Sportpolitik Schwarz-Gelb Doping-Kampf mit falschen Mitteln

Der Koalitionsvertrag belegt: Die deutsche Politik hat nicht begriffen, welche Gefahr den Sport bedroht und wie man diese bekämpfen kann. Ein Kommentar von Oliver Fritsch

Bloß niemandem wehtun: In der deutschen Sport- und Anti-Doping-Politik ändert sich erst einmal nichts

Bloß niemandem wehtun: In der deutschen Sport- und Anti-Doping-Politik ändert sich erst einmal nichts

Der Koalitionsvertrag von Schwarz-Gelb betrifft auch den Sport. Hoffnung vermittelt er keine, es ist ein "Weiter so!" Die Politik scheint noch nicht begriffen zu haben, in welch bedenkliche Situation der Sport gebracht worden ist.

Der Vertrag betont die "Autonomie" des Sports, ein Wort, hinter dem sich viel Unheil verbirgt. Denn es besagt, dass die Sportverbände alleine für Strafen und Ermittlung zuständig sind. Aber alleine schafft es der Sport nicht, sein größtes Übel zu bekämpfen: Doping. Vielleicht will er es auch nicht.

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Warum also nicht den Sport dazu zwingen, sich helfen zu lassen? Etwa mit einem Anti-Doping-Gesetz, wie es die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) und der sportpolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann, fordern. Die neue Regierung will jedoch darauf verzichten. Wie die alte übrigens auch, die es auf einer wirkungsarmen Änderung des Arzneimittelgesetzes beruhen ließ.

Als Vorsitzender des Sportausschusses ist Eberhard Gienger (CDU) im Gespräch. Der ehemalige Turnweltmeister wäre keine gute Besetzung, zumindest wenn er seinen Kurs aufrechterhalten würde. Bislang ist er nicht durch kluge Gedanken zur Anti-Doping-Politik aufgefallen. Stattdessen steht er als Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes im Verdacht, bloß keinem wehzutun.

Doch um den sauberen Sport und saubere Sportler zu schützen, muss durchgegriffen werden. Staatsanwälte müssen aktiv, das Delikt Sportbetrug eingeführt werden, wie es Beate Merk vorschlägt. Ohne Verankerung im Strafrecht ist es zurzeit schwer, einen Doping-Sünder oder einen Hintermann des Betrugs zu überführen. Weil sie nie alleine agieren, sind selten alle Kriterien für Betrug erfüllt oder nachzuweisen, etwa Täuschung und Bereicherung.

Seit 2005, als der bislang letzte Koalitionsvertrag geschlossen wurde, ist einiges in Sportdeutschland passiert: Jan Ullrich, ehemaliger deutscher Radheld, ist 2006 und in der Folgezeit enttarnt worden. Die Reiternation Deutschland muss inzwischen fast mehr Goldmedaillen zurückgeben als sie behalten darf. Gegen die erfolgreichste deutsche Winterolympionikin Claudia Pechstein führt das Internationale Sportgericht einen Prozess.

Welche Signale braucht die deutsche Politik noch, um aufzuwachen? Das Argument, die anderen tun es doch auch, darf nicht gelten. Deutschland sollte Vorreiter sein. Auch wenn es ein paar Goldmedaillen kosten sollte – das muss ein liberaler Rechtsstaat aushalten. Sport ist mehr als Gewinnen um jeden Preis.

