München (SID) - Er spielt seit 15 Jahren Eishockey, ihm wurden schon fünfmal die Vorderzähne ausgeschlagen, und eigentlich sollte er nicht mehr zu schocken sein. Trotzdem war für Martin Niefnecker der Start bei der Weltmeisterschaft im Red Bull Crashed Ice (RBCI) im vergangenen Januar das "Brutalste, was ich je erlebt habe". Seinem Spitznamen "Destroyer" machte der 20-Jährige aber alle Ehre: Mit einem Sieg bei der Deutschlandpremiere in München legte er die Basis für seinen späteren Titelgewinn - heute (18 Uhr) soll das wieder klappen.

"Ich bin Adrenalin-Junkie", sagt Niefnecker über sich selbst. Das muss er auch sein. Der knapp 400 Meter lange Kurs durch den Eiskanal, der inmitten des Münchner Olympiaparks auf einer 15 Meter hohen Rampe und vor allem mit 70 Prozent Gefälle beginnt, ist definitiv nichts für Eisprinzessinnen. "Ich brauch den Kick ab und zu, ich war schon immer so", sagt Niefnecker und lacht. Sich selbst sieht er als perfekten Fahrer: "Mir liegt der Sport, weil ich schon immer auf Schlittschuhen unterwegs bin und auch gut Skifahren kann. Ich bringe alle Anlagen mit."

"Nur mal ausprobieren"

Vor zwei Jahren zog es Niefnecker aus dem beschaulichen Garmisch-Partenkirchen am Fuße der Zugspitze in die aufregende Welt der Ice-Crasher: "Ich wollte es nur mal ausprobieren", sagt der stolze Bayer. Bei der diesjährigen Tour tritt das Showtalent in München, Valkenburg (NED), Moskau (RUS) und Quebec (CAN) an, wo Mitte März der Weltmeister gekürt wird. Besonders freut sich Niefnecker auf den Stop in Russlands Haupstadt, weil es "dort so hübsche Mädels gibt". Erstmal steht aber die Station in München an, wo am Samstag rund 25.000 Zuschauer erwartet werden.

Ice Cross Downhill ist eine Mischung aus Eishockey, Boardercross und Ski-Abfahrt und lebt von seiner Vielseitigkeit. Das hohe Starttempo muss auf den anspruchsvollen Tracks für Sprünge und Steilkurven kontrolliert werden. Trotzdem sind Zusammenstöße und auch Verletzungen im Duell Mann gegen Mann keine Seltenheit. Darüber will Niefnecker aber gar nicht nachdenken: "Wenn ich davor Angst hätte, würde ich nicht weit kommen in dem Sport."

Mutter konnte nicht zuschauen

Dass aber zumindest Freunde und Familie die Augen zukneifen müssen, wenn er sich im Kampf mit drei weiteren Waghalsigen in den Kurs stürzt, kann der extrovertierte 20-Jährige nachvollziehen. Seine Mutter konnte anfangs gar nicht zuschauen, "inzwischen geht es", sagt Niefnecker. Vom Eishockey sei sie eh schon einiges gewohnt: Seit seinem fünften Lebensjahr spielt der gelernte Anlagen-Mechaniker beim oberbayerischen EC Peiting. Momentan verteidigt er in der Oberliga - im Eiskanal steht er eher für bedingungslosen Angriff.