Man kann Menschen im Großen und Ganzen in zwei Gruppen einteilen: In die, die Veranstaltungshinweise für das Wochenende lesen, um anschließend lieber zu Hause zu bleiben. Und in jene, die einer schönen Bratwurst mit Senf nie abgeneigt sind.

Für beide Gruppen von Interesse ist ein Ereignis, das sich am Wochenende zutragen soll – ein Klappradrennen für Oberlippenbartträgerinnen und Oberlippenbartträger, für das 118 Männer und 10 Frauen mit unter anderem 29 Schnauzern, 23 Walrossbärten, 18 Kaiser-Wilhelm- und 8 Clark-Gable-Bärten angemeldet sind. Die Veranstaltung steht mit Conchita Wursts Sieg beim Eurovision Song Contest nicht in Verbindung, man kann aber nur schwer über das Rennen nachdenken, ohne assoziativ einen Bezug zu Wurst herzustellen, weshalb sich unschwer behaupten lässt, dass auch beim Klappradrennen ein gewisses Maß an Zeitgeist vorliegt.

Dass die Veranstaltung aus der Masse der Wochenendtermine für Kurzurlauber heraussticht, ist vorrangig damit begründbar, dass sie eine absolut runde Sache zu werden verspricht, geradezu mit dem Zirkel gezogen. Und das liegt am geglückten Zusammenspiel von Ereignis und Ort. Die Stadt, in der es sich zutragen soll, heißt Berlin und trägt zu Recht den Ruf, das Herz des deutschen Wortspiels zu sein. Dieses wird dort unentwegt geübt. Es findet sich seit Langem auf Straßenreinigungsfahrzeugen ("We kehr for you"), steht auf öffentlichen Hundekotauffangbehältnissen ("Danke für die Hot Dogs") und Postkarten ("Aschkarten") für eine saubere Hauptstadt ("Eimer ist immer der Asch"). Und selbst das Maskottchen der Stadt, ein Bär, ist weniger ein Tier als ein Sprachwitz. Das Wortspiel und die Kunst im öffentlichen Raum sind dort zwei Ausdrucksformen derselben Sache. Jemand hat sie sich ausgedacht, überall verteilt und dann nie wieder weggeräumt; und wenn jemand darüber stolpert, who kehrs?

Der Eingang-Klapprad-Style, wie ihn sich die Organisatoren vorstellen, 2013 in Ludwigshafen. © World-Klapp

Auch die Organisatoren des Klappradrennens für Oberlippenbartträgerinnen und Oberlippenbartträger dürften ihren Volkshochschulkurs "Origineller Sprachgebrauch" absolviert haben. Der Wettbewerb heißt "World-Klapp"; die Rennstrecke, genannt die "Merkel-Raute", ist 1,8 Kilometer lang und beinhaltet eine "Wester-Welle"; ob die Größe der Räder den Regularien entspricht, wird durch einen 20-Zollbeamten kontrolliert; und moderieren wird der frühere Fußballkommentator Udo Scholz in seiner Eigenschaft als Stimme der "KlapprAdler". Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn kein Wurstverkäufer diesmal eine Conchita Bratwurst anbietet. Man kann also sagen, dass die Veranstaltung des Pfälzer Klappvereins, die bis zum vergangenen Jahr in Ludwigshafen über die Bühne ging, und ihr neuer Austragungsort gut zusammenpassen, und man kann zu dieser Allianz nur gratulieren.

Der World-Klapp, der im Rahmen des Garmin Velothon ausgetragen wird, beginnt am Samstag um 15 Uhr am Brandenburger Tor, das, weil es seit Jahren ein wichtiger Ort für Ganzjahreskarneval ist, der die Menschen aus dem ganzen Land nach Berlin treibt, korrekterweise als Brandenburger Motor bezeichnet werden sollte. Wer Berlin von einer erstaunlich echten Seite kennenlernen möchte, sollte sich jedenfalls einen Witz mit Bart stehen lassen und vorbeikommen. Man sollte ja eh viel öfter in die Provinz fahren.