Palm SpringsSauerkraut und Klapperschlangen

Ein österreichischer Koch in der Wüste: Der Tiroler Johannes Bacher kocht in Palm Springs Käsespätzle unter der Sonne Kaliforniens. Und wird dafür geliebt. von Lenz Koppelstätter

Eine Straße in Palm Springs

Eine Straße in Palm Springs  |  CC BY-SA 2.0 Patrick Nouhailler

Johannes Bacher steht an der Tür seines Restaurants und schaut auf die Straße hinaus. Der warme Wind bläst Sandkörner über die Schwelle und aus der Küche strömt der Duft von Sauerkraut. "Well, you know – des is mei Leibn!", sagt er mit einer Mischung aus Tiroler Akzent und kalifornischem Slang. Vor 18 Jahren ist Bacher nach Palm Springs gekommen, hat hier ein Lokal eröffnet, es gilt als das beste weit und breit.

Auf den ersten Blick passt das alles natürlich überhaupt nicht zusammen. Johannes Bacher: 54 Jahre alt, geboren in Kössen, einem Bergkaff mit Skigebiet und wahrscheinlich mehr Kühen als Einwohnern im Norden Tirols. Palm Springs: Ein Stück Hollywood in die kalifornische Wüste verpflanzt, im August schon mal über 40 Grad im Schatten. Aber in der Stadt mit ihrer ausgreifenden Mid Century Modern-Architektur war schon immer Platz für Exzentrik. Sauerkraut in der Wüstenhitze? Why not! Pardon: Jo, warum denn net?

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1774 wird das Indianerstädtchen von den Spaniern entdeckt, Mitte des 20. Jahrhunderts von Filmstars erobert, heute hat Palm Springs rund 45.000 Einwohner und ist umzingelt von Golfplätzen und Windrädern. Straßen, die Los-Olivos-Drive oder North-Sunrise-Way heißen. Eine sichtgeschützte Fußgängerbrücke für die FKK-Sonnenanbeter, die links und rechts des Highways ihre Liegewiesen haben. Luxusvillen aus viel Glas und nacktem Beton mit Marmorlöwen, die vor geschwungenen Eisengittern Wache halten. Eine über die Dächer der Villen ragende Marilyn-Monroe-Statue. Morgens eine LKW-Kolonne von Coca Cola, die Nachschub liefert. Nachts legendäre Clubpartys der Gay-Community, die sich hier ebenfalls niedergelassen hat.

Johannes Bacher, Inhaber und Koch des "Johannes Restaurant"

Johannes Bacher, Inhaber und Koch des "Johannes Restaurant"  |  © PR

Johannes Bacher stemmt seine muskulösen Unterarme auf den Tresen und erzählt, wie das alles gekommen ist – mit ihm und mit dem Städtchen in der Wüste. Österreich? Ist ihm im Kindesalter schon zu kalt gewesen. Also weg! So schnell wie möglich. Als die Kufsteiner Grenzpolizei den zwölfjährigen Knirps im Zugabteil anspricht, da sagt der: "Entschuldigen Sie, ich muss zu meinem Onkel Dieter Thomas Heck nach Saarbrücken." Onkel? "Nein, den kannte ich natürlich nur aus dem Fernsehen. Doch der wirkte immer so fröhlich, dem schien es richtig gut zu gehen." Der würde ihm die Welt zeigen. Frau Heck macht die Tür auf, eine Woche lang darf der Junge bleiben, dann muss er zurück. Aber nicht für lange, mit 14 geht er für immer.

"Dieter Thomas, wer?", fragt die Kellnerin, die an der Bar Gläser spült. Cary Grant und Elvis Presley, Zsa Zsa Gabor und Liz Taylor, die nur weiße Rosen in ihrer Nachbarschaft duldete, und immer wieder – Frank Sinatra. Das sind die Kaliber, die Palm Springs zu bieten hatte und von denen der Ort noch heute zehrt. In den späten 1950er-Jahren müssen sich die Showgrößen mit Knebelverträgen herumschlagen, die besagen, dass sie in deren Nähe bleiben müssen. Die zwei Stunden von den Studios und Bühnen entfernte Stadt wurde ihr Zufluchtsort. Ein bisschen Ruhe abseits der Trubels, hohe Hecken, ein paar Klapperschlangen, dafür im Winter angenehm mild.

Ein Rundgang durch Bachers Lokal ist wie eine Tour durch ein Österreich-Museum. An den Wänden liebevoll eingerahmte Fotos von schneebedeckten Alpengipfeln, eins vom Wilden Kaiser, dessen steile Wände Johannes Bacher als kleiner Bub von seinem Kinderzimmer aus sehen konnte. "Dabei wollt' ich das gar nicht", sagt er, "ein österreichisches Restaurant aufmachen." Bacher hat auch Kängurufleisch auf der Karte, aber keine Chance, von einem österreichischen Koch wollen die Gäste österreichisches Essen haben, oder zumindest das, was sie dafür halten. Sie bestellen Sauerkraut und Wiener Schnitzel und irgendwann dachte sich Bacher, wenn, dann richtig, und seitdem gibt es auch Leberkäse und Käsekrainer, alles von einem Metzger aus Los Angeles, der eigentlich aus Vorarlberg stammt.

