Wenn man bei Studiosus anruft, um sich zu erkundigen, wie häufig in diesem Jahr Ägypten-Reisen gebucht wurden, muss der Sprecher lachen. Dann sagt er: "Wir hatten 36 Gäste. Kulturreisen nach Ägypten sind wirklich auf dem Tiefpunkt." Dabei sei es, heißt es beim Veranstalter, ein Reiseland mit einem Alleinstellungsmerkmal. "Wer sich für die altägyptische Kultur interessiere, der wird um eine Reise nach Ägypten schwer umhin kommen."

Dieses Jahr aber war Ägypten kein Ziel, vor allem nicht für Studienreisende. Da die Reisebranche allerdings eine optimistische ist – man verkauft ja keine schlechte Laune, wie Journalisten –, gibt es Anzeichen für eine Trendwende. Edwin Doldi, der bei Studiosus für die Sicherheit der Gäste zuständig ist, sagt, man hoffe für 2015 auf eine dreistellige Gästezahl – was freilich immer noch wenig wäre. Vor der Revolution 2011 gab es Jahre, in denen 3.000 bis 3.500 Kunden mit Studiosus nach Ägypten reisten.

Wie kam es aber zu diesem Einbruch? Eine Teilantwort auf die Frage liegt nahe, sie lautet: Weltlage. Vom Auswärtigen Amt gibt es für Ägypten eine Teilreisewarnung, etwa für den Norden der Sinai-Halbinsel und das ägyptisch-israelische Grenzgebiet. Zudem gibt es mittlerweile einen aktualisierten "weltweiten Sicherheitshinweis". Eine Anschlagsgefahr bestehe demnach insbesondere in Regionen, in denen unter anderem "bereits wiederholt Terrororganisationen aktiv waren". Doldi sagt es so: "Das Sicherheitsimage Ägyptens ist schlecht." Es sei zwar nicht notwendig, von Reisen in das ganze Land abzuraten; potenziell gefährlich seien nur einzelne Gebiete. Die aber würden auf das Image des gesamten Landes abfärben.

"Wir haben Jahre verloren"

Der Einbruch betrifft nicht nur Studienreisen-Veranstalter. Die Einnahmen aus dem Tourismus gingen in der ersten Jahreshälfte um beinahe 25 Prozent zurück. Fatal für ein Land, in dem noch vor ein paar Jahren jeder Sechste vom Tourismus lebte. Samih Sawiris, Ägyptens größter Touristik-Unternehmer, wurde kürzlich zitiert, Ägypten habe "nicht eine Saison verloren, wir haben ganze Jahre verloren". Es werde dauern, die Angst wieder zu beruhigen. Die Regierung müht sich seit Monaten, den Eindruck zu erzeugen, man könne das Land problemlos und sicher bereisen. Für 2015 hoffe man auf die Einreise von ähnlich vielen Touristen wie vor der Revolution 2011, sagte Ägyptens Tourismusminister Hisham Zaazou vor Kurzem; laut offizieller Zählung waren das knapp 14 Millionen. Ähnliches hoffte man allerdings auch schon für 2014. Mal schickt man, quasi zum Beleg für die Sicherheit des Reisens, Journalisten in die Wüste, lässt sie allerdings von Polizisten begleiten – was dann den gewünschten Eindruck stark beschädigt. Mal klagt Zaazou, das deutsche Auswärtige Amt übertreibe es mit seinen Warnungen.

Vor allem aber weist man auf Unterschiede innerhalb Ägyptens hin. Die Nord-Sinai-Region etwa sei tatsächlich kein empfehlenswertes Reiseziel, heißt es auch bei Studiosus. Für Badeorte am Roten Meer sehe es anders aus. Solche Differenzierungen trifft freilich auch das Auswärtige Amt. Nachdem es zwischenzeitlich Reisewarnungen etwa auch für den Badeort Scharm El-Scheich gegeben hatte, heißt es bei der Behörde mittlerweile, es gebe keine Bedenken gegenüber "Reisen zu den archäologischen Sehenswürdigkeiten im südlichen Teil des Niltals zwischen Luxor und Assuan/Abu Simbel", ebenso wenig für Nilkreuzfahrten südlich von Kairo.

Die Frage ist, ob – und wie – man potenzielle Kunden davon überzeugt, gerade jetzt nach Ägypten zu reisen. Zum Baden können sie im europäischen Winter und Frühling schließlich auch auf die Kanaren fahren und zu altägyptischen Stätten auch noch in drei Jahren reisen.