Zum Beispiel für Menschen wie Gloria Molins; sie ist die Gründerin des Portals. "Ich will Reisenden kollaborativen Konsum bieten, Erlebnisse, bei denen sie tief in den Ort eintauchen, ganz nah dran sind", sagt sie. Im Februar ging die Katalanin damit online: Den Erfolg sollen Anbieter und Kunden garantieren, die Vorlieben und Lebensstil teilen. Auf der Seite weht der Hauch des Privaten. Sie wirkt wie eine Mischung aus Onlinereisebüro, DaWanda und Facebook. Fremde Menschen bieten Selbstgemachtes, hinterlassen Kommentare und duzen sich. Das ist Do-it-yourself-Tourismus, gehäkelte Trips durch Stadt und Land. Mit Martiño durchs galizische Hinterland wandern und danach vegetarisch essen, Vintage-Shopping mit Cristina in Oviedo und Gijón, mit Alfonso auf dem Motorrad durch Kastilien fahren, mit Alberto die Korbflechter von La Mancha besuchen. Und immer und überall kann man Tapas-Routen, Kochevents und Weinverkostungen buchen.

Yves lädt Leute zum Kochen zu sich nach Hause ein. Er wohnt in einem Neubau mit großer Dachterrasse in Barcelona. Der 37-jährige Schweizer kam als Kind mit seiner Mutter aus Zürich, erzählt er. "Weil die immer nur Schweizer Gerichte kochte, fing ich mit neun Jahren an, Tortillas zu braten." Bis vor ein paar Jahren hatte er eine Consultingfirma für Onlinemarketing. Dann kam sein Sohn zur Welt, "und mir wurde klar, dass ich die ganze Zeit über das Falsche getan hatte", sagt er. Jetzt betreibt er ein eigenes Portal mit Workshops oder als Koch für Privatfeiern. Für ihn ist Kochen sowohl Meditation – "wenn du nicht im Hier und Jetzt bist, brennt dir alles an" – als auch Event. Wer ihn bucht, bekommt eine eigene Schürze, ein Messer und ein Brettchen und kann damit lernen, wie die Katalanen Hummersuppe machen oder erfahren, was eine frische von einer Tiefkühlpaella unterscheidet.

Auch Andreu und Stefania versprechen Authentisches: Die beiden arbeiten in einem Reisebüro, privat betreiben sie ein Blog mit Ausgehtipps und bieten nun bei Trip4Real zwei unterschiedliche Wermut-Routen durch Barcelona an. Eine beginnt in der Lieblingsbar des Paares im Gracia-Viertel, eine andere führt durch Poblesec und Sant Antoni. Zwischen den Runden gibt es Tapas und Geschichten über den hochprozentigen Kräuterwein, den 1880 ein Italiener in Barcelona einführte. Bald wurde er zum Aperitif der Arbeiter, heute gibt es eigene katalanische Marken. "Seit Ausbruch der Krise ist Wermut wieder in Mode", sagt Andreu, "er ist billig und hat Tradition."

Yves, Andreu und Jaime sind entspannte, umgängliche Menschen. Ihnen hat die Krise offensichtlich keinen Hieb in die Magengrube versetzt. Sie verdienen ihr Geld anderweitig. Jaime betreibt in Palma eine kleine Druckerei. An diesem Dezembernachmittag hat er sich für die Tour freigenommen. "Die Fotografie ist für mich ein Vorwand, um raus zu kommen", sagt er grinsend. "Bei klarem Himmel und Neumond verschwinde ich in der Dämmerung."

Als wir auf dem Parkplatz der Bucht ankommen, sind schon warm geworden: Wir sind gleich alt, haben Kinder in ähnlichem Alter. Vor vier Minuten ist die Sonne im Meer versunken, wie eine App auf Jaimes Handy weiß. Er packt Kameratasche und Stativ und setzt eine Stirnlampe auf. Mir drückt er eine 70 Euro teure Taschenlampe in die Hand, "zum Felsenanmalen". Auf dem kurzen Weg in die Bucht hören wir die letzten Drosseln in den wilden Oliven zwitschern. Bald ist es stockdunkel. Das Meer rauscht und gurgelt. Die ersten Sterne tauchen auf – unser Moment.

Wir platzieren das Stativ am steinigen Ufer. Jaime stellt mit angeknipster Stirnlampe die Kamera ein, ISO-Stärke, Blende, Bildausschnitt. Wir machen ein paar Probefotos. Auf dem Display ist nur noch Schwarz zu sehen. Ich leuchte die Felsen auf der anderen Seite der Bucht an, um sie während der langen Belichtungungszeit ein bisschen hervorzuheben. "Ganz langsam, als ob du sie mit dem Lichtstrahl anmalen würdest." Das erste Foto ist verschwommen. Jaime rechnet und denkt nach, stellt alles neu ein. Dann drückt er auf den Fernauslöser und stellt den Wecker im Handy auf 15 Minuten. Er knipst die Stirnlampe aus. Ich stecke die Taschenlampe weg. Über uns leuchten die Sterne. In Palma tost der Abendverkehr. "Willst du ein Bier?", fragt er.