Sport News ARD/ZDF: Künftig nicht mehr live von der Tour
KÖLN (SID) - ARD und ZDF steigen bei der Tour de France vom Rad: Die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender werden nach nicht enden wollenden Doping-Diskussionen im Radsport von 2012 an auf eine Live-Berichterstattung von der Frankreich-Rundfahrt verzichten. Beide Sender verständigten sich darauf, sich an einer neuen Vereinbarung der Europäischen Rundfunk-Union EBU mit dem Rechteinhaber ASO über eine Live-Ausstrahlung nicht zu beteiligen. Dies wurde am Mittwoch offiziell mitgeteilt.
ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky begründete dem SID die Entscheidung so: "Der Radsport hat nicht mehr den sportlichen Stellenwert wie noch vor einigen Jahren. Das Zuschauerinteresse ist stark zurückgegangen." Darüber hinaus unterliege man umfangreichen Einschränkungen in den Sport-Etats. Zudem drohten durch das Sponsoringverbot nach 20.00 Uhr und an Feiertagen, das ab 2013 anstehe, Mindereinnahmen, mit denen man bereits jetzt schon kalkulieren müsse.
Balkausky weiter: "Vor diesem Hintergrund und nach Abwägung aller inhaltlichen und wirtschaftlichen Kriterien haben wir uns schließlich entschieden, einer neuen Lizenzvereinbarung zwischen EBU und ASO nicht beizutreten." Der Vorgang der neuen Bewertung der entsprechenden TV-Rechte sei im Hause ein "ganz normaler Vorgang".
In der offiziellen Mitteilung hieß es, ARD und ZDF würden aber weiterhin nachrichtlich in ihren Sport-Regelsendungen über die Tour de France berichten. In diesem Jahr sitzen die Radfans bei ARD und ZDF noch in der ersten Reihe, aufgrund der noch laufenden Lizenzvereinbarung berichten beide Sender noch live. Die 98. Ausgabe der Frankreich-Rundfahrt beginnt am 2. Juli auf der Ile de Noirmoutier und führt über 21 Etappen bis zum 24. Juli ins Ziel auf den Champs Elysees in Paris.
Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) äußerte sein Bedauern. "Die Entscheidung hängt wohl auch damit zusammen, dass Telenovelas preiswerter zu produzieren sind als eine aufwendige Live-Berichterstattung", erklärte BDR-Präsident Rudolf Scharping die Entscheidung: "Wir gehen aber davon aus, dass die öffentlich-rechtlichen Sender weiterhin ausführlich und auch live über den deutschen Radsport berichten werden." Scharping betonte, der BDR sei "der erste Olympische Spitzensportverband, der das Ergebnismanagement aller wichtigen Dopingangelegenheiten an die Nationale Anti-Dopingagentur NADA übertragen hat und damit vorbildlich seine Anstrengungen im Kampf gegen Doping fortsetzt".
Im täglichen Wechsel werden beide Sender in einem Zeitfenster zwischen zirka 16.15 und 17.30/18.00 Uhr live und in Zusammenfassungen aus Frankreich übertragen. Die letzte Stunde bis zum jeweiligen Etappenziel steht auf jeden Fall live auf dem Programm.
Im Fokus der Berichterstattung steht auch Doping. Dieses weiter aktuelle Thema ist ARD und ZDF schon lange ein Dorn im Auge. Bereits im Oktober 2008 hatte die ARD mitgeteilt, der sportliche Wert habe sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle erheblich reduziert. Deshalb wolle man aus der Live-Berichterstattung aussteigen. Das ZDF konnte die alleinige Tour-Übertragung nicht stemmen und schloss sich dem Ersten an.
- Datum 02.02.2011 - 17:09 Uhr
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- Quelle Sport-Informations-Dienst
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