Die finnische Metalband Lordi, die beim Eurovision Song Contest 2006 zum Sieger gekürt wurde© Finnish Tourist Board Die Finnen sind stolz auf ihr Klassikgenie Jean Sibelius, sie tanzen nächtelang ihre melancholische Version des Tango und hüpfen zur Humppa-Musik im Schnee. Ein überaus musikalisches Volk, diese Finnen! Im Gegensatz zu Schweden und Norwegen gab es in Finnland zwar niemals einen eigenen Königshof, dessen Glanz und Gloria durch musikalischen Pomp unterstützt und finanziert wurde. Die Finnen haben sich ihre musikalische Kultur jedoch eigenständig und ehrgeizig erarbeitet. Heute gibt es zahlreiche Musikschulen, Musikkindergärten und Konservatorien in Finnland und somit perfekte Voraussetzungen für eine ausgezeichnete Musikausbildung und umfassende Musikszene.

Die Anfänge der finnischen Musikkultur
Im Jahr 1835 erschien das Nationalepos Kalevala von Elias Lönnrot und löste in Künstlerkreisen einen wahren Begeisterungstaumel aus. Damit waren die Voraussetzungen für die Herausbildung eines finnischen Nationalgefühls geschaffen. Die nationale Lichtgestalt Jean Sibelius (1865-1957) sorgte mit erfolgreichen Sinfonien und seinem Violinenkonzert dafür, dass die Kreativität und das kulturelle Streben der Finnen aufblühten. Ehe das Radio verbreitet war, hörten nur die finnischen Gebildeten in den Großstädten die Musik von Sibelius, während man auf dem Dorf die Konzerte des vielseitigen Pianisten, Organisten und Musikkritikers Oskar Merikanto besuchte. Doch diese Zweiteilung sollte sich bald ändern. Die herausragende Eigenart von Sibelius war sein absoluter Verzicht auf Elemente von Volksmusik oder Volkstanz. Stattdessen verwendete er in seinen Kompositionen lieber die Naturelemente Wasser, Wind und Feuer.

Die finnische Oper
Die erste finnische Oper wurde vom deutschstämmigen Dirigenten Fredrik Pacius im Jahr 1852 komponiert. Sein Libretto von Zacharias Topelius heißt im Original Kaarle-kuninkaan metsästys (übersetzt König Karls Jagd ), und die Handlung spielt auf den schwedischsprachigen Åland-Inseln. Seit einigen Jahren entwickelt sich die finnische Oper zu den erfolgreichsten und beliebtesten der Welt. Auch Aulis Sallinen muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden, ein im Jahr 1935 im heutigen Russland geborener Komponist. Sallinen studierte an der Sibelius-Akademie und komponierte bisher acht Sinfonien sowie je ein Solokonzert für Violine, Cello, Flöte und Horn. Eine renommierte Opernsängerin im Bereich Sopran ist die Finnin Karita Mattila, die im Jahr 1998 einen Grammy erhielt. Mittlerweile avanciert die Welt der finnischen Oper zu einer der herausragendsten in Europa. Während man Mitte der achtziger Jahre die Oper als überholt bezeichnete, entwickelte sich innerhalb der vergangenen dreißig Jahre in Finnland eine beliebte Opernkultur mit Singspielen, Laienopern und Musicals. Zahlreiche finnische Opernstars treten auf internationalen Bühnen auf, darunter der Sopran Soile Isokoski und der Tenor Jorma Silvasti. Bemerkenswerte Tatsache: Allein im Jahr 2000 gab es 14 Uraufführungen.

© Finnish Tourist BoardDas ganze Jahr ist Jazzfestival
Der Jazz kam 1926 an Bord der MS Andania nach Finnland. Einige amerikanisch-finnische Musiker brachten den modernen Sound in die Heimat und schon Mitte der sechziger Jahre war die erste Generation aktiver Jazzmusiker unterwegs. Im Jahr 1972 wurde in Helsinki das Pop- und Jazzkonservatorium gegründet, das maßgeblich für die professionelle Ausbildung von Musikern und Lehrern wurde. In der Sibelius-Akademie wurde zudem 1983 der Fachbereich Jazz eingerichtet. Berühmte finnische Jazzkünstler sind beispielsweise das virtuose Trio Töykeät oder die Klavier-Komponisten Jarmo Savolainen und Samuli Mikkola. Jedes Jahr werden in Finnland über zwanzig Jazzfestivals veranstaltet, die bekannteste darunter das Pori Jazz Festival. Nationalheld und musikalisches Genie ist Mauri Antero Numminen. Der 64-Jährige liebt finnischen Tango und dazu Rock und abstrakte Musik. In dem „Helge Schneider Finnlands“ stecken neben einem einzigartigen Entertainertalent auch die Gabe zum Komponieren, die Liebe zum Jazz sowie ein erfolgreicher Buchautor und Filmemacher. Er gründete mit seinen Freunden ein Plattenlabel, wurde Berufsmusiker und provoziert äußerst gern das konservative Publikum in seinen Fernsehauftritten. Mit dem „Neorustikalen Jazzorchester“ tritt er seit dreißig Jahren auf. Die Motivation für Numminen, sich seiner Musikleidenschaft hinzugeben, erklärte er in einem Interview folgendermaßen: „Finnische Männer sind ganz scheu, besonders als junge Männer, und sie haben nicht die Kraft, sachlich zu einer Frau zu sagen: Ich liebe dich.“

Finnland rockt und tanzt Humppa
Die Finnen sind womöglich etwas ruhiger als andere Europäer, aber gewiss nicht, wenn es ums Tanzen geht. Vor allem Humppa, eine Form des Foxtrotts, wird von vielen geliebt. Diese amüsante und ansteckende Musik entwickelte sich bereits in den dreißiger Jahren. Zuerst gab es viele Anhänger in den älteren finnischen Generationen und sie war jahrelang als Musik für Großeltern verschrien. Doch 40 Jahre später blühte die Humppa-Musik auf und zieht seitdem zahlreiche junge Fans an. Diese Beliebtheit wurde gefördert durch populäre Bands wie Eläkeläiset, zu deutsch „Die Rentner“. Mit ihren Coverversionen von Michael Jackson, George Michael, Roxette oder Pink Floyd gelang ihnen ein unverkennbarer und schneller Stil, den sie mit singenden Sägen oder Blechdosengeklapper garnieren. So lässt sich als Markenzeichen der finnischen Rockmusik nicht nur der schräge und experimentelle Sinn für Humor hervorheben. Auch die afroamerikanischen und traditionellen Melodien prägen die finnische Musik und fesseln die Zuhörer. Innerhalb der vergangenen Jahre ging es der Musikszene in Finnland so gut wie nie zuvor, und die Beliebtheit und Nachfrage finnischer Musiker aus der Rock-, Pop-, Elektro- oder Hiphop-Szene steigt stetig an. Populäre und kreative Bands wie HIM, Nightwish, The Rasmus oder die Boomfunk MC’s erlangten internationale Erfolge und sorgten dafür, dass in Finnland inzwischen eine ernstzunehmende, preisgekrönte Musikindustrie beheimatet ist.