Bayern München Das deutsche Real Madrid

Reich, aber ohne Konzept - Bayern Münchens Erfolglosigkeit im Europapokal geht auf falsche Politik Uli Hoeneß' zurück. Ein Kommentar von Michael Rosentritt

Uli Hoeneß

Uli Hoeneß

Nach 30 Jahren als Manager auf der Trainerbank sieht Uli Hoeneß den Fußball seines FC Bayern zwar nicht mit anderen Augen, wohl aber aus anderer Perspektive. Wie ein Adler in seinem Horst thront Uli Hoeneß hoch oben auf der Tribüne und sieht runter auf den Rasen und hat das Große und Ganze im Blick.

Ist er deswegen nervös gewesen vor dem Rückspiel gegen Bordeaux? Vielleicht ahnte der dienstälteste Bundesligamanager etwas. Seine Bayern spielen nicht gut und jetzt auch nicht mehr erfolgreich.

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Früher war es so: Die Bayern konnten gut spielen, zeigten es zwar selten, waren aber trotzdem meist erfolgreich. Viele nationale und einige internationale Titel zeugen davon. Das ist längst Geschichte. Nun müssen sie anerkennen, dass eine Mannschaft wie die aus Bordeaux ein eingespieltes Team ist und in zwei Duellen mit ihnen wirklich das bessere war. Was also bleibt als Aussicht für den FC Bayern?

Der FC Bayern, der seit einigen Jahren die Tuchfühlung zur internationalen Spitze verloren hat, ist auf dem besten Weg, zum deutschen Real Madrid zu werden. Also zu einem Verein mit gewaltiger Reputation und Strahlkraft. Die Königlichen sind aber eben auch von anderen in Europa überholt worden.

Was haben sich die Bayern lustig gemacht über die überteuerte und völlig abstruse Transferpolitik der Madrilenen, die sich immer wieder aufs Neue fußballerische Artistentruppen zusammenkaufen! Die Bayern sind doch nicht anders, wenngleich eine kleine Nummer kleiner. Sieht das Uli Hoeneß nicht?

 
Leser-Kommentare
    • Jenss
    • 05.11.2009 um 18:17 Uhr
    1. Na Ja

    Wahrscheinlich stimmt es, das Hoeneß diesmal einige eher schlechte als gute Entscheidungen getroffen hat. Das kommt, aber bei jedem Verein mal vor. Bei Bayern aber höchst selten. Anders ist der andauernde Erfolg über all die Jahre nicht zu erklären. All die Vereine die ein paar Jahre mithalten konnten, verschwanden nach einiger Zeit wieder im Mittelmaß HSV in den 70er, Dortmund war sogar Weltpokal Sieger und jetzt? Und wo steht den Bremen? Über alle Jahre zusammen kann man viel über Uli Honeß sagen, aber nicht, dass er ein schlechter Manager war.

    Jedenfalls sollte man anerkennen, dass Klinsmann so schlecht nicht war. Er stand mit einem billigeren Kader besser da. Außerdem hatte er nach Verstärkungen verlangt, die von der Vereinsführung nicht bewilligt wurden.

  1. ... in den letzten 2 Jahren mutet schon recht seltsam an. Mehrfachbesetzungen mit Welt- und internationaler Klasse im Sturm - so dass sich inzwischen alle wechselseitig blockieren. Bundesligadurchschnitt im Tor und in der Abwehr. Im Mittelfeld viel Grätsche, wenig Spielgestaltung.

    Angefangen hat die Malaise mit einer nahezu lustvollen Degradierung des Trainerpersonals - den wichtigsten Personen im sensiblen Konstrukt Profimannschaft. Hitzfeld wurde belehrt, dass Fußball keine Mathematik sei; der zweifache Double-Gewinner Magath nach einer etwas schwächeren Halbserie direkt verabschiedet. Als Ersatz kamen PowerPoint-Trainer Klinsmann und jetzt der niederländische Exzentriker van Gaal, dessen letzte Erfolge auf gewünschtem Niveau auch schon 10 Jahre zurückliegen.

