München (SID) - Der Kapitän ist geflüchtet, der Trainer steht immer einsamer im eisigen Wind: Vor dem heutigen Viertelfinale im DFB-Pokal bei Zweitligist Alemannia Aachen (20.30 Uhr/ARD und Sky) herrscht bei Bayern München wieder einmal große Unruhe. Nachdem sich Mark van Bommel im Streit mit Trainer Louis van Gaal zum AC Mailand verabschiedet hat, heißt es für den bei den Bossen in die Kritik geratenen Coach mehr denn je: Tod oder Gladiolen. Zumindest bei Superstar Arjen Robben gab es am Dienstagnachmittag Entwarnung. Am Montag musste der niederländische Vize-Weltmeister wegen einer Erkältung mit dem Training pausieren, am Dienstag trainierte der 27-Jährige aber wieder mit.

Das Fragezeichen hinter dem Einsatz des Ausnahmefußballers am Tivoli war im Vorfeld der Begegnung jedoch nur eine Randnotiz. Während die Alemannia mit "Waterloo" (Manager Erik Meijer) oder "Speedmetal-Hardrock-Gitarrenriff-Fußball" (Trainer Peter Hyballa) drohte, sorgte van Bommels Wechsel und der anhaltende Zwist van Gaals mit seinen Vorgesetzten für reichlich Wirbel beim FC Bayern.

Nach den jüngsten Angriffen von Sportdirektor Christian Nerlinger und den Sticheleien von Präsident Uli Hoeneß war van Gaal sichtlich bemüht, die Wogen zu glätten. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Christian das so gesagt hat, sondern in einem anderen Kontext", sagte er über Nerlinger. Der hatte es als "lächerlich" bezeichnet, dass van Gaal sich über seine Aussage zum Zustand von Franck Ribery echauffierte. "Wir werden von den Medien auseinandergespielt", behauptete van Gaal.

Van Gaal: "Nerlinger und Hoeneß sind meine Chefs"

Mit ihren Äußerungen trugen die Protagonisten jedoch selbst dazu bei, dass es bei den Bayern mal wieder rumort. "Man muss abwarten, ob die Zusammenarbeit angekratzt ist, aber ich denke, dass sie weiter gut ist", sagte van Gaal, der immerhin betonte: "Nerlinger und Hoeneß sind meine Chefs."

Und die Chefs entsprachen am Dienstag dem Wunsch van Bommels, dessen am 30. Juni endenden Vertrag mit sofortiger Wirkung aufzulösen, um ihm einen Wechsel nach Italien zu ermöglichen. "Milan wollte mich unbedingt, in meiner Situation war die Entscheidung nicht schwierig", sagte van Bommel. Spätestens seit dem Wintertransfer von Luiz Gustavo an die Isar war es für den früheren Platzhirsch in seinem angestammten Revier im defensiven Mittelfeld eng geworden. "Mit dem Verein", das betonte er, habe der Wechsel "nichts zu tun", zum Vorstand habe er ein sehr, sehr gutes Verhältnis". Zu van Gaal offenbar nicht mehr.

Für den Trainer ist das Pokal-Duell schon eine Art Endspiel. Nur mit Siegen in Liga, Cup und Champions League kann er seine Position festigen. "Wir müssen das Finale erreichen", sagte auch Robben. Und Stürmer Mario Gomez betonte: "Wenn wir ausscheiden sollten, wäre das eine große Blamage. Das dürfen wir nicht." Die "Querelen" seien "in der Mannschaft zu 0,0 Prozent ein Thema", ergänzte der Nationalspieler: "Das gehört dazu und ist in dem Verein normal."