Köln (SID) - Der Ruf nach technischen Hilfsmitteln zur Unterstützung der Schiedsrichter wird bei der WM in Südafrika immer lauter. Im ZDF-Morgenmagazin meinte DFB-Schiedsrichter Lutz Wagner (47), einer der erfahrensten deutschen Schiedsrichter überhaupt, der nach 16 "Berufs-Jahren" in der Bundesliga mit Ende dieser Saison aufgehört hat: "Die beste Lösung ist der Chip im Ball. Die Torkamera gibt auch keine hundertprozentige Garantie, und ein Torrichter ist eben menschlich."

Zur "menschlichen" Seite der aktuellen Schieflage bei dieser WM erläuterte Wagner: "Vor der WM werden die Schiedsrichter zwar einheitlich geschult, aber die Anforderungen in den jeweiligen Landesverbänden sind äußerst unterschiedlich."

Die Proporz-Frage in der FIFA kritisiert auch ZDF-Schiedsrichter-Experte Urs Meier (Schweiz): "Schiedsrichter aus Afrika und Asien haben in ihrer Heimat gar nicht die Möglichkeit, vier Jahre auf einem Niveau zu arbeiten, das dann eine WM fordert. Bei dieser WM sind Schiedsrichter aus Usbekistan, den Seychellen oder el Salvador beteiligt.

Fußball nicht auseinanderpflücken

Aus Ländern, in denen erstklassiger Fußball gespielt wird, sollten meiner Meinung nach durchaus zwei Schiedsrichtergespanne eingesetzt werden. Aktuell darf die UEFA zehn Schiedsrichter bestimmen, aber jeweils nur ein Schiedsrichter aus einem Land. Top-Leute aus Europa sind also gar nicht dabei."

Von technischen Hilfsmitteln ist Urs Meier "nicht hundertprozentig überzeugt". Meier: "Man sollte den Fußball nicht auseinander pflücken. Wenn der Ball 40 cm hinter der Linie im Tor aufschlägt, brauche ich eigentlich keinen Video-Beweis!"

Was empfinden Schiedsrichter, wenn ihnen eine eklatante Fehlentscheidung bewusst wird? - DFB-Schiedsrichter Lutz Wagner: "Sie leiden schrecklich. Nach so einem Vorfall ist die ganze WM im Eimer..."