ZEIT: Herr Miles, was macht die kolumbianische Stadt Cartagena für Segler interessant?

Miles: Cartagena ist nicht nur wegen ihrer einzigartigen Geschichte und Architektur attraktiv. Cartagena ist rundum ein sicherer Hafen, mit tiefem Wasser. Die Naturbucht ist sehr gut gegen die dominierenden Nordostwinde abgeschirmt. Außerdem liegt Cartagena südlich der Starkwindzone in der Karibik. Denn unterhalb von 10 Grad südlicher Breite ist man absolut hurricansicher. Das ist ein perfekter Hafen.

ZEIT: Sie haben Ihre Yacht seit 18 Jahren in Cartagena liegen. Welche Infrastruktur finden die Segler hier vor?

Miles: Die internationalen Skipper haben hier beste Möglichkeiten für Reparaturen und Wartungsarbeiten. Es gibt zum Beispiel hervorragende Tischler und Schweißer, und das zu Preisen, die in der Karibik kaum mehr zu finden sind. Und so wie die Küche Cartagenas ausgezeichnet ist, können Sich die Segler entsprechend gut mit Proviant versorgen. In einer der drei "Marinas" finden Sie immer Platz, oder sie ankern kostenlos in der Bucht.

ZEIT: Liest man die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes oder der US-Regierung, kommt wenig Lust auf, gerade einen kolumbianischen Hafen anzulaufen.

Miles: Ich weiß, die Zeitungen sind voll davon: Guerillakrieg, Drogenhandel, allgemeine Kriminalität und Entführungen. Diese Nachrichten zeigen eine traurige Realität in Kolumbien. Aber sie differenzieren meist nicht. Etwa auf den karibischen Inseln gibt es diese Konflikte praktisch nicht. Cartagena ist zwar keinesfalls frei von Gewalt, dafür ist die Armut in den Vorstädten zu groß. Aber gerade Segel-Cruiser haben die Erfahrung gemacht, dass Cartagena sicherer ist als die meisten Häfen in der ganzen Karibik. Wer ein paar Grundregeln beachtet, wird mit Raub und anderer Gewaltkriminalität so gut wie nicht in Berührung kommen. Und wo doch ein Taxi nur ein bis zwei Dollar kostet, gehen Sie möglichen Problemen leicht aus dem Weg.

ZEIT: Aber das Landesinnere Kolumbiens ist tabu?