Aino Jawo und Caroline Hjelt sind Icona Pop © Christopher Polk/Getty Images

ZEIT ONLINE: Es ist Freitagabend um acht Uhr in Stockholm, wo müssen wir hin?

Caroline Hjelt: Zuerst einmal gehen wir mit Freunden in das Restaurant Tranan im Stadtteil Vasastan. Im Erdgeschoss gibt es einen Speiseraum aus den zwanziger Jahren, eine lange Holzbank mit Tischen an der rechten Seite, karierte Tischdecken, und dort setzen wir uns hin, um Grundlage zu schaffen. Im Tranan gibt es gutes schwedisches Essen – Hering, Köttbullar, Kartoffelbrei. Im Keller befindet sich eine Bar mit Ledersofas, kleinen Tischen, schummriger Beleuchtung, das ist wie im Wohnzimmer eines guten Freundes.

Aino Jawo: Nur, dass in Wohnzimmern selten Konzerte stattfinden. Tom Waits hat schon im Tranan gespielt. An manchen Abenden legen DJs auf.

Hjelt: Um zu Tanzen, ist es aber noch zu früh. Wir ziehen gegen zehn Uhr erst mal weiter.

ZEIT ONLINE: Wohin gehen Sie?

Hjelt: Ins Riche, das ist in der Nähe vom Stureplan, einem Platz im Zentrum, um den sich viele Bars und Klubs gruppieren. Die Gegend ist als schick verschrien, weil manche Bars einen Dresscode haben: keine Sneakers, ordentliche Kleidung, was immer das auch sein soll.

Jawo: Wir mögen die Schickimicki-Atmosphäre dieser Lokale auch nicht, aber einige Bars verlangen das nicht und spielen gute Musik. Wie das Riche, im Grunde eine Art Pariser Brasserie mit langer Glasfront zur Straße hin, einem langen Tresen und schwedischen Gerichten.

ZEIT ONLINE: Was trinken Sie an der Bar?

Hjelt: Wir Schweden haben keine Bierkultur, wie ich sie aus London kenne. Bei uns gibt es oft Shots – Wodka, Tequila, Schnaps. So kommen wir schon mal gut in die Nacht hinein.

Jawo: Im Sommer gehen wir danach in einen Klub, der unter freiem Himmel ist. In den anderen Klubs ist vor ein Uhr ja niemand bei diesem Wetter. Das Trädgarden ist eine gute Adresse, übersetzt: der Garten. Und der ist wie ein Spielplatz für Erwachsene direkt unter der Skanstullbrücke. Ich glaube, so stellen wir Stockholmer uns Berlin vor.

ZEIT ONLINE: Sie denken an Open-Air-Raves mitten im Zentrum?

Hjelt: Ich denke an die lockere Atmosphäre. Draußen können die Menschen Tischtennis spielen, man sitzt auf Sesseln aus dem Sperrmüll, unterhält sich bei einem Bier mit Freunden, es finden Konzerte statt, und drinnen legen DJs auf.

Jawo: Sollte danach noch Zeit sein für einen anderen Klub, gehen wir ins Berns. Das ist wieder mitten in der Stadt und Teil eines Mitgliederklubs mit Hotel und Restaurant. Der Techno-Klub ist bis fünf Uhr morgens geöffnet, es ist allerdings nicht so leicht reinzukommen. Die Türsteher kennen manchmal keine Gnade.