Ich liebe diese Stadt. Ohne Wenn und Aber. Zehn Mal war ich bereits in Rom, würde jederzeit wieder hinreisen. Dieses einzigartige Gefühl, im Stazione Termini ( Bahnhof, Red.) auszusteigen und einem schlägt die Hitze entgegen. Damit meine ich nicht nur die Temperaturen, es kann nämlich auch ziemlich kalt sein, nein, diese Hitze Italiens ist so besonders. Menschen aus allen Regionen des Landes prallen hier aufeinander, diskutieren, gestikulieren, lassen all ihren Gefühlen freien Lauf. So etwas erlebt man in Hamburg, Paris oder Wien eher selten . Mein erster Weg führt immer in eine kleine Bar, gleich in einer der zweiten Querstraßen an der Ecke. Der Espresso, sagenhaft. Ich habe noch nie solche Espressi getrunken wie in Rom. Ein Römer erklärte mir mal, das liege am Wasser, der Geschmack. Ich hoffe nicht, denn die Trinkwasserqualität der Stadt lässt eigentlich zu wünschen übrig. Auf jeden Fall kann man mehrere Tässchen davon trinken, ohne Sodbrennen oder Herzrasen zu bekommen. Danach ist man bereit, um dem ewigen Lärm auf den Straßen zu begegnen, das Hupen zu überhören und den Autos gerade noch auszuweichen.Der Verkehr. Wer hier nicht aufpasst, wird gnadenlos überfahren. Zum glück war ich noch nie Zeugin eines solchen Ereignisses. Aber dafür stand ich in einer Fußgängergruppe mal fünfzehn Minuten am Straßenrand, weil sich keine Chance zeigte, die bis zu sechs- (!) spurige Autoschlangen zu durchqueren. Und nicht, dass die Straßen in Rom breiter wären, man fährt einfach so, jede Lücke wird schamlos ausgenützt. Dass die gesamte Innenstadt täglich für den Privatverkehr über mehrere Stunden gesperrt wird, hat keine Auswirkung. Rom ohne Autos wäre nicht mehr Rom.Die Römer leben intensiv mit und in ihrer Geschichte. Die Stadt ist einfach ein absolutes, einziges wie kreatives Chaos - antike Säulen, barocke Skulpturen, düstere Hinterhöfe, klassizistische Palazzi und dazwischen immer wieder geschlossene Museen. Mit jedem noch so kleinen Spaziergang wandelt der Besucher durch die vergangenen Epochen unserer Zeit, dabei die Abgase der gegenwärtigen Vespas tief inhalierend. Deren Zerstörungswut allerdings den einstigen Barbarenhorden weit überlegen scheint. Mosaike leiden, Fresken verblassen, Reliefe bröckeln - das Geschäft der Restauratoren blüht.Rom ist die ewige Baustelle. Auch viel Neues entsteht und eines kann man den Stadtplanern hoch anrechnen: Keine Hochhäuser verunstalten das Zentrum. Dafür reihen sich Hausfassaden von Renaissance bis ins letzte Jahrhundert aneinander. In den Häusern leben Menschen, Büros sind selten. Man kann stundenlang durch die Gassen und kleineren Straßen streifen und wird Zeuge des puren italienischen Lebens. Besonders schön ist die Gegend um die Spanische Treppe oder auch im verwinkelten Viertel um den Campo de´Fiori. Man muss sich nur die Zeit nehmen und die Häuser betrachten: jedes ist auf seine Art verziert, keine eintönigen Betonfronten, sondern Stuck, Skulpturen, dazwischen kleine Plätze, Brunnen und nicht zu vergessen Kirchen, die nahtlos eingereiht sind.Bei diesen Streifzügen durch die Stadt ist es natürlich selbstverständlich, die ein oder andere Lokalität aufzusuchen. Die Zahl der Restaurants kennt niemand, Sterne gibt es viele, doch wer die wahre einheimische Küche kennen lernen möchte, für den gilt folgende Faustregel: Je unscheinbarer sich das Lokal präsentiert, vielleicht eine etwas verblichene Markise über den leicht ramponierten Stühlen, desto wahrscheinlicher kochte die Mama noch selbst. Und dann bloß keine Scheu vor dem "Menu Touristica". Weil die Römer eben sehr stolz auf die Vielfalt ihrer Speisen sind, und sehr gastfreundlich dazu, bietet das Menu dem Besucher ein Fest für den Gaumen, nicht nur für die Augen. Pasta - basta, das Leben soll einfach sein und schön und nicht zu teuer. Die kleinen Trattorien existieren noch. Eine solche ist die Gemma alla Lupa, Via Marghera 39. Eine urige Kneipe, welche vom Charme der Wirtin und ihrer köstlichen Küche lebt. Natürlich darf man bei all dem die berühmten Sehenswürdigkeiten nicht vergessen. Auch wenn man sich im Kolosseum, Forum Romanum, Pantheon, Spanische Treppe, Petersdom gegenseitig auf die Füße tritt, hier prallt so viel Geschichte auf den Besucher, man ist einfach beeindruckt. Und Katholik hin oder her, ein Besuch im Vatikanischen Museum darf man einfach nicht versäumen. Für mich ist Rom trotz alledem kein Museum, es ist eher ein gigantisches Labyrinth, in dem man sich tagelang verirren kann. Man entdeckt immer wieder Neues und kehrt immer wieder zurück.