Wenn man im Sinne der Maori Kultur unterwegs ist, fährt man „Waka“ - Kanu. Da es aber schon dunkel ist und leider kein Fluss vorhanden, werden wir nur von einem Bus namens „Waka 19“ abgeholt, der uns in das Maori Dorf bringen soll. Doch so einfach dürfen wir den „geweihten Ort“ nicht betreten. Vorher gilt es die wichtigsten Regeln, Gebräuche und Wörter zu lernen. Unser Waka-Fahrer Willi, sein richtiger Maori-Name ist für europäische Zungen unmöglich auszusprechen, weiht uns, den Gaststamm, in das wichtigste Vokabular ein: KIA ORA (Hallo, Danke), KA PAI (sehr gut), PAKI PAKI (Applaus).

Einer der wichtigsten Teile: Jeder Stamm braucht einen Stammesführer, der die hochgeschätzte Aufgabe hat seinen Stamm würdig zu vertreten und bei der Begrüßung durch den Maori Stammesführer das Friedenssymbol in Form einer Pflanze entgegenzunehmen. So wählt Willi kurzerhand einen grauhaarigen „erfahren aussehenden“ Engländer aus unserem Bus zum Häuptling. Jeder säuselt noch die neugelernten Worte vor sich hin, während wir Tamaki erreichen, das Maori Dorf in der Nähe von Rotorua, auf der Nordinsel Neuseelands.

Es ist dunkel und ruhig, als wir vor dem Eingang auf die offizielle Einladung durch die Maoris warten. Aus der Ferne in Richtung des Dorfes beginnen Frauen Lieder zu singen. Zunächst ganz sanft und geschmeidig doch dann dreht sich die melodische Stimmung in immer härtere und abgehacktere Laute. Die Krieger stürzen nun mit ihren gebräuchlichen Gesten auf uns zu. In einer Art Kampf-Tanz, bei der sie ihre langen „Taiahai“-Stäbe (Waffen) ganz dicht an unseren sowie ihren Köpfen vorbeischwingen und mit viel Zungerausstrecken bewegen sie sich immer dichter auf den Gaststamm zu.

Dieses Begrüßungszeremoniell ist die letzte Hürde, die wir nehmen müssen, denn hier entscheidet sich, ob der Maori-Stamm uns einlädt oder ob er mit uns Krieg führen will. Unser Stammesführer bekommt - zum Glück - das Friedenssymbol gereicht und nach dem Nase-an-Nase-Freundschafts-Druck zwischen den Obermännern der verschiedenen Kulturen dürfen wir in das heilige Dorf folgen. Instrumente und Lieder, Waffen, erzählte Legenden, Tänze und weitere Aktivitäten aus vergangenen Zeiten werden hier wieder aufgelebt und versetzen uns in eine andere mit keiner der europäischen Kulturen vergleichbare Welt.

Im Versammlungshaus („Whare-Nui“) dürfen die Frauen während der Reden nicht in der ersten Reihe sitzen. Diskriminierung gibt’s hier also auch, denken wir, aber dann bekommen wir erklärt: Männer halten die Begrüßungsreden und würden im Falle eines Kampfausbruchs so die Frauen beschützen können. Nach dieser Aufklärung verzichten wir doch gerne auf die ersten Plätze!

„Schmeckt alles irgendwie geräuchert“, tönt es von verschiedenen Seiten beim Hangi (Abendessen). Kein Wunder, denn das ist es auch! Bei dieser alten Kochart der Maori werden Fleisch, Kartoffeln, Gemüse und Muscheln etwa vier Stunden auf heißen Steinen in der Erde gegart. Die Steine werden mit Holz zum Glühen gebracht und dann mit dem Essen in der Erde vergraben. Nach Abschiedsliedern und Wünschen für eine gute Weiterreise der Maori bedankt sich unser Stamm mit viel PAKI PAKI und einigem Nasen-Drücken. Vollkommen satt, stark beeindruckt und verzaubert von der Maori-Kultur schlendern wir wieder zurück zum „Waka 19“.