Es gibt viel zu erzählen über Madagaskar. Die Insel liegt im Indischen Ozean und wird Afrika zugerechnet. Etwa 1.500 Kilometer ist sie in Nord-Süd-Richtung lang, gut 500 Kilometer beträgt die Ausdehnung an der breitesten Stelle. Zu Zeiten des Mega-Kontinents "Gondwana" war diese Landmasse eingezwängt zwischen dem heutigen Afrika und dem Indischen Subkontinent, und seit der Abspaltung vom Festland hat die Insel ein ganz eigenes Ökosystem entwickelt. Die Liste der Attraktionen Madagaskars ist lang: der Artenreichtum der Insel, die herausragende Gastfreundlichkeit der Einheimischen, Traumstrände und nicht zuletzt kulinarische Hochgenüsse.

Doch das Reisen auf Madagaskar ist beschwerlich und zeitintensiv. Straßennetz wäre ein zu großes Wort für die Bedingungen auf der Insel. In der Hauptsache handelt es sich um drei Nationalrouten, die zusammengenommen das Land von Antsiranana im äußersten Norden über Antananarivo im Zentrum bis Toliara an der Südwestküste in Nord-Süd-Richtung erschließen. Dazu kommen drei weitere Routen, die nach Morondava an die Westküste, beziehungsweise nach Toamasina und Manakara an der Ostküste führen. Die restlichen Straßen sind schlechtere Pisten, die häufig nicht ganzjährig befahrbar sind, weil sie regelmäßig in der Regenzeit weggespült oder von einem Zyklon zerstört werden. Dann geht es tagelang nicht weiter, auf Madagaskar braucht man Geduld.

Und immer ein paar kleine Scheine im Geldbeutel. Korruption, das ist für Einheimische und Touristen ein offenes Geheimnis, ist in Madagaskar eher die Regel, als die Ausnahme. Die Fahrer der Überlandbusse wissen beispielsweise genau, in welchem Dorf welcher Polizist seine sogenannte Verkehrskontrolle betreibt. Die meisten Busfahrer haben deshalb auf dem Armaturenbrett eine Schmiergeldkasse, aus der vor jedem Polizei-Stopp eine bestimmte Anzahl Scheine in den Fahrzeugpapieren deponiert wird. Auf wundersame Weise sind die Scheine nach der Kontrolle verschwunden. Dennoch: Um das Busfahren kommt man auf Madagaskar nicht herum. Es gibt einfach zu viel zu entdecken, allem voran die Natur, die vielerorts als bedroht gilt.

Die Allée du Baobab mit den majestätischen "Adansonia grandidieri" an der Westküste Madagaskars ist das Wahrzeichen der Insel. © Ulf Krone

Die fast schon legendäre Inselvegetation Madagaskars beschränkt sich inzwischen auf stark begrenzte Gebiete, zumeist Nationalparks, in denen sich Menschen und Organisationen dem Kahlschlag und der Umweltzerstörung entgegenstellen. Die verbliebenen Regenwälder Madagaskars, die immer noch eine Vielzahl an Lemuren, Reptilien, Amphibien, Vögeln und Insekten beheimaten, liegen entlang der steil ansteigenden Ostküste in einer Gegend, in der sich die Monsunwolken abregnen. Norden und Westen der Insel leben dagegen von gelegentlichen Niederschlägen in der Regenzeit und von den Flüssen, die das Wasser aus dem Hochland hinabtransportieren. Diese Regionen sind geprägt von kargen, entwaldeten Hochebenen und Trockenwäldern entlang der Küste. Im Süden gehen diese dann in die typische Vegetation einer Dornbusch-Savanne über. Auch dort sind viele spezialisierte Lemuren zu Hause, genauso wie die stark bedrohten Schildkröten Madagaskars, Schlangen, Chamäleons und Geckos.

Eine Wanderung durch die Regenwälder Madagaskars, beispielsweise durch den Nationalpark Ranomafana, ist eine Reise in eine fremde Welt, die besonders nachts lohnenswert ist. Die Regenwälder an der Ostküste zählen zu den sogenannten "Hotspots der Biodiversität", sind also Brennpunkte der Artenvielfalt. Und beinahe alle Arten sind endemisch, das heißt, sie kommen nur auf Madagaskar und nur in einem eng begrenzten Gebiet vor. Etliche Arten sind vom Aussterben bedroht, durch die Jagd oder den Verlust des natürlichen, ursprünglichen Lebensraums dezimiert.