    Bei den Spielern wurde gleichzeitig eingekauft, als wenn 10jährige Jungens Quartett spielen: Ribery, Luca Toni, Gomez u.a. für viele, zu viele Millionen. Nicht so spektakuläre, aber nicht minder wichtige Stabilisatoren wie Lucio, Ze Roberto wurden dagegen für ein Brötchen abgegeben.

    Warum das so gekommen ist? Der wichtigste Grund dürfte ganz menschlich sein. Der FC Bayern wäre nicht der FC Bayern ohne den Ehrgeiz eines Uli Hoeneß. Doch was dem Verein 30 Jahre große Erfolge eingebracht hat, das wird, wenn der Abschied naht, zum Malus. Denn Alpha-Tiere möchten sich nun mal von den höchsten Gipfeln verabschieden. Da wird das Festgeldkonto schon mal zur Petitesse. Und Geduld zur Untugend erklärt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Guido3
    • 05.11.2009 um 23:01 Uhr

    Meines Erachtens treffend analysiert.

    Das Einkaufspolitik wirkt völlig konfus. Es scheinen immer nur einzelne Transfer betrachtet zu werden und nicht das Team als Ganzes. Auch das Scouting und die Integration scheinen bei Bayern überhaupt nicht zu funktionieren. Alles was man in den letzten Jahren an Spielern aus Südamerika importiert hat, hat nicht funktioniert. Breno, Jose Ernesto Sosa, Julios dos Santos. Dafür wurden über 20 Millionen EUR ausgegeben. Südamerikaner funktionieren bei den Bayern nur, wenn sie vorher von einem anderen deutschen Club integriert wurden.

    In Stuttgart lachen die sich sicher noch heute darüber kaputt, dass sie den Bayern 35 Millionen für Gomez abnehmen konnten. Gomez ist ein guter Spieler, aber 35 Millionen hat und hätte kein anderer Club gezahlt. 15-20 Millionen dürften ein realistischer Marktwert sein.

    • Guido3
    • 05.11.2009 um 23:01 Uhr

    Meines Erachtens treffend analysiert.

    Das Einkaufspolitik wirkt völlig konfus. Es scheinen immer nur einzelne Transfer betrachtet zu werden und nicht das Team als Ganzes. Auch das Scouting und die Integration scheinen bei Bayern überhaupt nicht zu funktionieren. Alles was man in den letzten Jahren an Spielern aus Südamerika importiert hat, hat nicht funktioniert. Breno, Jose Ernesto Sosa, Julios dos Santos. Dafür wurden über 20 Millionen EUR ausgegeben. Südamerikaner funktionieren bei den Bayern nur, wenn sie vorher von einem anderen deutschen Club integriert wurden.

    In Stuttgart lachen die sich sicher noch heute darüber kaputt, dass sie den Bayern 35 Millionen für Gomez abnehmen konnten. Gomez ist ein guter Spieler, aber 35 Millionen hat und hätte kein anderer Club gezahlt. 15-20 Millionen dürften ein realistischer Marktwert sein.

    • Guido3
    • 05.11.2009 um 23:01 Uhr

    Meines Erachtens treffend analysiert.

    Das Einkaufspolitik wirkt völlig konfus. Es scheinen immer nur einzelne Transfer betrachtet zu werden und nicht das Team als Ganzes. Auch das Scouting und die Integration scheinen bei Bayern überhaupt nicht zu funktionieren. Alles was man in den letzten Jahren an Spielern aus Südamerika importiert hat, hat nicht funktioniert. Breno, Jose Ernesto Sosa, Julios dos Santos. Dafür wurden über 20 Millionen EUR ausgegeben. Südamerikaner funktionieren bei den Bayern nur, wenn sie vorher von einem anderen deutschen Club integriert wurden.

