Wettbetrug im Fussball : Ein Skandal, der den Fußball erschüttern wird

Im Profifußball zeichnet sich ein Wettskandal von noch unbekanntem Ausmaß ab. Deutschland scheint sein Zentrum zu sein. Von Tobias Romberg
Blick in ein Wettbüro: Der neue Skandal im Fußball soll Wettauszahlungen in Höhe von zehn Millionen Euro betreffen © William West/AFP/Getty Images

Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt seit Anfang des Jahres gegen eine internationale Bande. Sie soll Spieler, Schiedsrichter und Trainer in neun Ländern bestochen haben. Sie soll allein in diesem Jahr den Ausgang von 200 Fußballspielen – darunter Spiele der Champions und der Euro League – beeinflusst haben.

Die Aussagen der Ermittler sind eindeutig: Im Profifußball zeichnet sich ein neuer Wettskandal ab, und Deutschland scheint nach jetzigen Erkenntnissen das Zentrum dieses Skandals zu sein. Vor 32 Spielen soll es hierzulande illegale Absprachen gegeben haben. Vier Spiele der Zweiten Bundesliga, drei Spiele der Dritten Liga sowie Spiele aus Regional- und Oberligen und der U21-Nationalmannschaft sollen betroffen sein.

Ganz automatisch werden nun Erinnerungen an den Fall Robert Hoyzer wach. Der junge Schiedsrichter war maßgeblich an Spielmanipulationen beteiligt, die vor vier Jahren bekannt wurden. Sogar von personellen Verstrickungen zum aktuellen Geschehen ist auszugehen. Demnach sollen auch die Brüder Ante und Milan S. am Donnerstag festgenommen worden sein. Ihre Namen fielen bereits im Zusammenhang mit den Verschiebungen, die Hoyzer zu verantworten hatte. Ante S. galt als der "Wettpate" Hoyzers.

Deutliche Hinweise, wie die internationale Bande Spiele manipuliert haben könnte, zeigen sich in Osnabrück. Der dort ansässige VfL, der jüngst als Drittligist in das Viertelfinale des DFB-Pokals einzog, stieg in der vergangenen Saison aus der Zweiten Bundesliga ab. Zwei Punkte fehlten am Ende der Saison zum Klassenerhalt. Stattdessen musste der VfL in die Relegation, die er verlor. Nach dem Abstieg zerbrach die Mannschaft, der Trainer wechselte zu Energie Cottbus, der Verein geriet in eine finanzielle Notlage.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Sumpf

Diesen Sumpf wird man wohl niemals völlig trockenlegen können.
Es bleibt nichts anderes übrig, als immer schön die Decke darüber zu halten. Wenn es dann aber mal wieder richtig gärt und blubbert, ja dann muss man Nolens volens irgend jemand aburteilen und dann so tun, als wäre das Problem damit erledigt.

Wie heißt es doch so schön bei Goethe:
„Übers Niederträchtige niemand sich beklage, denn es ist das Mächtige was man Dir auch sage!“

"... den Fußball erschüttern wird"

Also erschüttert wurde Deutschland zuletzt von der Bundestagswahl ... aber Skandale, welche sich um Moral und Ehre drehen und bei deren Beendigung viel Geld zu Hause bleiben würde, haben die freche Angewohnheit, ganz schnell abzuebben. Sie wollen ein Beispiel dafür? Doping.
Die heilige Kuh Fußball wird niemand von der Wiese bitten und nicht nur im sportlichen Umfeld hat man zwar "Kontrolle", jedoch die Instanz dafür so clever gelegt, als dass diese ständig im Zielkonflikt zwischen hohen Einnahmen/gutem Image und dem moralisch einwandfreiem Betrieb steht. Da die jeweilige Lobby primär am Erstgenannten interessiert sein wird, verbietet sich eine längere öffentliche Diskussion und erst recht eine Überprüfung der Kontrollinstanz an sich. Auch eine Abart des Kapitalismus: Den moralischen Anschein wahren und dabei gut verdienen.
Also: Tag 1 von maximal 14 "Skandal"

Der ganze Morast

von Korruption und Betrug, in dem sich die einschlägigen Wett-Etablissements an der Straßenecke seit Jahren mitsuhlen, zieht die angeschlagene Reputation des Fußballs vollends in den Abgrund. Der ermittelnde Staatsanwalt wird ein starkes Rückgrat brauchen, denn Goethe (feines Zitat, bambulie!) wusste in der Tat, wovon er sprach, auch wenn er sich von mafiösen Strukturen nichts träumen ließ.

Auf den Staatsanwalt und sein Rückgrat! Es lebe die dritte Gewalt! Und die vierte sollte ganz einfach mal dranbleiben und nicht nach zwei Tagen das Thema fallen lassen in dem Irrglauben, die Leute wären seiner überdrüssig. Werden sie nicht sein!