Schon Jahre, bevor Olympische Spiele stattfinden, gibt es die ersten Verlierer. Menschen, die ihre Wohnungen und Häuser räumen müssen. Ihr Lebensmittelpunkt wird auf einmal für angeblich Wichtigeres gebraucht. Für die Olympischen Spiele 2008 in Peking waren Tausende aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben worden, das Organisationskomitee hat 6000 Umsiedlungen zugegeben. Diese Zahl darf man getrost mit einem Faktor X multiplizieren.

Alle Auswüchse der Olympischen Spiele von Peking waren stets den kommunistischen Diktatoren zugeschoben worden. Doch die Geschichte wiederholt sich. Auch für die Winterspiele 2014 in Sotschi müssen Tausende umziehen.

Olympia macht platt. Das bestätigt sich wieder. Wie schon in Peking, so heißt es auch diesmal, es müsste dringend notwendige Infrastruktur errichtet werden, Straßen und Schienen etwa. Das klingt erst einmal nicht verkehrt. Aber es bleibt der Eindruck, dass die bald Vertriebenen Opfer einer größenwahnsinnigen Planung werden.

Der Naturverbrauch in Sotschi hat bislang noch keinen großen Aufschrei verursacht. Der heilige olympische Geist scheint Rechtfertigung genug dafür zu sein, dass eine ganze Region verändert wird, nur damit Athleten für ein paar Sekunden Hänge auf Skiern hinunterstürzen oder auf Schlitten runterrodeln.

Ob der Protest diesmal lauter ausfällt? Nur ein Jahr nach Peking könnte es die nächste Debatte darüber geben, ob es sinnvoll ist, Olympische Spiele in Länder zu vergeben, in denen es keine einklagbaren Grundrechte gibt.

Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 27.10.2009