Thomas Hitzlsperger "Meine Wunschkoalition ist das nicht"

Der Kapitän des VfB Stuttgart über sich als Wahlverlierer, notwendige Änderungen in der SPD und seine Begegnung mit FDP-Wählern. Das Kolumnengespräch

Die Freude mancher Deutscher über das Wahlergebnis hält sich in Grenzen

Die Freude mancher Deutscher über das Wahlergebnis hält sich in Grenzen

ZEIT ONLINE: Herr Hitzlsperger, wo erreichen wir Sie?

Thomas Hitzlsperger: In Rumänien.

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ZEIT ONLINE: Schon geflüchtet nach Sonntag?


Hitzlsperger: Nein, nein, wir haben heute ein Champions-League-Spiel. Aber ich habe mir ein anderes Wahlergebnis erhofft.


ZEIT ONLINE: Thomas Hitzlsperger, ein SPD-Wähler?


Hitzlsperger: Nur soviel: Das ist nicht meine Wunschkoalition. Immerhin gehören die Rechtsradikalen auch zu den Verlierern.

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Alle Kolumnen von Andreas Beck, Philipp Lahm, Tobias Rau und Thomas Hitzlsperger auf unserer Serienseite

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ZEIT ONLINE: Wann und wo haben Sie gewählt?


Hitzlsperger: Ich bin am Nachmittag nach dem Training ins Wahllokal gegangen, Wahlkreis Stuttgart Nord, Cem Özdemir hat hier kandidiert und den Einzug in den Bundestag ja knapp verpasst. Die ersten Prognosen und Hochrechnungen habe ich zu Hause am Fernseher geschaut. Nach der Steinmeier-Rede habe ich abgeschaltet.

ZEIT ONLINE: Wie lautet Ihre fachliche Expertise?

Hitzlsperger: Die Sozialdemokraten konnten den erfolgreichen Wahlkampf von 2005 nicht wiederholen und die Grünen und Die Linke sind trotz der Zugewinne über den Wahlausgang enttäuscht. Eine Öffnung der SPD zur Linkspartei auf Bundesebene steht wohl bevor. Die FDP ist mit Sicherheit der große Gewinner der Wahl, Guido Westerwelle sei Dank.

ZEIT ONLINE: Schon mal einem FDP-Wähler begegnet?

Hitzlsperger: Ich kenne bestimmt einige, aber nur wenige sprechen über ihre Wahlentscheidung. Der ein oder andere Mitspieler hat sich allerdings als FDP-Wähler zu erkennen gegeben.


ZEIT ONLINE: Sie hätten doch auch FDP wählen müssen, Sie sparen nun schließlich Steuern.

Hitzlsperger: Wäre die Steuer meine einzige Sorge, dann wäre die FDP vermutlich die beste Option.

ZEIT ONLINE: Was sind denn Ihre Sorgen? Die Geringverdienenden?

Leser-Kommentare
  1. darf nicht weiter auseinander gehen"

    Was ist denn der persönliche Beitrag des Herrn Hitzlsberger dazu?

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    • uak
    • 29.09.2009 um 18:25 Uhr

    Ist doch schon ganz schön mutig, in seiner Position sich als Kritiker zu outen! Leider haben die meisten "Vorbilder" (als das sind die Topspieler anzusehen) dazu nicht genug Schneid.

    • uak
    • 29.09.2009 um 18:25 Uhr

    Ist doch schon ganz schön mutig, in seiner Position sich als Kritiker zu outen! Leider haben die meisten "Vorbilder" (als das sind die Topspieler anzusehen) dazu nicht genug Schneid.

  2. Redaktion

    Den Missstand zu benennen - das ist vielleicht schon mal ein Anfang.

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    • ezoo
    • 29.09.2009 um 18:40 Uhr

    Hitzlsperger ist einer der wenigen Sport- bzw. Systemprofiteure, die sich überhaupt politisch und kritisch äußern - dafür verdient er Respekt. Allerdings greift seine Aussage "die Schere zwischen Arm und Reich darf nicht weiter auseinander gehen" schlicht zu kurz. Es muss stattdessen heißen: die Schere muss wieder zusammen gehen! Ansonsten fliegt der Laden auseinander.

