Thomas Hitzlsperger "Ein Wettverbot wäre die konsequenteste Lösung"

Nationalspieler Thomas Hitzlsperger über Casino-Besuche, Lotto-Gewinne und Konsequenzen aus dem aktuellen Wettskandal. Das Alles-Außer-Fußball-Kolumnengespräch

"Die Dimension, die dieser Skandal zu haben scheint, ist brutal": Thomas Hitzlsperger (vorn) während des Länderspiels gegen die Elfenbeinküste

"Die Dimension, die dieser Skandal zu haben scheint, ist brutal": Thomas Hitzlsperger (vorn) während des Länderspiels gegen die Elfenbeinküste

ZEIT ONLINE: Herr Hitzlsperger, wie viel hätten Sie gestern noch auf den Sieg gegen Glasgow gewettet?

Thomas Hitzlsperger: Gar nichts, ich wette nicht auf Fußballspiele. Aber ich habe fest daran geglaubt, dass wir gewinnen werden.

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ZEIT ONLINE: Sie haben noch nie die Fußballergebnisse getippt?

Hitzlsperger: Doch, als kleiner Junge habe ich auf Fußballspiele im In- und Ausland in der staatlichen Fußballwette Oddset getippt. Ich musste jedoch feststellen, dass ich kein guter Tippspieler war. Ich habe mehr verloren als gewonnen. 

Alles Außer Fußball

Alles außer Fußball ist die Kolumne von Katja Kraus, Corny Littmann, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Jede Woche geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Die vier sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Littmann, Hitzlsperger, Friedrich und Kraus wollen ihre Meinung sagen, beispielsweise zu den Herausforderungen der Bundesregierung, zum Alltag in der Bundesliga und darüber, wie das zusammenhängen kann.

ZEIT ONLINE: Aber einen Dreier im Lotto hatten Sie sicher schon einmal?

Hitzlsperger: Lotto hat mich nie wirklich begeistert. Eine Weile habe ich gepokert, das hat aber auch wieder aufgehört. Inzwischen gehe ich nur noch ab und an ins Casino.

ZEIT ONLINE: Sie verzocken Ihre Millionen im Spielcasino?

Hitzlsperger: Ich setze nicht mein ganzes Erspartes ein, nur einen Bruchteil. Ich gehe manchmal mit Kumpels dorthin, und es macht mir mehr Spaß als Lotto oder Fußballwetten.

ZEIT ONLINE: Was war Ihr höchster Gewinn?

Hitzlsperger: Ich weiß es nicht genau, aber ich freue mich über jeden Euro, den ich gewinne.

ZEIT ONLINE: Haben Sie in den vergangenen Tagen eigentlich Angst bekommen? Durch den neuen Wettskandal könnte Ihr Beruf in Verruf geraten.

Hitzlsperger: Es ist schon ungeheuerlich, in welchem Umfang und mit welcher Skrupellosigkeit Leute Geschäfte im Fußball machen wollen. Eines ist doch Fakt: Wenn die Fans nicht mehr wissen, ob ein Spiel gekauft wurde oder nicht, wenden Sie sich ab. Wenn sich die Vermutungen also bestätigen, werden einige Fans keine Lust mehr auf Fußball haben. Als ich vor ein paar Tagen die Bilder von vermeintlich manipulierten Spielen gesehen habe, habe ich mir die Frage gestellt: War ich jemals bei so einem Spiel dabei? Die Dimension, die dieser Skandal zu haben scheint, ist brutal.

ZEIT ONLINE: Für wie glaubwürdig halten Sie denn noch ein Ergebnis der Regionalliga, also der vierthöchsten Spielklasse in Deutschland?

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Alle Kolumnen von Andreas Beck, Philipp Lahm, Tobias Rau und Thomas Hitzlsperger auf unserer Serienseite

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Hitzlsperger: Mit vorschnellen Urteilen bin ich vorsichtig. Trotz aller Befürchtungen, bis jetzt gab es keine Verurteilungen. Das heißt, die Unschuldsvermutung gilt für jedes Spiel und jeden Spieler.

ZEIT ONLINE: Können Sie heute sicher sagen, dass Sie nie in einem manipulierten Spiel mitgespielt haben?

Hitzlsperger: Hundertprozentig sicher kann ich das nicht sagen. Ich kann es für mich persönlich ausschließen, aber scheinbar sind die Beteiligten sehr gewieft und lassen sich nichts anmerken. Als Spieler ist man sehr auf seine eigene Leistung fokussiert. Wenn ein Mitspieler nicht sein Bestes gibt, denkt man nicht sofort an Manipulation. Ich glaube jedenfalls, dass es in allen Teams, in denen ich bisher gespielt habe, keine Manipulationsversuche gab.

ZEIT ONLINE: Wäre es eine Lösung, wenn der Gesetzgeber alle Sportwetten verbieten würde?

Hitzlsperger: Darüber habe ich heute auch nachgedacht. Es wäre wohl die konsequenteste Lösung des Problems. Wenn es die Möglichkeit des Wettens nicht mehr gibt, kann auch kein Spieler mehr in Versuchung gebracht werden. Jedoch hat man von Deutschland aus keinen Zugriff auf Wettanbieter in Asien oder im europäischen Ausland. Dort wird aber das meiste Geld umgesetzt, in Deutschland befinden sich oft nur die Strohmänner.

ZEIT ONLINE: In Deutschland verdient auch der Staat an den Einnahmen von Oddset.

Hitzlsperger: Sicher geht es dabei um viel Geld, und wahrscheinlich würde ausgerechnet dem Sport Geld fehlen, wenn niemand mehr bei Oddset die Spielergebnisse tippt. Soweit ich weiß, wird von den Einnahmen durch Glücksspiele wie Lotto und Oddset auch der Breitensport unterstützt. Man müsste also bei einem Verbot einen Ausgleich schaffen. Aber das Hauptproblem sind nicht die in Deutschland kontrollierten Anbieter, sondern vor allem die Wettfirmen im Ausland mit ihren übermäßigen Angeboten an unbedeutenden Spielen.

Die Fragen stellte Steffen Dobbert

 
Leser-Kommentare
  1. Ein Wettverbot ist angesichts des aktuellen Skandals sinnlos. Die Drahtzieher waren ja in Asien aktiv und haben da auf die deutschen Spiele gewettet.
    Ein internationales Wettverbot ist utopisch und wenn man das nur in Deutschland bechliesst dann werden in erster Linie die betroffen sein, die gar nichts afuer koennen, naemlich der Breitensport.
    Wo es um viel Geld geht, da wird eben betrogen. Dafuer gibt es im Fussball kein/kaum Doping im Gegensatz zu anderen Sportarten. Ein gaenzlich sauberer Sport ist eine naive Illusion. NAtuerlich muessen die Taeter bestraft werde, aber da ist - siehe Ante S. - keine Gewehr fuer die Aenderung ihres Verhaltens

    • Manu84
    • 26.11.2009 um 8:50 Uhr

    Das Wetten verbieten zu können ist eine lächerliche Idee. Vergleichbar vielleicht mit der Prohibition.

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