Pretoria (SID) - Rawschan Irmatow stand schüchtern vor einer Heerschar Journalisten und bemühte sich vergeblich um einen selbstbewussten Auftritt. Der 32 Jahre alte Schiedsrichter aus Usbekistan fühlte sich beim Medientag der WM-Referees vor den Toren Pretorias sichtbar unwohl im Licht der Weltöffentlichkeit, in das ihn der Weltverband FIFA völlig überraschend gehievt hatte.

Irmatow, der zweitjüngste unter den 29 WM-Referees und nicht nur wegen seines Alters einer der unerfahrensten, wird am kommenden Freitag das Eröffnungsspiel der Endrunde in Südafrika zwischen dem Gastgeber und Mexiko (16.00 Uhr/live bei ARD und Sky) leiten. Die FIFA geht damit vier Jahre nach der - gemessen an den Schiedsrichter-Leistungen - verkorksten WM in Deutschland gleich wieder ein Wagnis ein.

Die Ehre kam selbst für Irmatow überraschend. "Jeder Schiedsrichter würde gerne bei einer WM das Eröffnungsspiel oder das Finale leiten. Dass ich nun dazugehöre, habe ich nicht erwartet. Aber ich nehme die Herausforderung mit großer Freude an", sagte Asiens Schiedsrichter des Jahres.

Keine Angst vor großen Namen

International ist der Mann aus Taschkent bislang kaum in Erscheinung getreten. Seinen größten Auftritt hatte er im Dezember 2008, als er vor 69.000 Zuschauern in Yokohama das Finale der Klub-WM zwischen Manchester United und LD Quito aus Ecuador (1:0) leiten durfte. Irmatow griff beherzt durch und zeigte keine Angst vor großen Namen. Uniteds Starverteidiger Nemanja Vidic zeigte er schon in der ersten Halbzeit wegen groben Foulspiels "Rot".

Bekanntheit erlangte Irmatow dadurch auch in Fachkreisen nicht. "Ich kenne diesen Schiedsrichter nicht", sagt Herbert Fandel. Der ehemalige FIFA-Referee und Schiedsrichterausschuss-Vorsitzende des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gab sich aber Mühe, Bedenken gegen Irmatow zu zerstreuen: "Die FIFA hat die WM-Schiedsrichter in den vergangenen zwei Jahren sehr gewissenhaft ausgewählt und sehr genau beobachtet. Man sollte dieser Auswahl vertrauen."

Dass auch vermeintliche Exoten bei der WM zum Einsatz kommen, hat Tradition. Auch in höchsten Kreisen wird diese Praxis hingenommen. "Die FIFA besteht nun einmal aus sieben Konföderationen. Diese haben alle ihre Ansprüche und das Interesse, ihre besten Schiedsrichter zur WM zu senden", sagt der ehemalige Weltklasse-Referee Hellmut Krug.