Mehr als die Hälfte der Deutschen lehnt die Erzeugung von Kunstschnee in Skigebieten ab. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag von ZEIT ONLINE durchgeführt hat. Wenn nicht ausreichend viel Schnee fällt, um den Skibetrieb aufrechtzuerhalten, sollten Skigebiete nicht auf Schneekanonen und andere Hilfsmittel zurückgreifen, meinen 56 Prozent der Befragten. 29 Prozent sprechen sich für die Erzeugung von Kunstschnee aus.

In vielen Skigebieten, außerhalb wie innerhalb Deutschlands, wird über Zukunftsstrategien beraten und gestritten: Will man den lukrativen Alpintourismus aufrechterhalten, selbst wenn nicht mehr genug Schnee fällt – etwa indem man künstlichen Schnee erzeugt? Oder sollten Wintersportorte sich neue Einnahmequellen jenseits des Alpintourismus suchen?

78 Prozent der Befragten sind der Meinung, die lokale Tourismuswirtschaft in Skigebieten sollte keinen Vorrang vor den Interessen von Umwelt- und Naturschützern haben. Nur 10 Prozent bewerten die Interessen der Tourismusbranche höher.

Die Aussagen von Frauen und Männern unterscheiden sich nur geringfügig, Unterschiede gibt es aber zwischen verschiedenen Altersgruppen. Knapp ein Drittel der 18- bis 24-Jährigen, 34 Prozent, befürwortet die Kunstschneeerzeugung. Die 55-Jährigen und Älteren befürworten sie nur zu einem Viertel, zu 25 Prozent.

Jüngere machen häufiger Skiurlaub

Hier ist ein Zusammenhang zu Skiurlauben erkennbar. Drei Viertel der Befragten der Altersgruppe ab 55 gaben an, nie in den Skiurlaub zu fahren. Unter den 18- bis 24-Jährigen machen nur 55 Prozent niemals Ferien in einem Wintersportgebiet.

Die Häufigkeit von Skiferien ändert sich nicht nur mit dem Alter, sondern auch mit dem Netto-Haushaltseinkommen und mit dem Wohnort. Während insgesamt 29 Prozent der Befragten zumindest gelegentlich Skiurlaub machen, sind es in der Gruppe derer, die netto zwischen 500 und 2.000 Euro im Monat zur Verfügung haben, nur knapp 20 Prozent. Für die Bewertung der Kunstschneeerzeugung spielt das Nettoeinkommen allerdings kaum eine Rolle.

Im Süden der Republik steigt die Quote derer, die gelegentlich Urlaub in einem Skigebiet machen. Nur 59 Prozent der bayerischen und 62 Prozent der baden-württembergischen Befragten gaben an, nie in Skiregionen freie Tage zu verbringen. In allen anderen Bundesländern ist der Wert höher.

Wie beurteilen nun aber Bayern und Baden-Württemberger die künstliche Erzeugung von Schnee? Sie wird von den befragten Bayern zu 61 Prozent abgelehnt und zu 30 Prozent befürwortet. Deutschlandweit am niedrigsten ist hier die Zahl der Unentschiedenen.

In Baden-Württemberg ist man – im Vergleich mit anderen deutschen Regionen – am wenigsten der Meinung, dass die Interessen von Umwelt- und Naturschützern Vorrang vor den Interessen der Tourismusbranche haben sollten. Auch dort finden jedoch 69 Prozent, dass die Interessen von Umwelt- und Naturschützern höher einzuschätzen sind.

Alle Daten, soweit nicht anders angegeben, sind von der YouGov Deutschland AG bereitgestellt. An der Befragung nahmen 1.027 Erwachsene teil. Die Erhebung fand zwischen dem 17.12. und dem 19.12.2014 statt. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für alle 1.027 Erwachsenen (Alter 18+).