Münchens Olympia-Bewerbung Das Anti-Sotschi im RingkampfSeite 2/2

Nach vielen Zweifeln im Vorfeld ist das Konzept mit dem Ende der IOC-Frist auch von den Grünen abgesegnet worden. Mit 66 zu 47 Stimmen fand es am Mittwoch in der Grünen-Fraktion im Landtag eine unerwartet deutliche Akzeptanz. "Die Bedenken, die wir hatten, wurden abgearbeitet – zumindest auf dem Papier", sagte Winfried Hermann, sportpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Gespräch mit ZEIT ONLINE, kündigte aber an, die Entwicklung zu beobachten.

Hermann weist darauf hin, dass die Umsetzung des Konzepts auch von den Plänen des IOC abhängig ist. Bio-Ernährung klingt gut, aber unter den wichtigsten IOC-Sponsoren sind Coca-Cola und Mc Donald's.

Der Weg zur Entscheidung

5. Juli 2007:  Unmittelbar nach der IOC-Entscheidung für Sotschi 2014 unternimmt Münchens Oberbürgermeister Ude einen neuen Bewerbungsvorstoß für 2018. Für DOSB-Präsident Thomas Bach hat sich nach der Niederlage von Salzburg "die Tür für Spiele in den Alpen" geöffnet.

22. Oktober 2007:  Das DOSB-Präsidium verabschiedet die für 600.000 Euro erstellte Machbarkeitsstudie Münchens. Es sieht kompakte Spiele in München, Garmisch und am Königssee vor. 

8. Dezember 2007: Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet, dass sich München zusammen mit Garmisch-Partenkirchen und dem Berchtesgadener Land als deutscher Kandidat für die XXIII. Olympischen Winterspiele und die XII. Paralympics 2018 bewerben wird.

7. Oktober 2009: Acht Tage vor Fristende reicht München offiziell seine Bewerbung um die Winterspiele 2018 beim IOC ein. München tritt gegen das südkoreanische Pyeongchang und das französische Annecy an.

15. März 2010: München reicht das sogenannte "Mini Bid Book" beim IOC ein. Im Mini Bid Book werden 25 Fragen zu acht Themenbereichen wie z.B. Konzept, Motivation, Wettkampfstätte und Transport auf jeweils einer Seite beantwortet.

2. Juli 2010: Das IOC nominiert anhand der Mini Bid Books die Kandidatenstädte.

11. Januar 2011: Wird München als Kandidatenstadt nominiert, muss die Bewerbergesellschaft ein zweites, 500 Seiten starkes Dokument erarbeiten. Im Bid Book werden Fragen zu 17 Themen beantwortet. (U.a. Vision der Spiele, Olympisches Erbe, Sportstätten, Verkehr, Unterbringung, Doping-Kontrollen, medizinische Betreuung, Sicherheit) Hinzu kommen über 100 Garantien, die gemeinsam oder einzeln vor allem von der Bundesrepublik Deutschland, dem Freistaat Bayern, der Landeshauptstadt München, der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen und dem Landkreis Berchtesgadener Land abzugeben sind.

Februar bis März 2011: Besuch der IOC-Evaluierungskommission in den Kandidatenstädten.

6. Juli 2011: Wahl der Gastgeberstadt der Olympischen Winterspiele 2018 auf der IOC-Vollversammlung in Durban.

(Quelle: dpa/www.muenchen2018.org)

Es gibt ein weiteres Problem: Die Bewerbergesellschaft ist weit davon entfernt, die Bewerbung ohne die öffentliche Hand zu finanzieren, meldete die Süddeutsche Zeitung in der vergangenen Woche. Von den 30 Millionen Euro an Sponsorengeldern, die die Bewerbungsgesellschaft bis zur Olympia-Entscheidung im Jahr 2011 einsammeln möchte, ist bislang lediglich ein Drittel zugesichert.

Längst musste sich die Bewerbergesellschaft mit Darlehen von Stadt und Land unter die Arme greifen lassen. Der Verdacht drängt sich auf, unter den Spielen, die der Bundestag auf Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "als nationale Aufgabe" unterstützt, leidet weniger die Umwelt als vielmehr der Steuerzahler.

Einfluss auf die Entscheidung des IOC hat die Finanzierung der Bewerbung indes kaum. Für Komitee spielt es keine Rolle, wer für sie aufkommt. Die Entscheidungen des IOC sind ohnehin unkalkulierbar. Märkte, Lobbys, Politik – die Kriterien sind zahlreich. US-Präsident Barack Obama konnte vor zwei Wochen das Komitee in Kopenhagen nicht von seiner Heimatstadt Chicago überzeugen.

Wladimir Putin holte die Winterspiele 2014 nach Sotschi. Ein fragwürdiger Entschluss. "Das IOC hat sich für einen Ort entschieden, den es nicht gibt. Putin lässt mit Ölmilliarden ein künstliches Skigebiet errichten. Vieles spricht dafür, dass viel Geld im Spiel war", sagt Winfried Hermann.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service