 
Leser-Kommentare
  1. ... sollen wir Profisportler vor Doping schützen?
    Das der Breitensport und Kinder/Jugendliche davor geschützt werden müssen ist bestimmt nicht die Frage.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...weil Profisportler ein Idol für die im Breitensport engagierten Kinder und Jugendlichen sind. Und wenn daher Profisportler schmutzig arbeiten und nur mit Lüge, Täuschung und schmutzigen Tricks Wettkämpfe gewinnen und wir das zulassen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn früher oder später unser Kinder und Jugendlichen auch die gleichen schmutzigen und unfairen Machenschaften umsetzen.

    doping im Spitzensport und der Umgang damit einen grossen Einfluss auf den Breitensport hat.
    Stellen Sie sich vor, ihr Kind hat Spass an einem Sport, ist dazu noch begabt und daher erfolgreich und steht an der Schwelle zu einem Jugendleistungskader. Unterstützen Sie das Interesse Ihres Kindes am leistungssport weiterhin in diesem, offensichtlich doping tolerierenden, zumindest janusköpfigen Umfeld oder besser nicht?
    Dass diese existentielle Problematik die Verbände nicht begreifen, ist ein echter Skandal.
    Stattdessen verschiebt man, d.h. Verbände, Politik und Medien, bewusst den Sport zur Fernseh-Show und zum Zirkus-Spektakel.

    ...weil Profisportler ein Idol für die im Breitensport engagierten Kinder und Jugendlichen sind. Und wenn daher Profisportler schmutzig arbeiten und nur mit Lüge, Täuschung und schmutzigen Tricks Wettkämpfe gewinnen und wir das zulassen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn früher oder später unser Kinder und Jugendlichen auch die gleichen schmutzigen und unfairen Machenschaften umsetzen.

    doping im Spitzensport und der Umgang damit einen grossen Einfluss auf den Breitensport hat.
    Stellen Sie sich vor, ihr Kind hat Spass an einem Sport, ist dazu noch begabt und daher erfolgreich und steht an der Schwelle zu einem Jugendleistungskader. Unterstützen Sie das Interesse Ihres Kindes am leistungssport weiterhin in diesem, offensichtlich doping tolerierenden, zumindest janusköpfigen Umfeld oder besser nicht?
    Dass diese existentielle Problematik die Verbände nicht begreifen, ist ein echter Skandal.
    Stattdessen verschiebt man, d.h. Verbände, Politik und Medien, bewusst den Sport zur Fernseh-Show und zum Zirkus-Spektakel.

  2. ...weil Profisportler ein Idol für die im Breitensport engagierten Kinder und Jugendlichen sind. Und wenn daher Profisportler schmutzig arbeiten und nur mit Lüge, Täuschung und schmutzigen Tricks Wettkämpfe gewinnen und wir das zulassen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn früher oder später unser Kinder und Jugendlichen auch die gleichen schmutzigen und unfairen Machenschaften umsetzen.

    Antwort auf "Warum..."
  3. doping im Spitzensport und der Umgang damit einen grossen Einfluss auf den Breitensport hat.
    Stellen Sie sich vor, ihr Kind hat Spass an einem Sport, ist dazu noch begabt und daher erfolgreich und steht an der Schwelle zu einem Jugendleistungskader. Unterstützen Sie das Interesse Ihres Kindes am leistungssport weiterhin in diesem, offensichtlich doping tolerierenden, zumindest janusköpfigen Umfeld oder besser nicht?
    Dass diese existentielle Problematik die Verbände nicht begreifen, ist ein echter Skandal.
    Stattdessen verschiebt man, d.h. Verbände, Politik und Medien, bewusst den Sport zur Fernseh-Show und zum Zirkus-Spektakel.

    Antwort auf "Warum..."
  4. Ein Gesetz würde helfen. Aber es gibt dafür derzeit keine Mehrheit in Gesellschaft oder Regierung. Ich denke, nicht die strafrechtliche Ächtung eines Sportlers muss unser Ziel sein, sondern die soziale Ächtung. Diese erreichen können wir nicht nur durch positive Dopingtests, sondern auch durch ein System der ultimativen Transparenz, so wie wir es mit TRUSTsports.org anstreben.

  5. Ich seh es genauso wie Herr Fritsch.
    siehe: http://sportlich.wordpres...

  6. Es wird nichts Einschneidendes passieren. Dafür ist der Sport ein zu lukratives Geschäft. Zuviele profitieren davon

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