Eigentlich müsste das Jahr vor dem Sabbatical noch schöner sein als das freie Jahr selbst, weil es das Jahr der Vorfreude ist. Sagen Bekannte. Wer sich in ein Sabbatical begibt, bekommt viele Tipps, wie das freie Jahr im besten Fall zu verbringen sei. Jeder für sich klingt super, nur leider lassen sich ganz schwer alle verwirklichen:

Nimm dir vor, gar nichts zu arbeiten. Arbeite ein bisschen. Widme dich einem Liebhaberprojekt. Wandere. Such dir eine Stadt aus und bleib dort, solange es dir gefällt. Plane gar nichts. Plane ein bisschen. Schreib ein Blog. Ein Buch. Melde dich endlich mal bei Facebook an, denn mit der Zeitverschiebung wird man sonst gar nicht in Kontakt bleiben können. Lass dein iPhone zu Hause. Mach, was du schon immer mal tun wolltest. Erwarte nicht zu viel. Guck halt mal.

Meine erste Idee war es, vier Leute in vier Städten zu suchen und mit ihnen die Wohnung zu tauschen. Irgendwo in Japan, in den USA, in Argentinien, Italien, so ungefähr. Es gibt eine Internetseite namens Homelink, die solche Täusche ermöglicht. Es ist eine Art Couchsurfing in Abwesenheit des Gastgebers, und es wird gern von Rentnern genutzt. Was nicht weiter schlimm wäre, gegen Rentnerwohnungen gibt es nichts zu sagen. Als ungünstig erwies sich, dass in Japan praktisch niemand tauschen will. Das Interessentenverhältnis Berlin-Tokio liegt sicher bei 1.200 zu 3. Wahrscheinlich ist es für einen Japaner undenkbar, ein Jahr nicht zu arbeiten, freiwillig. Die Zahl der Interessenten pro Stadt ergäbe vielleicht eine Weltkarte des Müßiggangs.

Wenn man schon mal die Zeit hat

Japan auf diese Weise zu bereisen konnte man also knicken, Buenos Aires auch, Rom hielt sich auch sehr zurück. Und aus Amerika meldeten sich recht viele Wissenschaftler, die zum Forschen nach Berlin wollten. (Nur leider sehr hartnäckig niemand aus New York).

Ergebnis des einjährigen Planens: eine Mischung aus Tauschen mit Bekannten, Tauschen mit Unbekannten, normalem Verreisen, Familienbesuchen, Zurückkehren und außerdem auch noch ein, zwei Monate gänzlich ungeplant.

Den ersten Zwischenstopp auf der Reise nach Tokio verbrachte ich im Telefonat mit der Telekom. Es gibt nämlich, so sabbaticalfreundlich ist das Land inzwischen, einen Passus in den Telefonverträgen, dass man, wenn man wie ich brav eine Bescheinigung des Arbeitgebers schickt, seinen Festnetzvertrag ruhen lassen darf. Das war natürlich ein nicht sehr verwegener Start, und sicherlich hatte ich gleichzeitig noch vieles andere falsch gemacht: Ich verstieß gegen den Rat, erst mal auf dem Landweg zu reisen ("wenn man schon mal die Zeit hat!"), gegen den Rat, mich "in ein exotisches Land" zu stürzen, und gegen den, unter keinen Umständen einen Reiseführer mitzunehmen.

Naja, hatte ja nur eine Woche in Tokio. Entschied mich für den Time Out von 2007, den ich gebraucht für einen Euro irgendwo gekauft hatte, um wenigstens nicht der Versuchung zur erliegen, die Wahl des Abendessens von Reiseführerautoren bestimmen zu lassen.