Die Piloten der Lufthansa haben ihre Arbeit niedergelegt. Wie ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit mitteilte, begann der Streik um Mitternacht. Die Bundesregierung rief Piloten und Lufthansa zu einer schnellen Einigung auf. "Jeder Tag mit Streik schränkt die Mobilität Hunderttausender Menschen ein", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) der Bild. "Das heißt, eine schnelle Lösung des Konflikts ist geboten und ist auch im Interesse der Tarifparteien." 

Der Minister appellierte an das Verantwortungsbewusstsein beider Seiten: "Tarifautonomie und Streikrecht sind ein hohes Gut. Das bedingt auch ein hohes Verantwortungsbewusstsein eines jeden Tarifpartners." Drei Tage lang wollen die 5.400 Lufthansa-Piloten den Flugbetrieb des Unternehmens bestreiken. Der Konzern hat 3.800 Flüge in diesem Zeitraum gestrichen. Der Arbeitskampf gilt als der umfangreichste in der Geschichte des Luftfahrtkonzerns. 425.000 Passagiere sind laut Unternehmensangaben davon betroffen.

Jens Bischof, Vertriebsvorstand der Lufthansa-Passagiersparte, äußerte auf der Facebook-Seite des Unternehmens sein Bedauern über die "massiven Unannehmlichkeiten", die für Kunden entstünden: "Mir ist bewusst, dass rund 425.000 Lufthansa-Kunden in dieser Woche wichtige Geschäftstermine versäumen, womöglich ihren verdienten Familienurlaub oder gar die geplante Reise zum Hochzeitstag verschieben müssen", schrieb er. "Wir können von Ihnen kein Verständnis dafür erwarten, dass Sie mit uns in den nächsten Tagen nicht wie gewohnt an Ihr Ziel kommen werden."

Bischof bestätigte in der Mitteilung, dass es auch zu Problemen bei der Telefonhotline des Unternehmens komme. Aufgrund der hohen Anzahl von Anrufern seien die Nummern zum Teil nur schwer erreichbar.  

Anlass des Streiks sind die von der Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichten. Von den Streikmaßnahmen betroffen sind auch die Lufthansa-Tochter Germanwings, bei der jeder zweite geplante Flug ausfällt, und die Frachtgesellschaft Lufthansa Cargo. Für den Vormittag rief die Piloten-Gewerkschaft ihre Mitglieder zu einer Demonstration vor dem Frankfurter Flughafen auf und kündigte eine anschließende Kundgebung an.