Bochum (SID) - Im Prozess um den größten Wettskandal im europäischen Fußball hat die Verteidigung das erste Scharmützel gewonnen: Die Verhandlung vor dem Bochumer Landgericht gegen vier mutmaßliche Wettbetrüger wird für knapp zwei Wochen unterbrochen. Damit gerät der gesamte Zeitplan des bis Ende Oktober terminierten Prozesses in Gefahr, die Untersuchungshaft der vier Angeklagten könnte bei einem weiteren schleppenden Verlauf aufgehoben werden.

"Wir können jetzt in der Sache nicht weitermachen", erklärte der Vorsitzende Richter Carsten Schwadrat am Donnerstag und strich den für Freitag vorgesehenen dritten Verhandlungstag. Erst am 27. Oktober wird der Prozess fortgeführt. Die Verteidiger der Angeklagten Stevan R. und Kristian S. hatten mit einem zweiten Befangenheitsantrag die Verhandlung vorerst gestoppt.

Verteidiger unterstellen Gerichtssprecher Talarowski Befangenheit

Ihrer Ansicht nach ist Gerichtssprecher Volker Talarowski, der über den ersten Befangenheitsantrag gegen die verhandelnde 13. Strafkammer mitentschieden hat, selbst befangen. "Er hat sich in seiner Funktion als Pressesprecher des Gerichts in zahlreichen Interviews zum Verfahren geäußert", erklärte Udo-Klaus Duits, Verteidiger von Kristian S., und verlangte Einsicht in alle Ton-, Bild- und Schriftaufzeichnungen der Äußerungen Talarowskis.

Talarowski, der vor dem Auftakt am 6. Oktober und während des ersten Verhandlungstages Interviews in diversen Medien gegeben hatte, war in die Vertretungskammer nachgerückt. Zwei Richterinnen, die usprünglich über die Befangenheit des Gerichts entscheiden sollten, waren wegen eines Reitunfalls und Krankheit ausgefallen.

Schon zum Prozessauftakt hatten die Verteidiger die Einstellung des Verfahrens wegen Nichtzuständigkeit des Gerichts gefordert, dieser Antrag war zurückgewiesen worden. Daraufhin lehnten sie die Richter wegen Befangenheit ab. Erst wenn darüber entschieden ist, kann weiter verhandelt werden.

Nürettin G. und Tuna A. wollen Geständnisse ablegen