Hohenstein-Ernstthal (SID) - Stefan Bradl blickt seinem Aufstieg in die Königsklasse MotoGP schon jetzt voller Vorfreude entgegen. Vor allem die bevorstehenden Duelle mit dem italienischen Motorrad-Superstar Valentino Rossi kann der 21-Jährige kaum noch erwarten. "Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mal gegen Valentino fahre. Das war immer mein Traum, als ich noch ein kleiner Stopferl war", sagte Bradl der FAZ. Dass der Kalex-Pilot im kommenden Jahr mit den ganz Großen auf die Strecke geht, ist beschlossene Sache.

Bradl, in diesem Jahr als WM-Spitzenreiter Favorit auf den Titelgewinn in der Moto2, ist die große Hoffnung der deutschen Fans beim Heimrennen am Sonntag (12.15 Uhr/Sport1) auf dem Sachsenring, um jeden Preis will der Zahlinger vor seinem Publikum aber nicht auf Sieg fahren. "Wenn ein anderer besser ist, gehe ich nicht mit dem Kopf durch die Wand. Man muss den Kopf einschalten."

Trotz aller Vorsicht visiert Bradl, der das Klassement mit großem Vorsprung anführt, natürlich auch auf dem Kurs nahe Hohenstein-Ernstthal den obersten Platz auf dem Treppchen an. "Ich will immer angreifen, ich will immer gewinnen", erklärt der Zahlinger. Rechenspiele mit Blick auf die Punktwertung seien nach dem Rennstart kein Thema mehr. "Ich denke auf der Strecke nicht über die WM nach."

Der Verlauf der aktuellen Saison mit vier Siegen und insgesamt sechs Podiumsplatzierungen in acht Rennen habe ihn weiter reifen lassen, sagt Bradl. "Ich habe mich in den letzten Monaten persönlich weiter entwickelt und bin noch einmal gewachsen. Vom Kopf her bin richtig stark geworden, mittlerweile bringt mich nichts mehr so schnell aus der Ruhe."

Auch ungewollte Einflüsse von außen verfehlen bei Bradl inzwischen ihre Wirkung. "Ich lasse mir von irgendwelchen Besserwissern nichts einreden, da kommen ja inzwischen tausend Leute auf einen zu und geben irgendwelche Ratschläge. Das geht an mir vorbei. In dieser Hinsicht bin ich totaler Egoist geworden", gibt der Schwabe zu.

Dass der Motorradsport nicht nur in Sachen Popularität weit hinter der Formel 1 herhinkt, findet die derzeitige deutsche Nummer eins weiterhin schade. "Die Formel 1 ist noch mal eine andere Kategorie in finanzieller Hinsicht. Dahinter kommt lange nichts, und dann kommen wir. Ich kann auch von meinem Sport leben, trotzdem schaue ich natürlich manchmal mit einem weinenden Auge in die Formel 1."