Sportausschuss "Wir reden viel, aber handeln nicht"

Winfried Hermann gilt als Freigeist im Sportausschuss. Warum Deutschland ein Anti-Doping-Gesetz braucht – ein Interview mit dem sportpolitischen Sprecher der Grünen.

Möchte auch in der kommenden Legislaturperiode im Sportausschuss mitwirken: Winfried Hermann zusammen mit der Bundesvorsitzenden der Grünen, Claudia Roth, und dem DFB-Präsidenten Theo Zwanziger auf dem Bundesparteitag der Grünen in Nürnberg

Möchte auch in der kommenden Legislaturperiode im Sportausschuss mitwirken: Winfried Hermann zusammen mit der Bundesvorsitzenden der Grünen, Claudia Roth, und dem DFB-Präsidenten Theo Zwanziger auf dem Bundesparteitag der Grünen in Nürnberg

ZEIT ONLINE: Wie bewerten Sie die Arbeit des Sportausschusses in der abgelaufenen Legislaturperiode?

Winfried Hermann: Auf der einen Seite haben wir viel Öffentlichkeit für wichtige sportpolitische Fragen geschaffen, etwa über Doping und Gen-Doping oder über Sportfinanzierung. Auf der anderen Seite haben wir nicht konsequent genug agiert. Geredet haben wir viel, aber wenn es drauf ankam, hat die Mehrheit nicht gehandelt.

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ZEIT ONLINE: Welches Versäumnis werfen Sie sich und Ihren Kollegen vor?

Hermann: Es gibt in Deutschland noch kein Anti-Doping-Gesetz wie in anderen Ländern. Ich habe dafür gestritten, viele Experten zum Beispiel aus der Rechtswissenschaft und Kriminologie sind dafür. Doch CDU, FDP und Teile der SPD sind dagegen, daher ist das Vorhaben gescheitert. Das Arzneimittelgesetz ist zu schwach, es nimmt die Sportler nicht in die Verantwortung.

Winfried Hermann

Winfried Hermann, 57, ist seit 1998 Bundestagsmitglied für Bündnis 90/Die Grünen, seit 1998 sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Im Jahr 1986 gründete er den Verein für vielfältige Bewegungskultur (VfvB) Stuttgart, einen alternativen Sportverein.

ZEIT ONLINE: Was entgegnen Sie Kritikern, die auf die Autonomie des Sports pochen?

Hermann: Ich halte deren Argumente für schwach. Die sagen: Der Staat kann nicht besser Recht sprechen als der Sport. Das stimmt nicht. Und ich will das Sportrecht auch nicht ersetzen, sondern ergänzen. Auch in anderen Sparten gibt es zwei Gerichtsbarkeiten nebeneinander: Für Beamte etwa gelten das Disziplinarrecht, aber selbstverständlich auch Straf- und Zivilordnung.

ZEIT ONLINE: Was soll das Gesetz regeln?

Hermann: Wir brauchen einen Straftatbestand Sportbetrug. Wer dopt, verrät die Werte des Sports. Er verfälscht den Wettbewerb, täuscht Publikum und Sponsoren und betrügt seine Konkurrenten. Auch um Geld. Teilweise um viel Geld. 

Leser-Kommentare
  1. ist es nicht so, dass alle wirklich gefährlichen arzneien unter das Betäubungsmittelgesetz fallen? Wieso um alles in der Welt wird dann bei Sportlern 5x hingeschaut, ob sie nicht vielleicht ein Schmerzmittel genommen haben -oh Gott!-?
    Alles was ich übrigens von diesem "Dopingfall" aus Italien gehört habe, war auch nur, dass der Typ Cannabis geraucht hat!
    Damit könnte man doch ganz anders umgehen; Cannabis steht im Betäubungsmittelgesetz, schluss aus.
    Er wird ja wohl nicht versucht haben mit Cannabis seine Leistung zu steigern!:D

  2. nun ist das Hauptargument und das einleuchtendste, dass andere Sportler beeinflusst werden. Warum? Gibt es Arzneien, die so wirksam sind und dennoch nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen?
    Nun vllt fällt dem ein oder anderen noch eine ein, mir im Moment nicht. Aber ist dieses Mittelchen, das vllt der ein oder andere gefunden hat, wirksamer ist, als ein allseits gängiger Standart im Sport: dem Höhentrainig. Es ist von daher Doping, da es unnatürlich eine Leistungssteigerung herbeiführt, ist aber gängig und gesellschaftlich akzeptiert!
    Zum Punkt Ungerechtigkeit: Was ist mit den anderen Sportlern, die nicht in einem Verein sind, der sich solches Equipment leisten kann? Ist das nicht ungerecht?

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