Der 18. April 2014 war ein trauriger Tag am Mount Everest, einer von denen, an denen ein Unglück den Sinn der Bergexpeditionen infrage stellt. 16 Sherpas starben beim Versuch, die Routen für die Expeditionen der Bergtouristen vorzubereiten. 16 Menschen – so viele wie beim sogenannten deutschen Angriff auf den Nanga Parbat 1937; damals kamen sieben Teilnehmer der deutschen Expeditionsgruppe und neun Sherpas in einer Schneelawine ums Leben.

Die Sherpas streiken nun. Für dieses Jahr sind alle von ihnen unterstützten Everest-Expeditionen von der nepalesischen Südseite des Bergs aus abgesagt. Einerseits, um trauern zu können. Der Sherpa Tashi Tenzing, ein Enkel des Everest-Erstbesteigers Tenzing Norgay, sagt: "Wir beten 49 Tage lang für unsere Verstorbenen. Und wir sind eine kleine Gemeinschaft; viele von uns kannten jemanden, der gestorben ist." Das ist aber nur ein Teil der Begründung.

Andererseits streiken sie für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, und das nicht zum ersten Mal, seitdem sie vor etwas mehr als 100 Jahren erstmals als Helfer bei Bergexpeditionen gebucht wurden. "Die Sherpas", schrieb die Ethnologin Sherry B. Ortner 1999, "haben wahrscheinlich bei der Mehrzahl der Himalaya-Expeditionen gewisse Formen von Widerstand gezeigt". Mehr Geld, mehr Anerkennung und weniger Fremdbestimmung, das sind ihr zufolge die zentralen Forderungen seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Den Sherpas kommt bei den touristischen Touren auf die Achttausender im Himalaya eine Schlüsselrolle zu: Sie verdienen für nepalesische Verhältnisse dabei viel Geld, allerdings bekommen sie nur einen Bruchteil dessen, was jeder ausländische Expeditionsteilnehmer zahlen muss – in Medien und auf spezialisierten Websites ist von Summen zwischen 20.000 und 75.000 US-Dollar pro Person die Rede. Etwa 10.000 Dollar kosten die Genehmigungen, die Nepals Regierung erteilt, für dieses Frühjahr an etwa 350 Bergsteiger. "Das meiste Geld verdient die Regierung", klagt Tashi Tenzing am Telefon in Kathmandu. Das größte Risiko allerdings tragen die Sherpas.

Am 18. April, am Tag des tödlichen Unglücks, bereiteten 16 von ihnen einen Weg nach oben vor. Den Weg zu bauen dauert viel länger als ihn zu überqueren, Reinhold Messner sprach im Bayerischen Rundfunk dieser Tage von einer Woche Arbeit für einen Weg, den man in zehn Minuten zurücklegen kann. Die Gefahr, von einer Lawine begraben zu werden, ist für die Pistenbauer dadurch viel größer.

Das Problem wird sich in Zukunft noch verschlimmern, glaubt Tashi Tenzing: "Wir haben die globale Erwärmung, hatten keinen strengen Winter, und dazu kommt die große Zahl der Leute, die hochsteigen wollen. 350 Menschen auf einer einzigen Route, das ist zu viel für einen Berg."

Der Streik zeigt Wirkung. Statt der zunächst angebotenen 295 Dollar als Entschädigung für die Hinterbliebenen jedes gestorbenen Sherpas will Nepal nun etwa 7.000 Dollar zahlen; künftig sollen nepalesische Bergführer mit 11.000 Euro versichert sein. Die Sherpas haben dem Angebot aber noch nicht zugestimmt.