Gugliemo kommt aus Bari. Er ist 26 Jahre alt und studiert Wirtschaft in Mailand. Seiner Meinung nach hat sich Staatssekretär Stefano Stefani mit seinen Aussagen seines "Amtes unwürdig" erklärt. Er sieht die Gefahr, dass Italien sich immer mehr ins europäische Abseits katapultiere. In der günstigen "camera doppia", dem Doppelzimmer, innerhalb seiner Wohngemeinschaft quartierten sich regelmäßig auch Austauschstudenten aus Deutschland ein. Bisher habe er sich noch nie durch einen der "Barbaren" bedroht gefühlt, auch wenn ihre Sprache, äußert er grinsend, in seinen Ohren nach "Gewehrschüssen" klinge. Mehr Sorgen machen ihm da seine eigenen Landsmänner im Norden. Er als Süditaliener begegnet unter ihnen allzu häufig dem Vorurteil er sei faul, wolle nicht arbeiten, und das koste den Norden Geld.

Die 25jährige Stefania macht in Bologna ihr Examen in Germanistik und verbrachte im Rahmen des Studiums zwei Semester in Berlin. "Das war wundervoll, mir gefällt die Mentalität vieler Deutschen, diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor." Sie hofft, dass jetzt nicht alle Italiener aufgrund der "dummen Äußerungen" über einen Kamm geschert werden. Schröder sollte sich nicht "beleidigt fühlen" und von weiterem Urlaub in Italien abschrecken lassen.

Zwei Meinungen, die, auch wenn sie nicht repräsentativ sind, zeigen, dass die Aufregung nicht der Rede wert zu sein scheint. Viele Italiener mögen uns doch. Davon konnte ich, als "blonder Rüpel", mich während meines Auslandssemesters direkt vor Ort überzeugen. Auch der "gebräunte Gigolo" entpuppte sich mitunter als stinknormaler netter Mensch. Wie langweilig.