    • ezoo
    • 29.09.2009 um 18:40 Uhr

    Hitzlsperger ist einer der wenigen Sport- bzw. Systemprofiteure, die sich überhaupt politisch und kritisch äußern - dafür verdient er Respekt. Allerdings greift seine Aussage "die Schere zwischen Arm und Reich darf nicht weiter auseinander gehen" schlicht zu kurz. Es muss stattdessen heißen: die Schere muss wieder zusammen gehen! Ansonsten fliegt der Laden auseinander.

    • uak
    • 29.09.2009 um 18:25 Uhr

    Ist doch schon ganz schön mutig, in seiner Position sich als Kritiker zu outen! Leider haben die meisten "Vorbilder" (als das sind die Topspieler anzusehen) dazu nicht genug Schneid.

    • ezoo
    • 29.09.2009 um 18:40 Uhr

    Hitzlsperger ist einer der wenigen Sport- bzw. Systemprofiteure, die sich überhaupt politisch und kritisch äußern - dafür verdient er Respekt. Allerdings greift seine Aussage "die Schere zwischen Arm und Reich darf nicht weiter auseinander gehen" schlicht zu kurz. Es muss stattdessen heißen: die Schere muss wieder zusammen gehen! Ansonsten fliegt der Laden auseinander.

  3. Typisch, dass unser Beruf genommen wird, um Druck auf die Herren Jungmillionäre zu machen. Jede von uns macht ihren Job freiwillig, soviel ist klar. Mehr verdienen wäre nicht schlecht, aber dass wir nicht in der Luxuskarosse zum Schichtbeginn eilen und uns nicht auf den Seychellen erholen wissen wir schon, bevor wir den Beruf ergreifen. Bei Fußballspielern sehe ich den Fall ähnlich wie T.H.: 20% ist für die Leistung, 80% ist Schmerzensgeld:
    Eine Leben mit Maulkorb, Idol von kleinen Kindern und Stammtischbrüdern, Pfiffe und Flüche, Lobhudelei und Schulterklopfer, schmerzende Knochen, früh verschlissene Gelenke, abegrissene Muskeln, Trainer, die einen nicht mehr aufstellen, ätzende Sponsoren für die man sein Gesicht samt strahlendem Lächeln hinhalten darf, weil der Verein das so will, Egozentriker als Kollegen..
    Ein Traumjob sieht vielleicht doch noch anders aus.
    Dennoch: Wem viel gebeben ist, von dem wird viel gefordert.
    Und ich denke, hier machen viele Fußballer gute Sachen, ohne sie an die große Glocke zu hängen. Vorbildlich.

  4. Ein sehr interessantes Interview, wenn es auch vor der Wahl interessanter, wenn nicht gar sinniger gewesen wäre.
    Hitzlsperger als Vorbildsfunktion hätte vielleicht noch den ein oder anderen zur Wahl bewegen können, zumindest besser als ein Stefan Raab oder der Berliner Rapper Sido es getan haben.

    Man kann Hitzlsperger nur seinen Lob aussprechen, dass er nicht die Scheuklappen des Geldes trägt und sich trotz seiner finanziellen guten Ausgangslage um die Sorgen und Nöte der breiten Masse interessiert, diese kritisch betrachtet und auch seine persönliche Wahl davon beeinflussen lässt.

    Alles in allem: DANKE UND DAUMEN HOCH!!!

    • MKer
    • 30.09.2009 um 11:25 Uhr

    Komisch, dass das Lahm-Interview rechtzeitig vor der Wahl kam: Ich bin eher konservativ ...

  5. Redaktion
    8.

    Putzig, MKer, welche Vorstellung Sie von den Produktionsbedingungen unserer Nationalspieler-Kolumne haben.

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