    In Stuttgart lachen die sich sicher noch heute darüber kaputt, dass sie den Bayern 35 Millionen für Gomez abnehmen konnten. Gomez ist ein guter Spieler, aber 35 Millionen hat und hätte kein anderer Club gezahlt. 15-20 Millionen dürften ein realistischer Marktwert sein.

  2. Es ist wahr, Hoeneß macht große Fehler, aber aus meiner Sicht andere als die im Artikel beschriebenen.
    Er kauft Stars, die sich dann aufführen können, wie die Schläuche gegenüber ihrem Trainer. Und das Dank der Tatsache, dass Hoeneß seinen Trainern in ihre Aufgabe hineinpfuscht.
    Bei Klinsmann hat er bestimmte Spieler nicht gekauft, die der Trainer wollte und hat dann Klinsmann auch den Rücken nicht unbedingt gestärkt, als einige Spieler in der Presse das Maul mit seichten Anspielungen aufgerissen haben.
    Dies untergräbt die Autorität des Trainers, das schlimmste, was einer Fussballmannschaft passieren kann. Denn Stars helfen einer Mannschaft nichts, wenn sie tun was sie wollen und sich nicht an die Vorstellungen des Trainers halten. Solche Stars schaden sogar eher.
    Löw hat beispielsweise aus meiner Sicht richtig gehandelt, als er Kourani aus dem Kader geworfen hat, als dieser aus Trotz nicht zum Spiel erschienen ist. Denn solche Leute vergiften den Teamgeist in einer Mannschaft, die dann aus lauter großmäuligen Besserwissern besteht.
    Der Bayern Trainer hatte in den letzten Jahren die Möglichkeit nicht, die Löw zur Verfügung steht, weil sich die ganze Führungsriege (nicht nur Hoeneß, auch der Franz und Rumenigge) gern in der Presse, meist zu ungunsten des Trainers, ausgelassen haben um sich wichtig zu machen.
    Als dann die Erfolge ausblieben, dank dieser Machenschaften, war der Trainer schuld.

  3. Die Bayern gewinnen ca. 50% der deutschen Meistertitel. Ich finde das übrigens nervig und hätte es gern anders.

    Der Artikel ist sachlich falsch und bringt die langfristige Perspektive in Zusammenhang mit den beiden unglücklichen Bordeaux-Spielen.

    Fakt ist, dass Bayern eine Menge Geld in den Sand gesetzt hat diese Saison, aber Fakt ist eben auch, dass Ribery beim Verkauf knapp 50 Millionen wieder reinbringt. Darüber hinaus haben die Bayern mit Müller und Badstuber gleich 2 Eigengewächse zum Stammspieler gemacht.

    In Deutschland sehe ich eigentlich mittelfristig nur Hoffenheim in der Lage, den Bayern Paroli zu bieten.

  4. Der Unsinn in Münchens Fürhrungsriege stinkt ja auch schon länger zum Himmel.

    Klinsmann hatte am 12. Spieltag der letzten Saison 6 Punkte mehr auf dem Konto. Jupp Heynkes ließ man ziehen. Nun steht er mit Leverkusen an der Spitze der Liga. Die Einkaufspolitik wird von den eigenen Spielern kritisch betrachtet. Das sieht man allerdings auch als Blinder mit Krückstock, dass das Mittelfeld Bayerns Problemzone ist. 1 bis 2 Einkäufe aus der überbesetzten Spitze zu Beginn der Saison im Mittelfeld investiert und Bayern würde vermutlich anders dastehen.

    Hätte sich Herr Hoeneß nicht so besserwisserisch gegen Klinsmann geäußert, würde man nun über seine verbalen Torheiten auch nicht schmunzeln müssen. Ich gönne Jürgen Klinsmann die späte Genugtuung, denn er hat sich im Gegensatz zu den Bayern Oberen professionell verhalten.

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