SPD-Politiker Danckert "Der Sport muss mehr gefördert werden"Seite 2/2

ZEIT ONLINE: Der organisierte Sport betont seine Autonomie. Ist dies sinnvoll, wenn es darum geht, Dopingvergehen strafrechtlich zu verfolgen?

Danckert: Wir haben bereits eine strafrechtliche Sanktionsmöglichkeit: das Arzneimittelgesetz. Der Besitz von nicht geringen Mengen an Dopingsubstanzen ist unter Strafe gestellt. Das ist eine Neuerung, die wir in der vergangenen Legislaturperiode auf den Weg gebracht haben.

ZEIT ONLINE: Müssten die Eingriffe nicht weiter gehen? Ein des Dopings überführter Sportler wird lediglich von seinem Verband gesperrt. 

Danckert: Es besteht aber die Möglichkeit, dass gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Ob dies zu einer Strafe führt, die von einem Gericht festgesetzt wird, ist eine andere Sache.

ZEIT ONLINE: Den Sportausschuss gibt es seit 40 Jahren. Können Sie kurz erklären, was genau er eigentlich macht?

Danckert: Der Sportausschuss berät und informiert in allen Fragen, die mit dem Sporthaushalt und dem Spitzensport zu tun haben. Er kann nicht entscheiden, das machen Haushalts- und Finanzausschuss. Er begleitet die Parlamentsentscheidungen mit seinem fachlichen Wissen. Der Sportausschuss hat allerdings nichts mit der Wahl eines Präsidenten des DOSB zu tun. Das ist Sache der Verbände.

ZEIT ONLINE: Ist Doping das größte Problem des Sports?

Doping wird ein Dauerthema bleiben

Peter Danckert, ehemaliger Vorsitzender des Sportausschusses

Danckert: Doping wird ein Dauerthema bleiben. Wir müssen aber auch die Frage beantworten: Wollen wir einen international wettbewerbsfähigen Spitzensport haben? Wenn wir international bestehen wollen, muss der Sport finanziell mehr gefördert werden. Kleinere Länder wie Singapur oder Neuseeland stecken ihre finanziellen Ressourcen in zwei oder drei Sportarten. Wir versuchen alle olympischen Sportarten zu unterstützen. Dafür reichen die finanziellen Mittel nicht aus, die wir gegenwärtig zur Verfügung stellen.

ZEIT ONLINE: Was sollte der Sport tun, um Doping wirkungsvoll zu bekämpfen?

Danckert: Hier sind der IOC und die internationalen Verbände gefragt, die ihre Regularien verschärfen müssen. Zum Beispiel sollten Länderverbände nicht an Olympischen Spielen teilnehmen, wenn sie gegen bestimmte Regeln verstoßen. Das ist das stärkste Druckmittel. Der Staat hat gar nicht diese Sanktionsmöglichkeiten. Das IOC kann von den Verbänden verlangen, sich stärker an der Dopingprävention zu beteiligen.

ZEIT ONLINE: Sie haben in Ihrer Funktion als Präsident des Pferdesportverbandes Berlin-Brandenburg dafür plädiert im Dopingfall nicht den Reiter, sondern das Pferd zu sperren.

Danckert: Ich halte das für die wirkungsvollste Sanktion, weil der Reiter nicht immer der Pferdebesitzer ist. Er kann nicht 24 Stunden am Tag neben seinem Pferd stehen und es kontrollieren. Da gibt es Pfleger, da gibt es den Tierarzt oder Besucher der Stallanlagen, die Zugang zu dem Pferd haben.

ZEIT ONLINE: Sie sind Politiker und Präsident eines Sportverbandes. Ist es nicht schwer, diese beiden Ämter zu trennen?

Danckert: Damit habe ich überhaupt kein Problem. Das eine ist ein Ehrenamt, das ich seit vielen Jahren ausübe. Wo es Berührungen gibt, zum Beispiel beim Thema Doping, habe ich eine klare Position. Ich stelle mich nicht schützend vor den Verband, sondern fordere ihn auf, alles zu tun, um die nationalen und internationalen Dopingregeln umzusetzen.

Die Fragen stellte Matthias Bossaller

 
Leser-Kommentare
  1. Darum:

    Wenn schon in den Medien die Werbeeinnahmen durch die Ausstrahlung und Wiederholung von immer mehr "Dumpfbacken"-Filmen oder anderen geistlosen journalistischen Ergüssen zurückgehen, ja selbst bei dem Abzock-Sender SKY die Kunden in Scharen davon laufen, dann muss der Sport ja noch mehr gefördert werden.

    Damit immer mehr laufende, schwimmende, fliegende, fahrende oder reitende Litfaßsäulen umher laufen, dafür brauchen wir natürlich erstmal Geld - von den Einnahmen der Pharmaindustrie ganz zu schweigen.

    Nur ein erfolgreicher Sportler ist ein guter Sportler - egal wie es in seinem Innersten aussieht:

    Er hat genauso zu funktionieren, wie die Gesellschaft es von ihm erwartet - bis in den Tod.

    Dann jammern all jene, die eine Mitschuld an seinem Ableben tragen.

    Am meisten wird aber die Werbeindustrie jammern, denn die haben wieder einmal einen Werbeträger, aber keinen Menschen, verloren.

    Zum Glück gibt es noch andere Dumme, die sich auf dieses Geschäft einlassen - ist ja dann wenigstens finanziell besser, als in Afghanistan ins Gras zu beißen.

    Sport frei!

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