US-Schwimmerin Dara Torres "Ich war total verängstigt"Seite 2/2
ZEIT ONLINE: Sie haben an fünf Sommerspielen teilgenommen (1984, 1988, 1992, 2000, 2008), elf Olympische Medaillen gewonnen, davon viermal Gold. Warum tun Sie sich das alles noch an und wollen als 45-Jährige in London gegen Kontrahentinnen schwimmen, die Ihre Töchter sein könnten?
Torres: Ich liebe Schwimmen, und ich liebe den Wettkampf. Und warum sollte ich nicht gegen die Kids antreten, solange es mir möglich ist und ich mit denen mithalten kann? Ich denke, es kommt nicht aufs Alter an, sondern darauf, ob ich noch gut genug bin.

Dara Torres nach der OP
ZEIT ONLINE: Was passiert, wenn Ihnen der Doktor in einem Jahr sagt, dass Ihr Knie trotz aller Disziplin nicht mehr für den Leistungssport geeignet ist?
Torres: Daran denke ich gar nicht, sonst würde ich mich nur verrückt machen.
ZEIT ONLINE: Wie beurteilen Sie angesichts der Verletzung Ihren achten Platz über die 50 Meter Freistil bei der WM in Rom?
Torres: Ich wusste bereits vorher, dass ich aufgrund meiner Knieprobleme nicht in Bestform war und nicht das nötige Beintraining absolvieren konnte. Ich wollte trotzdem mein Bestes geben. Letztlich war das Ergebnis in Ordnung. Ich bin die Achtschnellste der Welt – und das mit 42 Jahren. Aber gegen Weltmeisterin Britta Steffen und ihren Weltrekord hätte ich ohnehin keine Chance gehabt. Sie ist einfach eine unglaubliche Athletin, ihre Zeit wird lange unschlagbar sein.
- Mit dem Zweifel im Wasser
-
Der Zweifel schwimmt mit Dara Torres. Die Frage nach ihrem Alter muss sie mindestens so oft beantworten wie die nach Doping. Wie kann es sein, dass sie heute schneller schwimmt als vor zwanzig Jahren, dass eine Frau, die die 40 überschritten hat, Gegnerinnen abhängt, die ihre Töchter sein könnten?, hieß es, als Torres im August 2007 bei den nationalen Titelkämpfen über 50 Meter Freistil US-Rekord schwamm. Und als sie sich im Sommer 2008 als US-Meisterin über die 50 und die 100 Meter Freistil für ihre fünften Olympischen Spiele qualifizierte, wuchs die Skepsis. In Peking war sie der Deutschen Britta Steffen über 50 Meter Freistil nur um eine Hundertstelsekunde unterlegen.
Nachgewiesen ist nichts, und Torres geht inzwischen offensiv mit der Skepsis um. Vor Peking 2008 wurde sie Mitglied des "Project Believe" der nationalen Anti-Doping-Agentur USADA. Sie gab zusätzliche Urinproben ab und ließ sich Blut abnehmen, das jetzt gelagert wird und in Zukunft auf menschliche Wachstumshormone kontrolliert werden kann. Allerdings wurde auch mit Jahren Verspätung bekannt, dass Torres vor Sydney 2000 keine Doping-Tests machen musste.
Ihre Leistungen führt die 42-Jährige auf ihr spezielles Training zurück. Die Millionärstochter leistet sich zwei Masseure, zwei Physiotherapeuten sowie neben ihrem deutschen Coach Michael Lohberg mehrere Spezialtrainer.
ZEIT ONLINE: Wie ist Ihr Verhältnis zu Steffen, die Ihnen ja in Peking Gold über die 50 Meter Freistil um eine Hundertstel weggeschnappt hat?
Torres: Ich freue mich immer, wenn ich sie sehe und gegen sie schwimmen kann. Ich finde sie noch immer zurückhaltend, allerdings mittlerweile nicht mehr so schüchtern wie noch vor ihren beiden Olympiasiegen.
ZEIT ONLINE: Britta Steffen wurde am 16. November 1983 geboren. Wissen Sie in etwa, was Sie damals gemacht haben?
Torres:Da war ich 17 Jahre alt und habe mich auf die Olympischen Spiele ein Jahr später in Los Angeles vorbereitet, wo ich meine erste Goldmedaille gewann.
ZEIT ONLINE: Welche Unterstützung bekommen Sie derzeit von Ihrem deutschen Trainer Michael Lohberg?
Torres: Er ruft jeden Tag an. Und er wollte natürlich auch gleich wissen, wie lange ich ausfalle. Als ich ihm sagte, dass es mindestens ein Jahr sein wird, war er zunächst erschrocken. Ich meinte nur: Michael, wir haben dann immer noch fast zwei Jahre zur Vorbereitung auf London, das wird schon.
Die Fragen stellte Heiko Oldörp.
- Datum 27.10.2009 - 15:10 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren