In unserer Serie beantworten Vielreisende und Reiseexperten in zehn Fragen, wie sie am liebsten unterwegs sind. Heute: der Buchautor Nils Straatmann (Wo die Kartoffeln auf Bäumen wachsen), der in Panama als Matrose gearbeitet hat.

1. Das Reiseziel: Wohin soll es gehen?

Ich habe auf der Stahlratte, einem 110 Jahre alten Zweimaster, vor der Küste Panamas angeheuert. Man sagt, vor Panama gebe es so viele Inseln, wie das Jahr Tage hat. Manche sind nicht mehr als eine Palme mit einem Haufen Sand darum herum. Das Schiff transportiert Rucksack- und Motorradtouristen zwischen Panama und Kolumbien hin und her, denn der Landweg ist nicht passierbar. Die Arbeitszeit auf der Stahlratte beträgt für gewöhnlich drei bis sechs Monate. Ich war 113 Tage, also knapp vier Monate, auf dem Schiff.

2. Die Buchung: Reisebüro, Katalog, Internet oder Smartphone?

Für die Stahlratte kann man sich nur per Mail bewerben (über info@stahlratte.de). Natürlich ist nicht gesagt, ob man angenommen wird, schließlich handelt es sich nicht um eine Urlaubsfahrt, sondern es wartet zum Teil harte Arbeit an und unter Deck. Man sollte einige Vorlaufzeit einkalkulieren. Ich habe mich im September 2012 beworben und konnte nach einigem Hin und Her im Juni 2013 auf das Schiff, also neun Monate später.

Nils Straatmann hat über seine Erfahrungen als Matrose das Buch "Wo die Kartoffeln auf Bäumen wachsen" geschrieben. Es ist bei Malik erschienen. © Markus Hohnstein

3. Das Internet: Welche Buchungsportale, Apps, Reiseblogs? 

Auf stahlratte.de veröffentlicht die Crew regelmäßig ihre Routen und kurze Infos über die Lage an Bord. Genauso auf Facebook – gespickt mit einigen zum Teil atemberaubenden Fotos. Das ist super, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen und das Fernweh zu wecken. Man kann sich auf vielerlei Weise auf eine solche Reise vorbereiten, doch am Ende wird es immer der Sprung ins kalte Wasser sein.

4. Die Vorbereitung: Reiseführer, Wikipedia oder Diaabende bei Freunden?

Ich habe im Vorfeld der Reise versucht, so viel wie möglich über die Kultur, Vegetation und Politik Panamas und Kolumbiens zu erfahren. Außerdem habe ich ein paar Knoten gelernt. Aber alles, was ich wirklich an Bord brauchte, habe ich auch erst an Bord gelernt. Es heißt, im ersten Monat bist du Zuschauer. Im zweiten bist du Lehrling. Im dritten bist du eine Hilfe. Man könnte noch hinzufügen: Und im vierten kannst du deine Zeit wirklich genießen.

5. Vor Reiseantritt: Was muss dringend noch erledigt werden?

Man kann sehr naiv nach Panama anreisen: ohne funktionsfähiges Handy, ohne Kreditkarte, ohne Spanischkenntnisse, nur mit der Orga-Mail für die Anreise zum Schiff und einem großen Batzen Abenteuerlust in der Tasche. Habe ich gemacht, ist nicht zu empfehlen. Mittlerweile bin ich immerhin sehr gut mit Maria-Xenia Vargas Lopez von der deutschen Botschaft in Panama City befreundet.

6. Die Tickets: Auf dem Handy oder in ausgedruckter Form?

Es ist sinnvoll, sich die vorherigen Absprachen mit dem Kapitän auszudrucken und mit sich zu führen. Salzige Luft und feine Elektronik verstehen sich nicht immer.

7. Unterwegs: Kommunikation oder absolute Ruhe?

Das Leben an Deck läuft in Phasen ab. Gerade zum Aus- und Einlaufen ist alles sehr hektisch, muss schnell gehen, jeder Handgriff muss sitzen. Kleinste Fehler können die Reisen um Stunden hinauszögern. Wenn aber erst mal alles unter Fahrt ist und der Wind stimmt, gibt es wunderbare Zeiten der Entspannung. Gerade auf den Nachtwachen, wenn du ganz allein an Deck bist, das Stern des Südens über dem Festland prangt und die Gischt am Bug Lichter in die See wirft.

8. Vor Ort: Mutig auf eigene Faust oder nur in der Reisegruppe?

"Bist du gut mit dir selbst ausgekommen?", hat mich ein Freund nach der Reise gefragt. Und erst mit all den Erfahrungen, die ich gemacht hatte, konnte ich die Tragweite dieser Frage verstehen. Ich hätte mir sehr häufig einen Kompagnon gewünscht, der meine Sorgen und Unsicherheiten teilt. Natürlich hast du eine Crew um dich herum, mit der du deine gesamte (!) Zeit auf sehr engem (!) Raum teilst, doch das sind nicht immer sofort die Personen, denen du dich anvertrauen möchtest. So habe ich sehr viel mit mir selbst ausgemacht – und das war am Ende gut. "Maybe it’s not a good tour to do, but to have done." So hat ein anderer Freund zusammengefasst.

9. Der Preis: Was darf eine Reise kosten?

Eine solche Reise findet Hand für Koje statt! Wer für eine solche Reise zahlt, hat sich entweder auf ein sehr zwielichtiges Schiff gewagt oder möchte einen gewissen Luxus nicht aufgeben. Dann ist es aber nicht die Reise, die sich zu wagen lohnt.

10. Ach so: Warum sind Reisen überhaupt wichtig?

Auf einem Schiff nimmst du die Zeit intensiver wahr, da es nichts gibt, das dich von ihr ablenkt. Gerade auf den Nachtwachen war mir jede einzelne Sekunde bewusst. Nie war ich so sehr mir selbst, meinem innersten Ich ausgesetzt. Das war zum Teil, gerade zu Beginn sehr hart. Doch je besser man lernt, mit sich selbst auszukommen, desto mehr wird einen die Reise im Nachhinein beeinflussen. Und das ist gut, denn man kann vor sich selbst nicht weglaufen. Man schleppt sich immer mit.

Und wie reisen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Verraten Sie uns bitte in den Kommentaren Ihre Tricks: die besten Buchungswebsites vom Flug- bis zum Übernachtungsportal, die inspirierendsten Magazine, Sites, Sendungen und Reiseführer, nützliche Apps, die tatsächlich nützlich sind, und wenig ausgetretene Wege, Geld zu sparen.