Ein idyllischer Landstrich: Sandstrände, hohe Palmen auf der einen, kristallklares Wasser auf der anderen Seite, und das über Hunderte von Kilometern – das ist Kenias Küste. Es ist eine der schönsten Urlaubsregionen des Landes. Was fehlt, sind die Urlauber.

Touristen sieht man derzeit in sonst gut besuchten Gegenden so selten wie die sogenannten big five in den Nationalparks – Elefant, Nashorn, Löwe, Leopard und Büffel. Abgesehen von einem einsamen Wachposten, der die Eingänge eines Hotel-Resorts an der Küste bewacht, ist hier niemand zu sehen. Es ist ein verlassener Ort.

"An der Südküste sind schon fünf Hotels geschlossen worden", sagt Albert Njeru, der Generalsekretär der Kudheiha, einer Gewerkschaft des Tourismus-, Bildungs- und Gesundheitswesens. Weitere 18 Hotels stellten der East African Business Week zufolge in Malindi, nördlich von Mombasa, vorerst den Betrieb ein. Auch im Landesinneren gibt es Einbrüche bei der Auslastung, heißt es bei Travel Marketing Romberg, dem deutschen Vermarkter des Kenia-Tourismus.

Im September 2013 hatte eine Terrorgruppe einen Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Nairobi verübt. Vor allem die Anschläge entlang der kenianischen Küste, die den somalischen Al-Shabaab-Milizen zugeschrieben werden, haben der Tourismusindustrie des Landes in den vergangenen Monaten geschädigt. Im bislang touristisch erfolgreichsten Jahr 2011 kamen 1,8 Millionen Besucher ins Land, seitdem sind die Zahlen gesunken, zuletzt waren es etwa 1,5 Millionen. Länder wie Großbritannien, Frankreich, die USA und Australien, aus denen viele Touristen kommen, haben Reisewarnungen für verschiedene Küstenbereiche herausgegeben oder die Hinweise verschärft.

Rückgang um 13,6 Prozent

Die britischen Veranstalter Thomson und First Choice brachten im Mai, nachdem in Nairobi und Mombasa Bomben explodiert waren, 400 Urlauber zurück nach Großbritannien und sagten alle Reisen nach Mombasa bis Ende Oktober ab. Im Juni gab es an der kenianischen Küste, etwa 100 Kilometer von der somalischen Grenze entfernt, weitere Anschläge. Dort machen viele Kenianer Urlaub. Kürzlich, im August, sagte ein niederländischer Veranstalter aus Sicherheitsgründen seine Kenia-Reisen ab.

Bei Travel Marketing Romberg heißt es, die Einreisezahlen aus Deutschland – dem fünftwichtigsten Markt hinter Großbritannien, USA, Italien und Indien – hätten im ersten Halbjahr 2014 knapp 8,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Der deutsche Markt sei damit noch relativ stabil. Die absoluten Einreisen aus aller Welt seien von Januar bis Juni um 13,6 Prozent gesunken, auf insgesamt knapp 430.000.

Das hat Folgen für die etwa 600.000 Menschen, die in der kenianischen Reisebranche arbeiten. Tourismus ist der zweitgrößte Wirtschaftszweig nach der Landwirtschaft, er macht knapp 12 Prozent des Bruttosozialprodukts aus.

Die kenianische Regierung ergriff auf Drängen der Tourismuslobby Maßnahmen, um die Branche zu stabilisieren. Knapp 200 Millionen Shilling, etwa 1,7 Millionen Euro, wurden etwa für Kampagnen versprochen, die das Land als Reiseziel bewerben. "Die Urlaubsmarke Kenia steht aufgrund der Vorfälle auf dem Spiel", sagte Muriithi Ndegwa vom kenianischen Fremdenverkehrsamt. Vertreter der Tourismusbranche allerdings, wie Michael Macharia vom Verband der Hotels und Caterer, beklagen, dass zwar einiges beschlossen und angekündigt, aber bislang nicht umgesetzt worden sei. Vor November 2015 werde sich die Reisebranche unter den gegebenen Umständen nicht erholen.

Der Kilimandscharo in Tansania, vom Amboseli-Nationalpark in Kenia aus betrachtet © Kenya Tourism Board

Im Nachbarland Tansania ist derweil ein gegenläufiger Trend zu beobachten. Es gab eine Zeit, da klagte man in Tansania darüber, dass zwar der Kilimandscharo im Land sei, Afrikas höchster Berg, der Ngorongoro-Krater und mit der Serengeti der bekannteste Nationalpark der Welt; wer davon aber profitiere, sei Kenia.

Der Kilimandscharo sieht eben von Kenia am schönsten aus. Auch produzierte Kenia die schöneren Tourismusprospekte und Postkarten. Kenia ist besser an den Flugverkehr angebunden, Tansanias Tourismusbranche war nicht stark genug, um mit den Nachbarn mitzuhalten. Kenia bot das abwechslungsreichere Programm. Schöne Strände gibt es in Tansania zwar auch, aber sie wurden nur im halbautonomen Sansibar touristisch vermarktet.

In diesem Jahr hat sich das Verhältnis gedreht. Tansanias Tourismusbehörde gab Ende August das Ziel aus, die Zahl ausländischer Besucher bis 2017 zu verdoppeln, auf knapp zwei Millionen pro Jahr. In der tansanischen Hotelbranche allerdings gibt es auch skeptische Stimmen. Es kämen zwar Touristen, die sonst nach Kenia gereist wären, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters dieser Tage, andererseits würden 30 bis 40 Prozent der Tansania-Besucher über Kenia einreisen, der Anbindung wegen. Trends für das zweite Halbjahr 2014 sind bislang nicht in Zahlen gegossen.