Johannesburg (SID) - Johannesburg (SID) Die Kapitäns-Frage spaltet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft: Während WM-Spielführer Philipp Lahm seinen Machtanspruch kurz vor der Abreise aus Südafrika noch einmal untermauerte, wies ihn sein Teamkollege Bastian Schweinsteiger in die Schranken und sprach sich eindeutig für Michael Ballack aus. "Er ist Kapitän dieser Mannschaft, und wenn er zurückkommt, wird er auch wieder die Binde tragen", sagte Schweinsteiger im Interview mit der Welt am Sonntag.

Lahm hatte vor dem Halbfinale gegen Spanien am vergangenen Mittwoch seinen Anspruch auf die Binde auch nach der WM in Südafrika angemeldet. Spieler wie der Neu-Wolfsburger Arne Friedrich stützten Lahm intern in seinem Vorhaben. Sogar Bundestrainer Joachim Löw, der sonst immer sehr auf die Einhaltung des sogenannten Ehrenkodex der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bedacht ist, hatte auf einen Rüffel für Lahm verzichtet.

"Man kann nicht von einem Machtkampf reden"

"Ich werde nach dem Turnier nicht zum Bundestrainer gehen und ihm die Binde zurückgeben", sagte Lahm, der nach den Diskussionen der vergangenen Tage recht trotzig wirkte: "Man kann nicht von einem Machtkampf reden. Die Macht liegt nur beim Bundestrainer, nicht bei mir und nicht bei Michael."

Doch nun will offenbar Schweinsteiger für klare Verhältnisse sorgen. "Zwei Kapitäne, das wäre einer zu viel auf dem Platz. Für mich ist Ballack der Kapitän dieser Mannschaft. Philipp hat nur wegen Michaels Verletzung das Amt übernommen und seine Sache gut gemacht", sagte Schweinsteiger, der den derzeit noch verletzten Ballack über den grünen Klee lobte: Der ehemalige England-Legionär sei ein sehr erfahrener Spieler, "der große Qualitäten besitzt", so Schweinsteiger.

Davon ist Lahm offenbar längst nicht mehr überzeugt. In einigen Interviews stichelte der Außenverteidiger von Bayern München zuletzt gegen Ballack, stellte im Hinblick auf die EURO 2012 in Polen und der Ukraine die Zukunft des 33 Jahre alten Mittelfeldspielers in der DFB-Auswahl öffentlich infrage. Ballack scheint das alles nicht zu interessieren. Frühestens Mitte der kommenden Woche wird sich er sich zur K-Frage in der Nationalelf äußern.

Lahm setzt Löw unter Druck