Die Anzeigetafeln am Flughafen Maiquetía Simón Bolívar bleiben zunehmend leer: Immer weniger Flugzeuge steuern die venezolanische Hauptstadt an. Einige Fluggesellschaften haben Caracas gänzlich aus dem Reiseplan gestrichen, weitere Airlines denken über einen solchen Schritt nach. Flüge nach und von Venezuela sind für Fluggesellschaften schon lange kein lukratives Geschäft mehr. Erschwerend kommt hinzu, dass das sozialistische Land Milliardenschulden bei den Airlines hat.

Der deutschen Lufthansa schulde Venezuela einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag, bestätigte ein Sprecher ZEIT ONLINE. Am Wochenende hat die Airline deshalb zum ersten Mal in diesem Jahr den Verkauf von Flugtickets ausgesetzt. Schon seit einigen Jahren bestünden die Probleme mit dem Land, sagte der Sprecher. Nun müsse die Airline Konsequenzen ziehen: Kurzfristig werden die Maschinen verkleinert, die Ticketpreise erhöht, einzelne Flüge gestrichen. Langfristig erwarte das Unternehmen, dass die Verhandlungen mit der venezolanischen Regierung zu Ergebnissen führen werden.

Tatsächlich hat die Regierung von Präsident Nicolás Maduro den Fluggesellschaften immer wieder Zugeständnisse gemacht und versprochen, das Problem zu lösen. Daraus geworden ist wenig. Die internationalen Fluggesellschaften müssen ihre Flugtickets in Venezuela in der Landeswährung Bolivar verkaufen, da der Handel in ausländischer Währung seit 2003 verboten ist.

Fast vier Milliarden US-Dollar Schulden bei den Airlines

Einen kleinen Teil der Einnahmen können die Fluggesellschaften innerhalb des Landes verwenden, etwa für Ausgaben in die Infrastruktur oder für Personal. Den weitaus größeren Teil der Einnahmen zahlen die Airlines jedoch bei der venezolanischen Zentralbank ein, um sie in US-Dollar zu tauschen. Die Bank wiederum hat aufgrund der allgemeinen Devisenproblematik, die in Verbindung mit zurückgehenden Öleinnahmen steht, in den letzten Jahren immer weniger US-Dollar zur Verfügung. So haben sich die Schulden der Zentralbank – und mit ihr die der Regierung – auf geschätzte 3,9 Milliarden US-Dollar summiert.

Viele Airlines können sich das Geschäft mit Venezuela künftig schlicht nicht mehr leisten. Die italienische Airline Alitalia und die kanadische Air Canada haben deshalb entschieden, Caracas nicht mehr anzusteuern. Weitere Fluggesellschaften denken über einen solchen Schritt nach. Seit einigen Monaten setzen die Betreiber den Flugverkehr auch immer wieder zeitweise aus oder haben ihr Angebot dauerhaft reduziert. Am deutlichsten zu sehen ist das bei der kolumbianischen Fluggesellschaft Avianca, die Caracas früher vier Mal täglich von Bogotá anflog, seit Januar 2014 nur noch ein Mal pro Tag.

Maduro droht den Fluggesellschaften

Dass sich das Problem noch verschärft, ist wahrscheinlich. Denn statt weiter Zugeständnisse zu machen setzt die Regierung Maduro nun auf Drohungen: Wer die Flüge nach Venezuela einstelle, der werde nicht mehr in das Land kommen, kündigte der Präsident im März an. Die Airlines stehen folglich vor einem Dilemma: Fliegen sie weiterhin nach Caracas, verlieren sie fortlaufend Geld; stellen sie die Route aber ein, verlieren sie nicht nur definitiv das Geld, das die venezolanische Zentralbank ihnen schuldet, sondern auch langfristig das Recht, Caracas anzufliegen.

Von der Lufthansa heißt es, sie wolle definitiv an der traditionsreichen Route Frankfurt – Caracas festhalten. Probleme wie jetzt mit Venezuela habe es auch schon mit anderen Ländern gegeben. Gelöst worden seien sie immer.