Sportgeschichte "Ich wollte die Nazis blamieren und Gold gewinnen"Seite 3/3
Lambert: Wir waren zusammen essen und haben uns sofort gemocht. Der Altersunterschied von 70 Jahren war nicht zu merken. Karoline sagte mir, dass sie anfangs nervös war, mich zu treffen. Ich habe ihr geantwortet, sie brauche nicht nervös sein, denn mit mir ist bisher jeder gut ausgekommen.
ZEIT ONLINE: Am Ende des Films erscheinen Sie persönlich und sagen ein paar Sätze. Was genau sagen Sie?
Lambert: (lacht) Ich bin da in meiner ganzen Pracht von 95 Jahren zu sehen. Ich sage kurz, dass mir der Film gefällt, bedanke mich dafür, dass er gedreht wurde, und dass ich hoffe, dass alle das Werk so mögen. Wie ich.
Wer heute immer noch nicht versteht oder glaubt, dass sechs Millionen Menschen grundlos von den Nazis umgebracht wurden, der tut mir nur leid.
ZEIT ONLINE: Sie sprechen Englisch, kein Deutsch. Warum?
Lambert: Ich glaube, dass heutzutage viele Deutsche Englisch verstehen. Und ich kann mich schlichtweg auf Deutsch nicht mehr so ausdrücken, ich habe vieles verlernt. Als ich 1937 in die USA kam, habe ich mir geschworen, nie wieder Deutsch zu sprechen. Mein Mann und ich hassten alles, was mit dieser Sprache und diesem Land zu tun hat. Alle Erinnerungen an Deutsch waren schrecklich und grauenvoll, mein Mann hat rund 30 Familienangehörige durch den Naziterror verloren. Irgendwann habe ich jedoch gemerkt, dass die jungen Menschen heute in Deutschland nichts für das können, was damals passiert ist.
ZEIT ONLINE: Welche Nachricht sollen die Besucher mitnehmen, wenn sie das Kino nach dem Film verlassen?
Lambert: Diejenigen, die meinen, dass das damals ja alles nicht so schlimm gewesen sei, sollten zweimal überlegen, bevor sie etwas sagen. Denn es war die schlimmste Zeit überhaupt. Wer heute immer noch nicht versteht oder glaubt, dass sechs Millionen Menschen grundlos von den Nazis umgebracht wurden, der tut mir nur noch leid.
Die Fragen stellte Heiko Oldörp.
- Datum 10.09.2009 - 14:49 Uhr
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