Leserkommentare
    • Tiroler
    • 20. September 2013 16:09 Uhr

    Anstatt sich auf Vermutungen zu verlassen und Kössen als "Bergkaff mit wahrscheinlich mehr Kühen als Einwohnern..." zu bezeichnen, hätte der Autor auch ganz einfach sich informieren können (das sollten Journalisten ab und zu tun) und dabei erfahren, das Kössen nicht am Berg liegt, sondern in einem weiten Talkessel, und dass es bei 4200 Einwohnern rund 3500 Kühe hat.

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    Werter Tiroler, der Autor kann sich nicht informieren, weil er ja von Visit California und nicht von Besuch Tirol "unterstützt" wird. Wer übrigens jemals in Palm Springs war, wird es in diesem schlecht geschriebenen und schlecht recherchierten Artikel nicht erkennen. Kein Wunder (und kein Schaden), dass die Print Medien eingehen, wenn sie sich für solche PR-Artikel hergeben. Offenbar gibt es in den Reiseredaktionen mehr Auftragsjubler als Journalisten. Aber die hat man, im Gegensatz zu den Kühen in Kössen, nicht gezählt. Sie geben auch keine Milch, sondern trinken Wassermelonen-Martini.

  1. Werter Tiroler, der Autor kann sich nicht informieren, weil er ja von Visit California und nicht von Besuch Tirol "unterstützt" wird. Wer übrigens jemals in Palm Springs war, wird es in diesem schlecht geschriebenen und schlecht recherchierten Artikel nicht erkennen. Kein Wunder (und kein Schaden), dass die Print Medien eingehen, wenn sie sich für solche PR-Artikel hergeben. Offenbar gibt es in den Reiseredaktionen mehr Auftragsjubler als Journalisten. Aber die hat man, im Gegensatz zu den Kühen in Kössen, nicht gezählt. Sie geben auch keine Milch, sondern trinken Wassermelonen-Martini.

    • tds
    • 21. September 2013 9:24 Uhr

    Ach kommt, Leute, stellt Euch nicht so an. Dies war die schönste Morgenlektüre seit langer Zeit für mich, da kann ich wieder mal so richtig durchatmen. Der Mann hat es geschafft, ist doch egal, wo sein Geburtsort liegt und wie viele Kühe dort leben, oder?

    Die Geschichte ist gut, amüsant, nett geschrieben und eine Wohltat nach Monaten des abartigen Wahlkampfgezerres und anderer Horrormeldungen aus dem armen Europa mit der Gartenzwerg-Mentalität.

    Schönes Wochenende!
    Munter bleiben!

    Eine Leserempfehlung
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    • Tiroler
    • 21. September 2013 22:49 Uhr

    Als Journalist sehe ich die Sache anders. Wenn man etwas schreibt, dann sollte man entweder wissen, ob es stimmt, oder im Zweifelsfalle, wenn man keine Zeit oder Lust zum Recherchieren hat, die betreffenden Angaben weglassen. Im konkreten Fall: Wenn die leicht überprüfbaren Angaben über den Geburtsort des in Amerika erfolgreichen Herrn Bacher nachweislich falsch sind, dann kann der Verdacht aufkommen, dass auch der Bericht über seine Erfolg in den USA nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen. Damit wird dem Herrn Bacher, der durchaus eine Reportage wert ist, vor allem aber auch der Zeitung, deren Glaubwürdigkeit in Frage gestellt wird, ein schlechter Dienst erwiesen.

    • Tiroler
    • 21. September 2013 22:49 Uhr

    Als Journalist sehe ich die Sache anders. Wenn man etwas schreibt, dann sollte man entweder wissen, ob es stimmt, oder im Zweifelsfalle, wenn man keine Zeit oder Lust zum Recherchieren hat, die betreffenden Angaben weglassen. Im konkreten Fall: Wenn die leicht überprüfbaren Angaben über den Geburtsort des in Amerika erfolgreichen Herrn Bacher nachweislich falsch sind, dann kann der Verdacht aufkommen, dass auch der Bericht über seine Erfolg in den USA nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen. Damit wird dem Herrn Bacher, der durchaus eine Reportage wert ist, vor allem aber auch der Zeitung, deren Glaubwürdigkeit in Frage gestellt wird, ein schlechter Dienst erwiesen.

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  • Schlagworte Hollywood | Österreich | Kalifornien | Los Angeles
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