Die Abhängigkeit der Piloten kommerzieller Fluglinien von automatischen Systemen hat deutlich zugenommen. Wie aus einer Studie der US-Luftfahrtbehörde FAA hervorgeht, haben die Flugzeugführer zunehmend Probleme, ihre Maschine durch kritische Situationen zu steuern.   

Piloten verließen sich zu stark auf die Automatik und griffen nur widerwillig ein. Oder sie schalteten die Automatik in Situationen ab, in denen das unüblich oder unnötig sei, heißt es in einem Entwurf der Studie, aus dem das Wall Street Journal zitierte. Verfasst haben sie Vertreter der Industrie und staatlicher Behörden sowie Forscher.

Der 277 Seiten umfassende Bericht soll noch diese Woche erscheinen. Er zeigt die Risiken auf, die die große Abhängigkeit der Piloten von automatisierter Flugsteuerung hervorruft. Während Bordelektronik über Jahrzehnte hinweg das Fliegen sicherer machte, zeigt sich nun eine Kehrseite dieser Entwicklung: Einige Piloten sind laut dem Zeitungsbericht mit komplexen automatischen Bordsystemen überfordert. Sie könnten damit nicht so umgehen, wie es ein sicherer Flugbetrieb erfordert. Es fehle ihnen vertieftes Wissen darüber, wie sie die Bahn der Flugzeuge stabil halten könnten.

Pilotenjob hat sich gewandelt

Die Fachleute stießen in Interviews auf viele Fälle, in denen Piloten im Normalbetrieb kleine Unstimmigkeiten erkennen und korrigieren konnten, bevor sie ernste Probleme nach sich zogen. Sobald sie aber im Handbetrieb fliegen mussten, waren sie nur noch in der Lage, "die Dinge geschehen zu sehen, statt sie von vornherein zu vermeiden".

Die Situationen waren außer Kontrolle geraten, weil die Piloten zu wenig Geistesgegenwart bewiesen oder nicht begriffen, was die Instrumente ihnen anzeigten. Solche Probleme führten zu mehreren Flugzeugunglücken in den vergangenen Jahren: zum Absturz eines A330 der Air France 2009 auf dem Flug von Südamerika nach Europa oder zur Bruchlandung einer Boeing im Juli 2013 in San Francisco.

Als Grund für die Defizite der Piloten führen die Verfasser mangelhaftes Training an, schlechte Trainingsausrüstung oder zu wenig Trainingszeit. Sie formulierten insgesamt 18 Empfehlungen an die Luftfahrtbehörde. Piloten müssten in die Lage versetzt werden, ihre Fähigkeiten im manuellen Flug zu verbessern. Das müsse durch mehr Training im Hinblick auf die technischen Finessen des Automatikfluges geschehen. Die Autoren empfehlen auch das Training seltener, aber potenziell schwerwiegender Funktionsprobleme, für die es keine spezielle Handlungsempfehlung gibt.

Die Definition des Piloten-Jobs habe sich gewandelt, schreiben die Autoren. Der Flugzeugführer sei vom normalen Piloten im Laufe der Zeit zu einem Manager technischer Systeme geworden. Die Informationsdichte im Cockpit habe sich auf ein Besorgnis erregendes Maß gesteigert. Mehrere Hersteller hätten durchblicken lassen, das Problem sei, dass die "heutige Technologie es eben ermögliche, dem Piloten schlichtweg zu viel Information zu bieten".

Luftfahrtbehörde sieht sich bestätigt

Die Expertengruppe der Behörde appellierte daher auch an die Industrie, Cockpits so zu gestalten, dass sie "aus der Perspektive des Personals" verständlicher seien. Die Crew sei besonders vor Technikversagen zu schützen, das von der Integration zu unterschiedlicher Bordsysteme herrührt. 

Die Luftfahrtbehörde teilte dem Bericht zufolge mit, sie habe bereits gehandelt und sämtliche Empfehlungen der Fachleute berücksichtigt. Sie habe Regelungen und Anleitungen erneuert. Es gehe darum, die Manualflug-Fertigkeiten der Piloten und die Zulassungsregularien für Piloten zu verbessern. Der vorliegende Bericht belege diese Bemühungen bereits. Am Donnerstag will die Behörde sich darüber mit Vertretern der Industrie austauschen.