In Reihe 26 ist die Welt noch halbwegs in Ordnung. Das bemerkt auch die Passagierin, die den Gang der Boeing 777 entlang geht und murmelt: "Erst kommen die guten Sitze, dann die mittelguten und dann die furchtbaren." Business Class, Premium Economy, Economy – so sieht die Hierarchie für den Langstreckenflug der Air New Zealand von London nach Auckland aus. Und in der Premiumklasse mit den schneeweißen Knautschsesseln ist es nur halb so schlimm.

Premium Economy ist das neue Zauberwort der Luftfahrtbranche. Mehr Komfort und weniger Stress, größere Sitzabstände und kleinere Anzahl der Sitze pro Reihe versprechen die Airlines weltweit.

Die Lufthansa hat diese Wahlmöglichkeit für den gehobenen Mittelstand vor einem Jahr eingeführt. Bis zum Jahresende wird sie in allen 107 Flugzeugen eingebaut sein, die auf den interkontinentalen Strecken unterwegs sind. Etwa ab 1.000 Euro aufwärts kostet bei der Lufthansa ein Flug mit mehr Beinfreiheit. Bei anderen Gesellschaften gehört er seit Jahren zum Standard für die Langstrecke. 1991 hat die taiwanesische Eva Airways damit einen Trend begonnen, mittlerweile haben Dutzende Airlines sie im Programm. Aus einem einfachen Grund: Die Lücke zwischen Business (oder First) Class und der einfachen Economy ist zu groß geworden.

Statt Thrombosestrümpfen

Mit der Business Class erzielen die Fluglinien ihre Gewinne. In ihre Entwicklung stecken die Firmen viel Geld. Wer nicht Business flog, wurde bisher auf die hinteren Plätze verbannt und tat gut daran, in vernünftige Thrombosestrümpfe zu investieren, damit die Durchblutung der Beine gewährleistet ist. Ein Zehnstundenflug kann sich sonst schnell wie Sitzfolter anfühlen.

Die Premium- ist eine Zwischenklasse. Sie ist tendenziell etwa doppelt so teuer wie die Economy und halb so teuer wie die Business Class. Lohnt es sich, für ein Ticket eine Summe auszugeben, die für einen indischen Kleinwagen reichen würde? Kann man damit leben, bei der Lufthansa trotzdem keinen Champagner zu bekommen? Und nicht in die Lounge der British Airways zu dürfen? Lohnt sich das Ticket, wenn man bei der Cathay Pacific weiterhin über den Nachbarn in der Mittelreihe klettern muss, um auf die Toilette zu kommen?

Sicher ist: In der Zwischenklasse ist das Reisen tatsächlich komfortabler als in der Economy. Die verstellbaren Sessel lassen sich weiter nach hinten verstellen, gar nicht so viel anders als in der alten Business Class vor 20 Jahren. Die Abstände zum Vordermann sind größer. Es gibt Gimmicks wie kleine Kulturbeutel, ein besonderes Speiseangebot oder höhere Freigepäcksgrenzen.

Das ist meine Lehne!

Bei Air New Zealand sieht die Premium-Flugkabine wie eine Designvision aus den 70er Jahren aus. Space Seat nennt die Gesellschaft ihr Konzept. Weiße Ledersitze stehen diagonal zum Gang, sie sind in Schalen derselben Farbe eingefasst, und irgendwie erinnert das schicke Design an einen Ruheraum auf dem Raumschiff Enterprise. Statt acht oder gar zwölf Sitzplätzen pro Reihe gibt es nur sechs.

In der Mittelreihe können Passagiere die trennende Armlehne zurückklappen. Die Plätze in der Mitte seien für Paare entworfen worden, sagt Kerry Reeves, der bei den Neuseeländern für die Entwicklung verantwortlich war. Beim Essen könnten sie sich dort fast gegenüber sitzen.

Wer um die 1,80 Meter groß ist, kann tatsächlich seine Beine ausstrecken. Dafür sorgt eine Ausschalung im Vordersitz. Auf dem Boden liegt ein kleiner Stoffsack, auf den Passagiere ihre Füße betten, eine wohltuende Alternative, um diese nicht ständig auf den tiefbraunen Teppichboden hart abzulegen.

Man kann die Arme über den Kopf legen, ohne Gefahr zu laufen, damit in den Bewegungsradius einer anderen Person zu geraten oder sich in ein Streitgespräch über Platzmangel zu verwickeln. Dieser Kleinkrieg findet in der Economy statt. Hier ist Waffenstillstand auf der gepolsterten Lehne. Ein bisschen auf den Metallgriff an der linken Unterseite des Sitzes drücken, und der Kunstledersessel rutscht nach vorn. Natürlich nicht zu weit, das ist schließlich nicht die Business Class; den Wunsch nach einem flachen Bett bremst das Gerät aus.