Die Errichtung einer Start- und Landebahn am Fuß des Mount Everest markierte 1964 den Beginn des Himalaya-Massentourismus in Nepal. Damals wurde in rund 2.800 Metern Höhe im Sherpa-Gebiet Solokhumbu eine Schotterpiste gebaut, heute befindet sich dort, in Lukla, der 2001 erweiterte und nach den Everest-Erstbesteigern benannte Tenzing-Hillary Airport.

50 Jahre später soll auch eine Straße für Kraftfahrzeuge gebaut werden. Das berichtet die nepalesische Kathmandu Post unter Berufung auf das Tourismusministerium. Der Bau soll demnach noch in diesem Haushaltsjahr beginnen.

Die Straße soll von Jiri über Salleri nach Surkhe führen – zu Fuß eine knapp neuntägige Trekkingtour – und etwa 100 Kilometer lang sein. Surkhe ist rund zwei Fußstunden von Lukla entfernt. Lukla, 150 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Kathmandu gelegen, ist der wichtigste Ausgangspunkt für Touren im Everest-Gebiet. Von Lukla aus kann man den Everest nicht nur besteigen, sondern auch Trekkingtouren auf dem Mount Everest Trek starten, der zum Basiscamp führt.

Der Flughafen Lukla im April 2006 ©  REUTERS/Gopal Chitakar

Nach dem Bau der Start- und Landebahn 1964, die eigentlich nur gedacht war, um Materialien heranzuschaffen, etwa für den Bau eines Krankenhauses, entstanden dort Unterkünfte und Ferienwohnungen. Die Zahl der ausländischen Besucher in der Region wuchs binnen zehn Jahren von 20 auf 3.500, wie die US-amerikanische Ethnologin Sherry B. Ortner in einem Buch über Die Welt der Sherpas schrieb. Heute kommen jährlich mehr als 30.000 Besucher in das Gebiet.

Was wird aus den Lastenträgern?

In der Regel reisen Touristen per Flugzeug an. Während der Reisesaison landen und starten in Lukla laut Kathmandu Post täglich bis zu 50 kleinere Flugzeuge. Wegen schlechten Wetters fallen Flüge allerdings häufig aus. So waren 2011 bis zu 3.000 Touristen eine Woche lang in der Hochgebirgsregion gestrandet. Der Tenzing-Hillary-Airport steht zudem im Ruf, zu den gefährlicheren Flughäfen der Welt zu gehören.

Mit der neuen Straße soll auch die Versorgung in der Region verbessert werden. Weil alles eingeflogen werden muss, ist die Region im Landesvergleich extrem teuer. Der Transport von einem Kilogramm Gepäck mit dem Flugzeug kostet – Ang Tshering Sherpa zufolge, dem Präsident der Nepal Mountaineering Association (NMA) – etwa 150 nepalesische Rupien, rund 1,15 Euro. Auf der Straße könne ein Kilogramm Güter für etwa zehn Rupien transportiert werden. Die geplante Straße werde das Reisen für Touristen und Einheimische bequemer machen, sagte Sherpa.

Allerdings arbeiten viele Einheimische ihr Leben lang als Träger – ihre Existenzgrundlage könnte durch das Straßenprojekt wegfallen oder kleiner werden. Zudem hat der Ausbau des Tourismus als Wirtschaftszweig in der Region neben Befürwortern auch Gegner. Im Frühjahr hatten Sherpas nach einem Unglück von der Regierung eine deutlich bessere Beteiligung an den teuren Genehmigungen gefordert, die ausländische Bergsteiger einholen müssen, bevor sie den Mount Everest besteigen können.