Wenn Tourismusmanager übers Fliegen reden, tun sie das, als wäre das Produkt ein Rohstoff wie Öl oder Kohle. In gewisser Weise haben Sie damit auch Recht. Kein Mensch steigt in einen Flieger, um zu fliegen. Die meisten wollen schleunigst ans Ziel – nach Mallorca, Paris oder New York. Für die Airlines ist diese Ansicht, die beispielsweise der langjährige TUI-Chef Michael Frenzel vertritt, tödlich. Wenn es den Menschen nur darum ginge, so günstig wie möglich von A nach B zu kommen, dann würden sich Fluggesellschaften am Ende nur noch in der Lackierung unterscheiden. Nicht aber im Preis.

Die einzige Fluggesellschaft, die das Konzept, Menschen einfach nur ans Ziel zu bringen, mit Wucht vertrat, war jahrelang Ryanair. Doch im vergangenen Jahr schwenkte Unternehmenschef Michael O’Leary um – plötzlich können zweite Gepäckstücke kostenlos aufgegeben werden und Sitzplätze reserviert werden. Der Gewinn soll darunter nicht gelitten haben. Guter – oder im Falle Ryanairs besserer – Service zahlt sich offenbar doch aus im Luftverkehr.

Umso erstaunlicher mag es Passagieren vorkommen, dass Air Berlin seit Jahren mit Verlusten kämpft und mit immer neuen Finanzspritzen des strategischen Partners Etihad in der Luft gehalten wird. Air Berlin steht für Schokoherzchen, Currywurst, relativ großzügige Platzverhältnisse und freundliches Personal. In Umfragen schnitt die Fluggesellschaft Anfang des Jahres besser ab als in Vorjahren, auch weil das Unternehmen kräftig in Sitze und das Multimediaangebot investierte.

Dem entgegenstehen die dürren Zahlen. Trotz eines Sparprogramms im Umfang von 200 Millionen Euro, machte die Fluglinie im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von mehr als 230 Millionen Euro. "Air Berlin wird das Angebot weiter ausdünnen müssen", sagt Jürgen Pieper, der die Fluggesellschaft seit Jahren als Analyst beim Bankhaus Metzler beobachtet. Dabei hat Air Berlin schon drastische Einschnitte vollzogen. Noch 2013 habe die einst als Ferienflieger gegründete Fluggesellschaft 122 Strecken im Angebot gehabt, 2014 waren es nur noch 105 – weniger als Ryanair (121) und Germanwings (135) anboten.

Wenn Air Berlin nun tatsächlich das Netz weiter ausdünnen wird, folgt daraus für Jürgen Pieper unmittelbar, dass die Flugpreise in den nächsten Monaten weiter steigen werden. "Überall dort, wo es wenige Anbieter gibt, steigen die Ticketpreise signifikant." Schon im Vergleich zum Vorjahr haben die Preise für Billigflieger deutlich zugelegt, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt jüngst in einer Studie ermittelte. Demnach kosteten Flugtickets im europäischen Billigflugmarkt im Vorjahr zwischen 60 und 120 Euro, im Frühjahr 2014 waren es schon zwischen 70 und 160 Euro.

Welche Folgen es für die Preise haben kann, wenn der Wettbewerb ausbleibt, spürten in den vergangenen Jahren vor allem Lufthansa-Kunden. Nachdem sich Deutschlands Marktführer die belgische Fluglinie Brussels Airlines einverleibt hatte, stiegen die Preise auf vielen früheren Konkurrenzstrecken. Wer kurzfristig von Hamburg nach Brüssel fliegen will, zahlt schnell 500 Euro. Von Berlin hingegen sind die Preise eher moderat. Dort konkurriert Lufthansa mit Easyjet. Selbst Reisende, die kein Air-Berlin-Fan sind, sollten daher ein Interesse daran haben, dass die Fluggesellschaft bald wieder aus eigener Kraft Geld verdienen kann.