Tokio (SID) - WM-Frust und WM-Lust lagen im deutschen Judo-Lager im wahrsten Sinne des Wortes ganz nah beieinander: Nur einen Tag nach der glanzvollen Silbermedaille von Zimmergenosse Andreas Tölzer hat Olympiasieger Ole Bischof bei den Titelkämpfen in Tokio frühzeitig alle Weltmeisterträume begraben müssen. Bischof ließ sich in der zweiten Runde von seinem Angstgegner Guillaume Elmont aus den Niederlanden eiskalt auskontern. "Die Enttäuschung ist natürlich groß. Am Donnerstag habe ich mich noch riesig für Andreas gefreut. Ich wollte es ihm nachmachen, schließlich bin ich in Topform hier angetreten", sagte Bischof.

Nach nur 66 Sekunden Kampfzeit kam das jähe Ende für den 31-Jährigen: Bischof hatte angegriffen, Elmont mit einem Tani-otoshi gekontert, einem ebenso simplen wie wirkungsvollen Wurf, der die sofortige Entscheidung brachte. "So ist eben Judo. Da hätte ich nochmal fünf Wochen ins Trainingslager fahren können und hätte gegen diese Aktion doch keine Chance gehabt. Da hat alles gestimmt, ein Wahnsinns-Timing", sagte der Verlierer.

Im neunten Vergleich mit dem Weltmeister von 2005 kassierte Bischof damit die siebte Niederlage. "Elmont war der stärkste ungesetzte Gegner, den ich erwischen konnte. Er liegt mir einfach nicht", sagte er.

Dabei hatte der Arbeitstag des Reutlingers noch nach Maß begonnen. Den Moldauer Valeriu Duminica besiegte Bischof problemlos nach 2:20 Minuten und unterstrich damit seine Favoritenstellung. Als es dann um die Medaillen ging, saß Bischof schon tatenlos und betrübt auf der Tribüne, wo er den Triumph von Kim Jae-Bum erlebte - der Südkoreaner hatte vor zwei Jahren das Olympia-Finale von Peking gegen Bischof verloren. Der ging nach Kims Kampf erstmal joggen: "Irgendwie muss ich die ganze Energie ja loswerden, die ich für einen langen Wettkampftag angesammelt habe", sagte Bischof.

Bei Bundestrainer Detlef Ultsch sorgte das Aus des Hoffnungsträgers am Tag nach Tölzers Silberrausch für Katerstimmung: "Wir sind heute weit unter unseren Vorstellungen geblieben. Es war klar, dass der Kampf gegen den Ex-Weltmeister Elmont sehr schwer wird, Ole hat sehr unglücklich verloren."

Auch bei den Frauen ging der Deutsche Judo-Bund (DJB) am zweiten Wettkampftag leer aus. In der Klasse bis 70kg unterlag Kerstin Thiele (Leipzig) nach einem Freilos in Runde eins der Russin Margarita Gurtsijewa bereits nach 28 Sekunden durch eine große Wertung (Ippon). Die zum Auftakt ebenfalls kampflose Iljana Marzok (Berlin) verlor in ihrem ersten Duell nach 2:01 Minuten gegen Mylene Chollet aus Frankreich.

Mit seinen Schützlingen wollte Frauen-Bundestrainer Michael Bazynski indes nicht allzu hart ins Gericht gehen: "Auch wenn es bislang keine Medaille gab, hat noch niemand enttäuscht. Wir wollen ein starkes Team für Olympia aufbauen, das steht im Vordergrund."