen leichter zu stornieren sind.  

Urlaubsgebiete am Roten Meer weiterhin ruhig

Die Absage von TUI gilt für die Marken TUI, 1-2-Fly, Airtours und Discount Travel. Die Absage von Thomas Cook gilt für die Marken Neckermann Reisen, Thomas Cook, Bucher Last Minute und Öger Tours. Die Reiseveranstalter erklärten, die Lage in den Urlaubsgebieten am Roten Meer sei weiterhin ruhig und die Gäste von den jüngsten Ereignissen nicht direkt betroffen.

Urlauber, die bereits vor Ort sind, könnten ihre Reise demnach fortsetzen. Sie sollten sich lediglich an die Vorgaben der örtlichen Reiseleitungen halten. Die Rückflüge erfolgten planmäßig wie gebucht.

Die Bundesregierung hatte zuvor nur vor Reisen nach Kairo und anderen Städten am Nil gewarnt. Besonders in Kairo war die Gewalt zwischen Polizei, Militär und den Demonstranten eskaliert, als die Sicherheitskräfte zwei Protestcamps räumten. Mehrere Hundert Menschen starben bei nachfolgenden Zusammenstößen mit der Polizei. Die Gewalt löste international Empörung aus. Für Freitag sind weitere große Demonstrationen angekündigt, unklar ist, ob sie friedlich verlaufen. 

Am Donnerstag hatte die Gewalt in dem Land auf eine Urlaubsregion übergegriffen. Im Badeort Hurghada starb nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein Anhänger der Muslimbruderschaft in einer Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei. Der Ort ist als Urlaubsziel bei Deutschen sehr beliebt.  

Russland stoppte den Verkauf von Touristenreisen in das beliebte Urlaubsland. "Wer bereits alle nötigen Papiere hat, kann zwar fliegen – aber wir raten dringend davon ab", betonte Irina Tjurina vom Verband der russischen Reiseveranstalter.

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Leserkommentare
    • Pentode
    • 16. August 2013 12:27 Uhr

    Ich frage mich warum die Reisewahrnung erst heute kommt. Was ist mit den Urlaubern die gestern gereist sind. Die stecken richtig in der Klemme. Giebt es im Außwertigem Amt ein Intressenkonflickt? In Ägypten herrscht seit drei Tagen die gleiche Situation!

    Eine Leserempfehlung
  1. Damals hat das ganze glaube ich 30 Jahre gedauert, hier bei uns...
    Vielleicht gehts diesmal schneller!

    • dj_maki
    • 16. August 2013 12:53 Uhr

    klar, weil es nur ein "Rat" vom auswärtigen Amt ist!

    Schon lustig!

  2. wenn es darum geht, eine Gefahrensituation wirklich als solche zu benennen. Es ist schon etwas erstaunlich, dass sich das Ministerium nicht zu einer beherzten, aber klaren Reisewarung durchringen kann. So bleiben Urlauber auf die Kulanz ihrer Reiseveranstalter angewiesen und reisen u.U. gegen ihre Überzeugung in das Land oder verlieren ihr Geld.
    Für Menschen, die beruflich oder familiär in Ägypten engagiert sind, hat die Geschichte natürlich eine andere Bedeutung. Die können sich mit der einfachen Warnung nach Lage vor Ort selbst entscheiden, wie sie reagieren wollen und müssen nicht zwangsweise ihre Sachen packen. Diese Menschen sind aber zumeist nicht wie eine Herde Schafe im Land unterwegs, sondern kennen die Verhaltensregeln und die Situation.
    Normale Touristen sollten in so einer unübersichtlichen Lage zuhause bleiben. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für Ägypten und wenn dieser wegbricht, dann ist das auch eine wichtige Warnung an die Machthaber!

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    Das Dumme bei den Aegyptern is, dass man gar nicht so genau weiss, wer eigentlich die wirklichen Machthabern sind. Wenn man also jetzt einen Reisebeukott und so, dann weiss man gar nicht obs jetzt die richtigen oder am Ende vielleicht sogar die falschen erwischt. Weisst was ich mein? Weil es kann ja sein, dass Leute vom Tourismuseinbruch getroffen werden, die gar nicht Machthabern sind. Oder? Dann triffts ja am Ende die falschen. Also ganz schwierig alles. Verstehst?

  3. Das Dumme bei den Aegyptern is, dass man gar nicht so genau weiss, wer eigentlich die wirklichen Machthabern sind. Wenn man also jetzt einen Reisebeukott und so, dann weiss man gar nicht obs jetzt die richtigen oder am Ende vielleicht sogar die falschen erwischt. Weisst was ich mein? Weil es kann ja sein, dass Leute vom Tourismuseinbruch getroffen werden, die gar nicht Machthabern sind. Oder? Dann triffts ja am Ende die falschen. Also ganz schwierig alles. Verstehst?

  4. Und die armen Angestellten in den Reisebüros können mal wieder (wie bei jeder Krise) unbezahlte Überstunden machen, weil sie das, für die Kunden der Veranstalter, ausbügeln müßen.

  5. In Ägypten werden auf offener Straße Menschen vom Militär erschossen und in den großen Zeitungen haben sie nichts besseres zu tun als den Leuten mitzuteilen das ihr ach so lang angesparter Urlaub ausfällt. Das ganze ist wohl ein wenig Makaber.

    Eine Leserempfehlung
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    • redslug
    • 16. August 2013 17:00 Uhr

    Viel wichtiger ist doch zu erfahren, wer beim 350-Euro-All-Inclusive-Urlaub für die Stornokosten aufkommt: Das auswärtige Amt, die Mursi-Anhänger oder die Übergangsregierung?

    • redslug
    • 16. August 2013 17:00 Uhr
    8. Genau!

    Viel wichtiger ist doch zu erfahren, wer beim 350-Euro-All-Inclusive-Urlaub für die Stornokosten aufkommt: Das auswärtige Amt, die Mursi-Anhänger oder die Übergangsregierung?

    Antwort auf "Reisewarnung"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tst
  • Schlagworte Bundesregierung | Thomas Cook | Ägypten | Reiseveranstalter | TUI | Alltours
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